Das GNU/Linux.ch Magazin berichtet, dass ab Montag Stephanie Henkel monatlich einen Meinungsbeitrag zum Fediverse bei ihnen veröffentlichen wird..
Das Magazin hat sich ja immer wieder dem Thema Fediverse angenommen – siehe den gleichnamigen Hashtag auf der Seite.
Stephanie kannte ich bisher noch nicht. Online ist sie auch mit dem Namen Ückück bekannt und hat schon einige Vorträge über das Fediverse gehalten. Als Moderatorin bei der Mastodon-Instanz Dresden.Network hat sie reiche Praxiserfahrung.
Feedreader ist angeworfen und ich bin gespannt, was man von Stephanie so lesen wird.
Nele Hirsch vom eBildungslabor beschreibt in einzelnen Schritten, wie sie ihre eigene Instanz (in diesem Fall: Mastodon) eingerichtet hat.
Nachdem ihr der technische Aspekt – so wie mir – zu aufwändig war, hat sie sich dafür einen eigenen Hoster gesucht, sodass sie nur mehr die fertige Installation steuern muss.
Ich selbst lasse mein Microblog über masto.host laufen und bin sehr zufrieden mit dem Service. Testinstanzen von Friendica und Firefish laufen bei Weingärtner IT.
Die Kosten sind nicht hoch, und mit einem Hoster ist auch die Administration nicht schwierig. Vorteil ist unter anderem, dass man eine eigene Domain hat unter der das Profil läuft – oder dass man mehrere Profile für sich parallel betreiben kann. Abgesehen davon, dass auch die ganze Familie, Freunde, der Verein oder der Betrieb mit Profilen versorgt werden können.
Vereinfach gesagt. So eine eigene Instanz bietet nicht nur eine eigene Durchwahl sondern eine ganz eigene Rufnummer, über die man im Fediverse erreichbar ist 🙂
Ja, es sind wirklich schon zwei Jahre, in denen ich intensive das Fediverse nutze. Da muss ich doch mal ein wenig zurückschauen und ein bisschen eine Chronik zusammenschreiben.
Am 17. April 2022 schrieb ich „Mastodon reactivated„. An dem Tag hatte ich bei mastodon.social ein Profil eingerichtet. Und schon war ich begeistert von der Idee eine dezentralen Netzes. Eines Netzes, dem sich jede:r anschließen konnte und das nicht einer einzigen Person oder Firma gehört. Und eines Netzes, dass über eine gemeinsame Schnittstelle ganz unterschiedliche Dienste erlaubte.
So hieß es schon am 1. Mai 2022: Willkommen bei microblog.at (Mastodon). Ich hatte mir über masto.host einen eigenen Mastodon Server einrichten lassen – mit eigener Domain. Damit war ich gänzlich unabhängig von etwaigen Admins und Co. einzelner Instanzen. Damit bin ich im Fediverse seither über @roblen erreichbar.
Und ich war gekommen um zu bleiben!
Natürlich machte ich mir gleich Gedanke über die Unterschiede von Bloggen und Microbloggen. Noch dazu, wo Mastodon 500 Zeichen und andere Fediverse Dienste zigtausend Zeichen pro Post erlauben.
Ist Mastodon viel zu kompliziert? fragte ich am 4. Mai 2022 und versuchte darauf eine einfache Antwort zu geben. Denn gerade dieser „föderierte“ Ansatz (Wo soll ich mich denn jetzt registrieren?) machte manche nervös.
In diesen Wochen und Monaten war das Fediverse eine ruhiger Ort für mich. Ich hatte nur wenige Follower und nur wenige folgten mir. Am morgendlichen Weg ins Büro konnte ich meine Timeline des Vorabends durchlesen und auch ein Posting oder ein Bild absetzen. Es war entspannend. Schnell fand ich aber interessante Menschen. Ganz andere, als ich sie von Facebook, Twitter und Co konnte. Von denen war noch kaum jemand im Fediverse. Es war quasi wie zu Beginn von Twitter – entspannt, experimentell und „einfach nett“.
Schon im Juni 2022 probierte ich dann einen #Fedijune. Es war mein eigenes Experiment. Einen Monat lang auf andere soziale Netzwerke größtenteils zu verzichten. Erst im Oktober schrieb ich dann ein Fazit darüber, unter anderem schrieb ich:
Ich habe im #FediJune und darüber hinaus die Nutzung von Twitter und Co. massiv reduziert. Siehe da, es ging mir gar nicht so ab, wie ich dachte. Ich bleibe trotzdem über Neuerungen und politische Entwicklungen informiert. Mancher Diskurs geht mir gar nicht ab, da er eh mehr Streiterei und untergriffiger Kommentar war.
Aus dem #FediJuni ist quasi ein #FediYear geworden.
Mit Friendica probierte ich dann im Oktober 2022 auch eine andere Plattform im Fediverse aus. An sich gefiel sie mir recht gut. Aber die sie auf einem Shared Webspace zu hosten funktionierte aus Performance Gründen dann doch nicht. Schade, denn ich entdeckte Dinge wie Friendica als Feedreader einsetzen.
Mit der zweiten Jahreshälfte 2022 fanden es immer mehr Menschen unangenehm auf Twitter und so kam es zu mehreren Wellen von Migrationen in das Fediverse. Dies führt auch zur Frage: Follow Liste aus Twitter in Mastodon finden.
Und dazu gehört dann auch, dass ich für mich nicht manche Unart aus Twitter hinüber bringen wollte. Das führte am 14. November 2022 zu Meine eigenen Fediverse Regeln. Sieben einfache Punkte mit dem achten Zusatzpunkt
8. Das Fediverse darf dir auch Spaß machen. Miteinander lachen tut gut.
Am 10. Dezember 2022 entschied ich mich endgültig nicht mehr auf Twitter sein zu wollen: Das war es Twitter. Es dauerte noch bis 30. September 2023 an dem ich verkündete: Twitter: Ein endgültiger Abschied. Am 15. Oktober 2023 war es dann soweit: Das Twitter Profil ist deaktiviert … Wobei ich noch betonen möchte, dass das Fediverse für mich mehr ist als ein reiner Twitter-Ersatz.
Zuvor schrieb ich am 23. April 2023 meinen ersten Rückblick: Ein Jahr im Fediverse. Fazit war damals
Vor über einem Jahr hätte ich es mir nicht gedacht. Aber ich bin wirklich im Fediverse angekommen und noch immer dabei neues kennenzulernen und die Möglichkeiten zu erforschen.
Das kann ich noch immer unterschreiben. Instagram spielt kaum mehr eine Rolle und allein aufgrund einiger Kontakte bin ich noch ein wenig auf Facebook aktiv. Neben meinem Blog ist mein Microblog mein zentraler Ort der Kommunikation.
Das Schöne ist, dass das, was ich 2023 gesagt habe, immer noch gilt. Ich lerne immer wieder neue Dinge im Fediverse kennen, komme mit Menschen in Kontakt und finde neue Ansätze, die Möglichkeiten des Fediverse zu nutzen. Und es ist auch ein netzpolitisches Projekt, weg von den monolithischen, geschlossenen Netzwerken hin zu einem offenen Internet von vielen für viele. Natürlich kracht es in der einen Ecke oder es herrscht Uneinigkeit in der anderen. Aber solange es konstruktive und kreative Menschen gibt, die das Verbindende nach vorne bringen, ist es ein interessanter und spannender Ort.
Daher bin ich nach zwei Jahre noch immer froh, diesen Schritt gesetzt zu haben.
Es gibt eine gute Tradition in meinem Blog. Am Ende des Jahres wähle ich einen Artikel pro Monat aus, der ein wenig mein Bloggen und meine Themen in diesem Blog repräsentiert. Nun, im Jahr 2023 habe ich (ohne diesen Artikel) nur 47 Artikel geschrieben, davon keinen im November.
Das hatte Gründe, die ich vielleicht nächstes Jahr ein wenig verbloggen werde. Aber bei so wenig Auswahl kann ich euch gleich auf mein Archiv verweisen. Benedikt.io hat einen ein paar Zahlen zum Jahresende veröffentlicht und daraus Rückschlüsse gezogen. Ein guter Ansatz, den ich hier jetzt auch mal verfolgen möchte.
Das Fediverse
Schon lange heißt es, dass Social Media das bloggen verändert hat bzw. viele Blogs darunter leiden, dass der Austausch dort stattfindet und nicht mehr in den Kommentarbereichen. Mit dem Fediverse habe ich einen anderen Blick darauf bekommen. Mit meinem Microblog habe ich eine eigene Instanz über die ich quasi auch blogge, aber mit einem Netzwerk verbunden bin. Ich habe jetzt nicht nur ein sondern zwei Blogs und es gibt gute Ansätze, diese noch stärker miteinander zu verbinden. Bezeichne ich mich seit Jahren als Open Blogger, so habe ich für mich den Begriff auch um den des Open Microblogging erweitert.
Ich microblogge über Mastodon. Das erlaubt 500 Zeichen pro Posting/Artikel. So lang oder kurz sind einige der Artikel, die ich hier auf dem Blog veröffentlicht habe, schon gewesen. Ich experimentiere auch mit anderen Fediverse-Anwendungen, die längere Texte erlauben. Im Gegensatz zu X, Thread, Bluesky und wie sie alle heißen, bin ich immer auf meiner eigenen Plattform unterwegs, alle meine Postings sind auch über das Web zugänglich und somit wirklich mein zweites Blog.
Dass ich „Nur ein Blog“ vernachlässigen will, heißt das aber nicht. Mein Ausblick auf 2024 kommt in den nächsten Tagen.
Blicke ich in die Statistik so finden sich in den Top Ten der meist gelesenen Artikel
Interessant ist, dass der 10. meistgelesene Artikel aus dem Jahr 2023 in meiner Statistik erst auf Platz 26 erscheint. Das liegt daran, dass viele Artikel aus den Vorjahren (vor allem 2021 und 2022) immer noch sehr oft aufgerufen und teilweise sogar kommentiert werden. Das zeigt mir, dass die Idee eines Logbuches etwas für sich hat. Man schreibt Dinge, Erfahrungen und Gelerntes auf – auch für spätere Zeiten. Ich selbst greife immer wieder auf frühere Beiträge zurück, um mich darauf zu beziehen oder etwas nachzulesen.
Noch immer in den Top 20: Wie macht das der Akinator. Ein Artikel aus 2009 zu einem Rate-Spiel, dass anscheinend noch immer Menschen fasziniert.
Kommentare
Kommentare sind das Salz in der Blogsuppe, hat mal jemand (oder ich?) gesagt. Daher freue ich mich (meistens) über Kommentare und versuche auch auf jeden zu reagieren.
Trotz der wenigen Artikel gab es in meinem Blog 106 Kommentare, davon 46 von mir und somit 60 von anderen Menschen. Einige Artikel hatten dabei mehrere Kommentare, am meisten Jetzt auch Linux … mit insgesamt 7 Kommentaren, die nicht von mir stammten.
Danke auf alle Fälle an alle, die sich die Zeit nehmen in Blogs zu kommentieren, Fragen zu stellen und Antworten zu geben.
Wie mein Blog gefunden wird
Traue ich der Statistik, dann kommen die meisten noch immer über Google hier herein. Aber in den Top Ten finden sich doch schon einige andere Suchmaschinen (mit weitem Abstand) wie DuckDuckGo oder Ecosia. Eine Besonderheit ist Dirk Deimekes Website, die mir immerhin 99 Leser:innen brachte. Ich weiß, dass etliche Menschen über Mastodon-, Friendica- und andere Instanzen auf mein Blog kamen. Nachdem diese aber ganz unterschiedliche URLs haben, finden sich diese weit verstreut in der Statistik. Vielleicht finde ich mal die Muße, diese zuzammen zu zählen. Auf alle Fälle gab es in meinem Microblog etliche Kommentare zu meinen Artikeln. Denn jeder Artikel wird automatisch auch über mein Microblog angekündigt.
Fazit
Ja, ich war ein bisschen reduziert. Aber es macht mir Spaß, Artikel zu schreiben. Und ich sehe, dass mein alter Blog immer noch Leute interessiert und zum Lesen und Kommentieren einlädt. Mit dem Fediverse hat sich mein Bloggerdasein auch auf zwei Plattformen verteilt, nämlich „Nur ein Blog“ und „Microblog„. Nachdem ich nun für beide Plattformen verantwortlich bin, sehe ich immer weniger Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen. Im Moment ist der größte Unterschied noch, dass Nur ein Blog längere Artikel zulässt und mit Plugins einige zusätzliche Features bekommen hat. Microblogging ist die reduzierte Form des Bloggens. Inwieweit sich die beiden Plattformen im Jahr 2024 annähern werden, wird eine interessante Frage sein.
Deshalb: Danke an alle, die meinen Blog lesen und vielleicht sogar kommentieren.
Seit letzter Woche habe ich meine eigene Firefish-Instanz. Firefish habe ich schon einmal kurz in meinem Blog erwähnt.
Da ich mir die Installation und Wartung nicht zutraue, habe ich das Ganze von Weingärtner IT einrichten lassen. Allerdings bin ich der Admin der Instanz und habe somit mehr Einfluss auf das Aussehen und dergleichen.
Warum Firefish?
Ich wollte neben Mastodon mal etwas anderes ausprobieren. Firefish ist ein Fork (neuer Zweig) der etwas älteren Software Misskey, der sich nicht mehr so verspielt darstellt, und bietet einige interessante Optionen. Einige davon gibt es bereits auf meiner Instanz nurein.mikroblog.at bzw. auf meinem Profil nurein.mikroblog.at/@roblen.
Wobei Mikroblog etwas untertrieben ist. Firefish Postings können bis zu 3.000 Zeichen lang sein und mit einigen Formatierungen versehen werden.
Jedes Profil hat auch eine eigene Seite für Fotos und die Möglichkeit, kleine Fotogalerien anzulegen. Mit Clips (Beispiel) können kleine Sammlungen eigener oder fremder Postings erstellt werden.
Ebenso können mehrere statische Seiten (Beispiel) angelegt werden. Für diese stehen zahlreiche Module für Texte, Bilder, Zwischenüberschriften, Umfragen etc. zur Verfügung. Die Adresse zu der Seite ist nach dem eigenen Profilnamen frei anpassbar. Eine sehr mächtige Funktion, um aus dem eigenen Profil eine größere Webpräsenz zu machen.
Das Layout kann auch direkt in den Einstellungen geändert werden, inklusive Änderungen im CSS.
Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Funktionen, die ich gerade erforsche. Einiges davon ist in einer kurzen Anleitung zu Firefish zu finden, die wiederum eine statische Seite innerhalb eines Firefish-Profils ist. Daher kann diese Seite auch innerhalb des Fediverse geliked oder geteilt werden. Ein bereits erwähnter Artikel auf GNU/Linux.ch bietet eine sehr umfassende Darstellung dessen, was Firefish zu bieten hat.
Firefish ist noch recht neu und ich hoffe, dass die Entwickler:innen noch viel Energie haben, das System weiter zu entwickeln. Es würde sich lohnen. Auf alle Fälle zeigt Firefish, dass es neben Mastodon noch ganz andere Ansätze gibt, mit denen man im Fediverse vertreten sein kann.
Firefish ist eine Anwendung, die auch im Fediverse unterwegs ist, ActivityPub als Schnittstelle nutzt und somit mit Anwendungen wie Mastodon kommunizieren kann.
Der Artikel zeigt gut die Parallelen zu Mastodon und auch wo Firefish mehr Möglichkeiten bietet, z.B. mehr Zeichen in einem Beitrag oder die Formatierung von Text. Und weiter im Text liest man auch, wo Firefish in seinen Funktionen weit über Mastodon hinausgeht und Chat, Bilderalben, Channels (Gruppen) etc. ermöglicht.
Update vom 4.5.2025: Firefish wird leider nicht mehr weiter entwickelt.
Wenn ich das so lese, reizt es mich, Firefish mal auszuprobieren. Man muss die Anwendung nicht am eigenen Server installieren. FavStarMafia bietet eine Liste von deutschsprachigen Firefish Instanzen, bei denen man sich einen Konto anlegen kann.
Das Fediverse ist größer als Mastodon und der Artikel zeigt es sehr eindrucksvoll.
2007 bin ich bei Twitter eingestiegen. Es war eine aufregende Zeit. Twitter war ein ziemlich offenes System und man konnte viele verrückte und/oder konstruktive Dinge über die API machen. Wir twitterten über und in Veranstaltungen, tauschten uns aus. Ich lernte Menschen, Ansichten, Ideen und Meinungen kennen. Über vieles erfuhr ich durch Twitter (genauer: durch bestimmte Profile) zuerst.
Die letzten Jahre auf Twitter waren umstritten. Twitter wurde vorgeworfen, Desinformation oder radikale Gruppen durch die Art der Darstellung in der Timeline zu unterstützen – oder ihnen überhaupt eine Plattform zu geben. Und dann kam Musk. Von der Waschmaschine über die Entlassung von Mitarbeiterinnen bis hin zu seinem Umgang mit dem verbliebenen Team, … vieles war nicht schön anzusehen.
Damals habe ich (fast vollständig) aufgehört zu twittern.
Jetzt hat Musk Twitter in X umbenannt. Seine hässlichen Aktionen gehen weiter. Und damit gibt es auch vom Namen her nicht mehr das Twitter, das ich damals so mochte.
So stellte sich für mich die Frage, ob die bloße Präsenz auf Twitter nicht schon eine Unterstützung für Herrn Musk und seine Art, die Welt zu sehen, ist. Diese Frage musste ich für mich mit „Ja“ beantworten.
Mit dem heutigen Tag habe ich meinen kompletten Ausstieg bekannt gegeben:
Ich bin schon länger nicht mehr auf Twitter aktiv. Gründe gibt es viele. Ich setze nun den nächsten Schritt und werden in den nächsten 14 Tagen diesen Account deaktivieren. Ihr findet mich auf https://microblog.at/@roblen (im #Fediverse) und in meinem Blog
Robert Lender auf Twitter
Das bedeutet, dass ich ab Mitte Oktober meinen @roblen-Account bei Twitter komplett deaktivieren werde. Die Twitter-Apps habe ich bereits von allen Geräten gelöscht.
Nach 16 Jahren heißt es Abschied nehmen. Ein bisschen mit Wehmut. Aber mit dem Fediverse habe ich eine gute Alternative gefunden. Aus meiner Sicht eine bessere. Natürlich hat auch sie ihre Ecken und Kanten. Aber es sind die Nutzer:innen, die an diesen arbeiten und das System weiterentwickeln.
Jetzt hat also Meta (die Firma hinter Facebook, Instagram und Co) seine Idee wahrgemacht und einen „Twitter-Klon“ in den USA veröffentlicht. Angeblich sind schon zwanzig, dreißig oder hundert Millionen Menschen mit an Bord. Nun, mit Threads – so heißt die App – macht es Meta einem auch einfach. Wer einen Instagram Account hat, der kann sich mit den Login-Daten auch in Threads einloggen.
Threads kann anscheinend noch nicht viel, bietet aber immerhin 500 Zeichen Text und die Möglichkeit Bilder und Videos einzubinden. Damit ist es in Zeiten eines immer seltsamer werdenden Twitter wohl eine attraktive Alternative für einige. Man kommt schnell rein, viele (angebliche) „Berühmtheiten“ sind auch an Bord, und schon kann man da fortsetzen, wo man in Twitter aufgehört hat.
Ich selbst werde mir genau überlegen, ob ich Threads überhaupt ausprobieren soll – sofern es später offiziell in den EU-Raum kommt.
Denn Threads ist wie Twitter ein geschlossenes Haus – oder auch „Walled Garden“ genannt, trotz der Schnittstelle in das Fediverse. Dazu aber etwas später mehr.
Twitter sperrt sich ein
Twitter war einmal ein relativ offenes System. Man konnte per API (Schnittstelle) alles mögliche an Apps dranhängen und damit Tweets auslesen und posten. Spätestens mit der Übernahme durch Elon Musk ist das immer schwieriger geworden. Und in den letzten Wochen hat dann Twitter auch die Möglichkeit abgedreht, einzelne Tweets über das Web zu lesen – sofern man nicht einen Account besitzt und angemeldet ist.
Damit sind all meine Tweets für Außenstehende nicht mehr lesbar. Jeder Link, den ich jemals von meinem Blog oder sonst wo zu einem Tweet gesetzt habe, geht auf eine Anmeldeoberfläche. Würde ich jetzt noch twittern, könnte niemand Außenstehende:r meine Tweets lesen.
Lest ruhig mit
Das entspricht nicht meinem Verständnisses eines offenen Webs, wie ich es auch in meinem Open Blogging Manifest festgehalten habe.
„Nur ein Blog“ kann jede:r lesen – ob mittels Web Browser oder über RSS Feed.
Mein Microblog (microblog.at) ist ebenfalls öffentlich. Wer mag, kann meine Einträge in das Fediverse jederzeit auch über Web Browser unter @roblen@microblog.at nachlesen.
Man muss also weder mein Blog abonnieren noch einen Account auf einer Mastodon Instanz besitzen, um zu lesen, was ich so von mir gebe.
Threads
Jetzt kommt Threads. Auf der einen Seite gibt es sich offen, denn Meta will in Zukunft auch die AcitvityPub Schnittstelle unterstützen, mittels derer das Fediverse (so auch Mastodon, Peertube, Pixelfed und andere) miteinander kommuniziert. Damit besteht die Möglichkeit, dass Thread Nutzer:innen meinen Beiträgen auf microblog.at folgen könnten oder ich denen von Thread Nutzer:innen.
Das klingt zwar schon mal besser. Aber die Macht über diese Offenheit hat noch immer Meta. Auch Twitter war einmal offener. Gefällt Mark Zuckerberg diese Offenheit nicht mehr, dann schließt er diese Verbindung in das Fediverse. Und wie sieht es mit der Offenheit der Nachrichten in Threads selbst aus? Mein Aufruf von threads.net führt nur zu einer statischen Seite.
Im EU-Raum ist Threads noch gar nicht erhältlich, weil Meta Schwierigkeiten hat den Datenschutzbestimmungen hierorts nachzukommen. Und damit sind wir bei einem weiteren Problem all der Netzwerke, die sich gratis und kostenlos nennen und eigentlich auf unsere Kosten Geld verdienen, in dem sie unsere Nutzer:innen-Daten verwerten und unsere Timelines mit Werbung vollspülen.
Verliert das Fediverse?
Und schon sind wir wieder in der Diskussion, ob durch Threads eventuell das Fediverse verlieren wird? Ob durch Threads weniger Nutzer:innen von Twitter zu Mastodon abwandern?
Die Frage ist, ob diese Diskussion in die richtige Richtung führt.
Eric Eggert hat für mich eine gute Antwort darauf gegeben:
Like blogs, the Fediverse does not need to win. This is not about having the most users. Or making the most money. This is about interested people finding and connecting. It doesn’t really matter how large it is. It never mattered how many blogs there have been. But each blog is valid, even if it is only read by a handful people. And so is the Fediverse. People publishing, connecting.
Ich habe in dem Sinne darauf geantwortet: Ja, solange Menschen Freude an der (Weiter-)Entwicklung von Free Open Source Software (FOSS) für das Fediverse haben und solange wir dort Menschen finden, mit denen wir gerne kommunizieren, solange ist das Fediverse lebendig. Dabei spielt es keine Rolle, ob hundert, eine Million oder hunderte von Millionen Menschen aktiv sind.
Wenn es mir „nur“ darum geht, bestimmten Personen zu folgen, die Nachrichten von Künstler:innen und „Prominenten“ zu lesen, dann muss ich mir das Medium wählen, wo diese Personen sind. Wenn es mir um Austausch, Diskussion, Ideen und gemeinsames nachdenken geht, dann sind meine Möglichkeiten viel größer.
Threads ist keine Alternative für mich. Denn ich suche nicht mehr nach einer nur etwas besseren Alternative zu Twitter, die halt Spammer und Hassrede moderiert und ein wenig berechenbarer ist als Herr Musk .
Mit dem Fediverse habe ich einen Ansatz gefunden, der weit über das hinaus geht. Ich kann frei meine Instanz(en) wählen. Ich kann über Anwendungen hinweg in Verbindung bleiben. Ich kann – sofern ich das technische Verständnis habe – meinen Account selbst hosten. Meine Daten gehören dann mir, sofern ich sie nicht selbst preisgebe.
Zu Threads möchte ich aber vorerst insoweit auch offen bleiben, dass deren Nutzer:innen über ActivityPub auch meinem Microblog folgen können. Warum sollte ich sie aussperren, wenn ich dies auch für den Rest des Webs nicht tue. Das mache ich solange, solange ich nichts problematisches über den Zugang vernehme. Wobei manche schon jetzt unken, dass Zuckerberg Thread nur in Richtung Fediverse öffnet, um Daten abzusagen. Nun, schauen wir einmal. Die Verbindung kann ich noch immer kappen, falls sich da konkrete Vorwürfe bzw. Probleme auftun.
Ich für meinen Teil versuche das Beste, um dem Open Blogging Gedanken treu zu bleiben.