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Das war der #FediJune 2022

Die Zeit verrast. Gerade war noch der Juni 2022, in dem ich einen #FediJune einlegte.

Was in dem Monat anders war habe ich damals schon beschrieben:

In diesem Monat möchte ich nicht aktiv auf Facebook, Instagram und Twitter posten. Das heißt, von meiner Seite aus Postings beginnen. Antworten werde ich natürlich, weil ich verweigere mich ja nicht der Kommunikation an sich. Und mein WordPress wird weiter automatisiert Artikel nach Twitter werfen.

Aber alles was ich von mir aus poste, das sind Texte und Bilder, werde ich allein im Fediverse machen. Meine Hauptplattform wird mein @roblen Account auf microblog.at sein. Mein Blog lasse ich nicht allein – weil das ist und bleibt das Kernstück meines Schreibens.

Nur ein Blog

Was habe ich in dem einen Monat erfahren und für mich Rückschlüsse gezogen. Darum geht es in dem heutigen Artikel

Das Fediverse

Das Fediverse ist quasi die Gesamtheit alle Webservices, die mittels des Activitypub Standards verbunden sind. Ein wenig habe ich das in Ist Mastodon viel zu kompliziert? erklärt. Kurz gesagt. Stellt euch vor, ihr könntet in Twitter auch Einträge (Text und Video) aus YouTube sehen (und kommentieren) und in Instagram auch Twitterartikel mitsamt Fotos.

Den Dienst den ich verwende (einen Überblick über das Fediverse bietet unter anderem fediverse.party) kann ich dabei all als Sendekanal verwenden oder auch als Empfangskanal für Kommentare, Folgende und für Likes. All das funktioniert über das gesamte Fediverse hinweg.

Wobei ich im #FediJune merkte, dass das manchmal auch ein wenig Theorie ist. Es gibt da und dort Inkompatibilitäten. Mal werden längere Texte nicht in meiner Timeline angezeigt und ich muss zum anderen Dienst springen (was aber recht einfach geht) oder Fotos werden nur begrenzt mitübertragen. Auch erlaubt mancher Dienst Textformatierungen wie Überschriften oder Fettschrift, die dann im anderen Dienst nicht angezeigt werden. Das ist alles verkraftbar, aber könnte besser laufen. Andererseits muss ich feststellen: Immerhin „redet“ man miteinander.

Zielgruppe(n)

Auch wenn das Fediverse mehrere Dienste vereint, so ist die Gesamtzahl der Nutzenden viel geringer als allein bei Twitter oder Instagram oder … Aber was sagt das schon.

Aufgrund dessen, dass sich das Fediverse als Alternative zu kommerziellen Social Media Netzwerken präsentiert, haben viele der Nutzenden dieses Netzwerk ganz aktiv gesucht. Das heißt, hier finden sich durchaus Expertinnen, Interessierte und Aktivist:innen zu vielen Themen. Aufgrund der Dezentralität gibt es auch ganze Server/Instanzen, die für die jeweilige Zielgruppe eingerichtet wurden. So habe ich unter meinen Folgenden und denen ich folgenden Menschen, die aktiv zu Themen posten wie

  • Nachhaltigkeit und Mobilität
  • LGBTIQ+
  • Barrierefreiheit und Selbstbestimmtheit
  • Netzpolitik
  • Fediverse und seine Implikationen
  • Programmieren, App Entwicklungen
  • Datenschutz und Privatsphäre
  • Webtechnologien
  • Literatur: So fand ich schon Krimi- und Science Fiction Autor:innen, deren Bücher ich dann im Urlaub nach dem #FediJune gerne gelesen habe – und diese Menschen sind dort wirklich noch ansprechbar 🙂
  • Fotografie: Es gibt viele Fotos (auch Katzen und Faultiere), viele Tipps und Austausch und auch einen #FotoMontag

Beispiel Mastodon

Über die Mastodon App betreibe ich auch mein eigenes Microblog. Ihr findet mich unter microblog.at/@roblen – ganz ohne anmelden ist alles lesbar und somit wirklich ein Microblog.

Jede:r kann einen Mastodon Server (Instanz genannt) aufsetzen und anderen den Platz für einen eigenen Account bieten. Der Vorteil ist, dass sich so auch Gemeinschaften mit gemeinsamen Interessen eine eigene Instanz einrichten können. Dort gibt es dann eigene Regeln (wie es das mit sensibler Sprache, Nacktfotos, etc.) und sie entscheiden selbst, mit welchen anderen Servern sie sich im Fediverse vernetzen oder nicht. Viele Instanzen sind für Nutzer:innen offen. So habe ich die Qual der Wahl, wo ich mich einrichte.

Instanzenbetreiber:innen können natürlich auch entscheiden, dass sie den Server zusperren. Das ist so eines der Argumente gegen das Fediverse. Aber wieviel kommerzielle Plattformen habe ich schon benutzt, wo mir das auch passiert. Und ich rede nicht nur von kleinen Anbietern, siehe Google Plus!

Und man kann relativ einfach Instanzen wechseln oder eben selbst eine betreiben oder so wie ich einen Hoster suchen, der sich um die Technik kümmert. Ich bin dann zwar der Betreiber, muss aber nur mehr die Verwaltung übernehmen.

Twitter kennt den Blue Button um zu bestätigen, dass die Person echt ist. Mastodon kennt was viel einfacheres. Wer z.B. einen speziellen Code im eigenen Blog anbringt und dann im Mastodon Profil auf sein Blog verlinkt sieht dort, dass es ein verifizierter Link ist. Somit habe ich als Besucher:in die Bestätigung, dass der angegeben Link wirklich zu einer Website führt, die mit dem Mastodon Account etwas zu tun hat.

Jede:r eine eigene Instanz

Manche finden die Idee, dass ich nur für mich selbst eine Instanz betreibe abstrus. Warum so etwas tun. Nun, man kann damit ganz selbst entscheiden, welche Inhalte am Server zu finden sind. Man betreibt diese unter einen eigenen Domain, wie z.B. ich mit microblog.at. Seht es so wie WordPress. Die einen gehen zum WordPress.com und lassen die Firma Automattic das eigene Blog hosten. Viele installieren aber WordPress lieber auf ihrem eigenen Webspace/Server.

Eine eigene Instanz im Fediverse ist dann der Ausgangspunkt um sich mit zig anderen zu vernetzen und auszutauschen. Damit ist das Fediverse auch nicht in der Hand einer Person / einer Firma. Sperrt eine Instanz zu, sind da noch viele andere bzw. habe ich ja meine eigene.

Anmerkung: Mit Friendica habe ich nun eine Software entdeckt, die das hosten einer Instanz technisch einfacher gestaltet. Wer WordPress installieren kann, kann das auch mit Friendica.

Reichweite

Manche erklären mir, dass man im Fediverse keine Reichweite hätte und daher ein Auftritt von geringem Interesse sei. Nun, dass ist wohl alles relativ.

Auf manchen Sozialen Netzwerk entscheidet (auch) ein Algorithmus, wie oft und wo ein Beitrag von dir angezeigt wird. Im Fediverse gibt es das nicht. Alle Beiträge landen im Gesamtstream, der zwischen Instanzen geteilt wird. Je mehr Menschen man folgt oder gefolgt wird, umso mehr Server lernen den eigenen Account kennen und streamen ihn.

Aber es gibt keine Wertung über die Bedeutung des Beitrags. Das heißt jeder Push (neue Beitrag) ist eine neue Chance entdeckt zu werden, Likes zu bekommen oder von anderen re-postet (geboostet) oder auch kommentiert zu werden.

Auch wenn ich derzeit unter 200 Follower habe wurden schon etliche Beitrage von mir geliked, geboostet und kommentiert. Und das oft von Personen, die mir nicht folgen und denen ich nicht folge.

So gibt es im Umfeld meines Profils viel Austausch und Diskussion.

Was hilft sind die passenden Hashtags. Die fallen auf und werden von manchen auch gesucht bzw. kann ich Hashtags auch als RSS Feed in meinem Feedreader laden. Mastodon wird in Bälde auch eine Möglichkeit bieten, Hashtags zu folgen. Das macht diese noch interessanter und eine gute Möglichkeit Themen zu folgen. So habe ich selbst über Hashtags schon manch interessanten Beitrag oder Diskussion entdeckt.

Meine Social Media Welt

Nach einem Monat des #FediJune kamen mir auch paar Gedanken zu meiner Social Media Nutzung.

Twitter

Dort habe ich rund 1.600 Follower. Aber wieviel Interaktion erzeugen dort meine Tweets? Oft weniger oder nicht viel mehr. Was ich auf Twitter dann mehr nutze sind Direktnachrichten (die teilweise auch im Fediverse funktionieren) oder Gruppenfunktionen. Zu letzteren gibt es im Fediverse immer wieder Ansätze, aber so richtig haben sich diese noch nicht (technisch) etabliert.

Mit den Ankündigungen von Elon Musk Twitter zu übernehmen schreckt mich das Soziale Netzwerk noch mehr ab. Denn Musks Redefreiheitsbegriff dürfte ein anderer als meiner sein. Die Absicht tausende Mitarbeiter:innen zu entlassen geht auch in die Richtung, Twitter als Ort für Trolle und Co. weiter zu öffnen.

Instagram

Wenn ich Instagram derzeit beschreiben müsste: 1. Werbung, 2. Werbung, 3. Werbung. Es nervt einfach. Noch habe ich dort nette Kontakte und finde feine Fotos, einige gute Stories.

Facebook

Facebook ist halt der öffentliche Dorfplatz, wo man jede:n trifft. Hier halte ich Kontakt auch mit Bekannten, alten Schuldfreund:innen, Ex-Kolleg:innen. Man bleibt ein wenig in Kontakt oder findet sich wieder.

LinkedIn und XING

In beiden war ich nie richtig aktiv, habe kaum gepostet oder mich bemüht präsent zu sein. Es sind halt meine Visitenkarten, wenn mich jemand dort sucht. Nicht mehr.

Um Kontakte bemüht

Dieses Kontakt halten ist etwas, was sich bei mir durch alle Netzwerk zieht. So wie ich unterschiedliche Instant Messenger brauche um mit allen in Kontakt zu bleiben, so braucht es unterschiedliche Netzwerke. Manches lässt sich aber leicht ändern. So werde ich mal den einen oder anderen Geburtstag auch in meiner Kontakte App notieren und brauche dazu nicht mehr Facebook oder XING.

Fazit

Ich habe im #FediJune und darüber hinaus die Nutzung von Twitter und Co. massiv reduziert. Siehe da, es ging mir gar nicht so ab, wie ich dachte. Ich bleibe trotzdem über Neuerungen und politische Entwicklungen informiert. Mancher Diskurs geht mir gar nicht ab, da er eh mehr Streiterei und untergriffiger Kommentar war.

Aus dem #FediJuni ist quasi ein #FediYear geworden.

Noch scheue ich darüber nachzudenken, ob einen einen anderen Dienst vollständig verlasse bzw. ich ihn sogar kündige. Mit dem Fedijune habe ich zumindest gelernt, dass es Alternativen gibt, dass ein förderiertes System nicht das perfekte System ist aber es ein spannender (auch) netzpolitischer Ansatz ist. Ich habe außerdem wieder erfahren, dass mir der Austausch mit Menschen Freude macht, aber es nicht die großen Plattformen sein müssen.

Nachsatz: Wenn irgendjemand von euch überlegt, sich das Fediverse einmal anzusehen, sich selbst einen Account oder eine Instanz anzulegen und dabei noch Fragen hat. Dann fragt mich gerne. Ich werde versuchen, zu antworten oder eine Antwort für euch zu finden.

Ein Kommentar

  1. Eine schön geschriebene Zusammenfassung deiner Kommunikationskanäle, sowas könnte ich auch einmal machen für mich und meinen Blog. 😏👍

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