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Das Between Phone von Commodore (callback 8020)

Die Firma Commodore war vor einigen Jahrzehnten einer DER großen Produzenten von Home Computern. Mit dem C64 gab es eines der legendärsten Geräte überhaupt. In meinem Bekanntenkreis wollten einige einen und nur einer von uns konnte ihn sich leisten.

MIt dem Aufkommen des Personal Computers, MS-DOS und dann Windows schwand das Interesse und die Firma ging ein.

Vor einiger Zeit haben sich einige ältere Herren zusammen getan und die Rechte am Markennamen „Commodore“ erstanden. Mit dem Commodore C64 Ultimate brachten sie ein Geräte heraus, dass perfekt in die Retro-Mania passte. Er sieht aus, wie ein C64, kann die Programme des C64 ablaufen lassen. Darüber hinaus hat er auch neue Features, USB-Schnittstellen etc.

Die Frage war. Was kommt als nächstes. Eine Neuauflage des Amiga – der nächsten Generation der damaligen Commodore Geräte?

Nein. Gestern ging die Vorankündigung des „Flip-Phone“ online, auch „Commodore callback 8020“ genannt.

Das Gerät sieht aus wie ein Klapphandy vor etlichen Jahren.

Commodore bewirbt es mit den Worten:

Welcome to the Internot

Smartphones? Too smart.
Dumbphones? Too dumb.

We built the phone in between.
Does everything you want, nothing you don’t.

It’s the not dumb dumbphone.

Bevor ich mich den Features nähere, benennen wir mal den Elefanten im Raum. Das callback wird (mit Kopfhörern) mindestens 499 Dollar kosten. Wer jetzt vorbestellt, bekommt noch einen Discount. Bei dem Preis steigen manche schon aus, weil es das alles auch billiger gäbe.

Was es (absichtlich nicht) kann

Aber fangen wir von vorne an.

Das callback Phone läuft mit Sailfish OS. Das ist ein in Finnland entwickeltes mobiles Betriebssystem, das als unabhängige Alternative zu Android und iOS gilt. Es basiert auf Linux und ermöglicht gleichzeitig die Nutzung vieler Android-Apps. Entwickelt wird es vom Unternehmen Jolla..

Was macht aber das „phone in beetween“ aus. Die berüchtigten Dump Phones, die man entweder nutzt, weil sie einem als Seniorenhandy verkauft werden oder weil man bewusst Social Media entsagen möchte.können nicht viel. Telefonieren, SMS, vielleicht ein eBook lesen, ein Wecker und dass war es fast schon.

Commodore sagt: Du sollst in Verbindung mit deinen Angehörigen und Freunden bleiben. Aber direkt. So gibt es WhatsApp, Signal und viele andere Messenger. Man darf auch etliche Android Apps installieren. Aber es gibt keine Social Media Apps und keinen Browser. Es gibt kein Mail, weil dann erreicht dich das Büro von unterwegs. Das ist alles von Haus aus gesperrt. Browser deswegen, weil mit denen kannst du die Sperre leicht umgehen und eben über Web in Facebook, X und Co. einsteigen.

Der Bildschirm ist zwar ein Touchscreen, aber auch dem Doom Scrolling verwehrt sich Commodore. Nur spezielle Apps dürfen diese Art der Bedienung nutzen. Ansonsten muss man den Cursor verwenden und die Zifferntastatur für Texteingabe. Das berühmte T9 zum schnelleren schreiben wird vielleicht manch Ältere:r von euch noch kennen.

Es gibt ein 48 Megapixel Kamera, einen SD-Card Slot. Es gibt ein FM-Radio und die Möglichkeit Audiofiles in hoher Qualität abzuspielen. Und der Akku ist austauschbar.

Die früheren Handys sind lange gelaufen. Wie lange das callback läuft, können die Entwickler noch nicht sagen. Ein paar Tage Standby sollten zumindest drinnen sein.

Die Zielgruppe(n)

Die Frage stellt sich schon mal. Für wen ist das? Wer ist bereit über 400 Euro für so ein Phone auszugeben?

Wäre der Preis geringer würde schneller mal die Hemmschwelle bei einigen Menschen fallen.

Nun, ich bin kein Fachmann und habe mal ChatGPT gefragt, ab wann so ein Phone einen Gewinn abwirft. Angeblich bräuchte man da nur eine fünfstellige an verkauften Geräten.

So viele Menschen gibt es wohl, die sich so etwas leisten können. Aber wollen sie auch.

Es wird wohl nicht nur die eine Gruppe geben, sondern ein paar potentielle Käufer:innengruppen, die sich wohl auch überschneiden:

  • Menschen, die einfach ein Phone haben wollen, auf dem das schön „C“ des Commodore Logo zu sehen ist. Und dann bietet das Geräte noch frühere C64 Töne (als Klingelton) und Spiele aus der Home Computer Ära.
  • Menschen, denen ein Dumb Phone zu abgespeckt ist und die nun auch Messenger etc. nutzen können.
  • Eltern, die ihren Kindern ein (angeblich) sicheres Phone in die Hand drücken können. Commodore erwähnt auch extra Kindersicherungs-Mechanismen. Kein Web, kein Social Media. Aber viele Möglichkeiten mit den Eltern in Kontakt zu bleiben – samt Videokonferenz.
  • Es gibt angeblich einen Trend wieder Funktionen zu trennen. Da telefonieren, eine anderes Gerät zum Musik hören. Auch hier ist das callback bereit, das Gerät für spezielle Zwecke zu sein.
  • Vielleicht lässt es sich auch fein hacken und dann interessiert es wohl einige Menschen, die gerne ausprobieren, was möglich ist.

Vielleicht, aber nur vielleicht, haben die Entwickler gerade die richtige Zeit erwischt. Etliche wollen sich (oder ihre Kinder) nicht mehr in den Fängen von Social Media sehen. Sie wollen abspecken. Aber sie wollen weiterhin Menschen schreiben, mit ihnen von der Ferne plaudern und ihnen per Screen/Cam zuwinken. Sie wollen die wirklichen smarten Funktionen eines Phones, wie Navigation etc. – aber nichts, was einem zu lange online lässt.

Nähe und Abstand

Commodore spricht auch von

Maps. Music. Messages. Rideshare. Camera. Retro Camcorder. Mindful Games. QR code scanner. Podcasts. Voice notes. Calendar.

Nebstbei: Ich habe selbst früher auf solchen Geräten (mit schlechterer Bildschirmauflösung als die 480×640 Pixel des callback) eBooks gelesen.

Kann das somit ein (kleiner) Erfolg werden?

Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Vielleicht hat das Gerät gerade die Funktionen, die es von DumbPhones gut absetzt und andererseits genau das nicht, was manche von uns an Smartphones stört. Ich habe ja selbst ein Android Gerät zum testen, dass ich jetzt als eReader einsetzen möchte – unter anderem weil mein iPhone doch schwerer ist.

Natürlich könnte ich mir mein iPhone auch so einrichten, dass es das auch tut. Aber manche:r will das vielleicht nur als Zweitphone. Andere hätten Sorge, dass sie dem Reiz nicht nachgeben können und ihr Gerät wieder aufmachen.

Ich bin gespannt, welche Spezifikationen das callback am Schluss hat und wie sich das Betriebssystem so anfühlt. Wobei kaufen würde ich es vorerst nicht. Da ist mir der Preis für ein „Mal-Probieren-Gerät“ doch zu hoch.

Also, für wen von euch wäre das etwas?

6 Kommentare

  1. @roblen Gute Gedanken (muss ich keinen Post schreiben und Deinen nur teilen 😎). Genau sowas ging mir auch durch den Kopf. Aber der Preis. Ich warte auch mal auf die ersten Reviews und hoffe, dass das nicht zu viele tun. Aber wenn es bereits bei einer fünfstelligen Anzahl verkaufter Geräte reicht, könnte das ein Nischenerfolg werden. Dann kommt es auf den Weihnachtswunschzettel. 😁

    • Robert Lender Robert Lender

      @Linkshaender Das mit dem fünfstellig kann ich nicht verifizieren, da müssten die Expert:innen für so etwas ran.
      Du kannst immer gerne Teilen ☺️
      Wenn du es zu Weihnachten kriegst, braucht es dann aber ein paar Postings darüber 🙂

    • @roblen Das kommt auf den „WAF“ bei den Reviews an (wife acceptance factor 😁)

    • Mein Frau hat für sich festgestellt, dass so „Gadgets“ mein Hobby sind. Solange wir uns nicht verschulden und Urlaube etc. genießen können, ist für sie alles gut 😊

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