Schlagwort: LeonardCohen

  • Die letzten fünf Songs

    MTV war für mich damals einer der Gründe, mir Kabelfernsehen zu leisten. Die aufwendigen Musikvideos liefen dann nachts stundenlang bei mir. MTV beendet nun die Ausstrahlung von Musikvideos und brachte noch ein paar letzte Songs bevor diese Ära beendet war.

    Das brachte mich auf die Frage: Was wären meine letzten fünf Songs? Die Songs, die ich mir vor dem Sterben anhören würde (wenn ich meinen Tod so planen könnte). Oder die fünf Songs, die ich für mein Begräbnis vorgeben würde.

    Als ich mein eigenes Musikarchiv durchging, stellte ich einmal mehr fest, dass Leonard Cohen der Künstler ist, dessen Songs einen wichtigen Teil meiner Jugend begleiteten (siehe Danke, Leonard Cohen). Daher sind die letzten fünf Songs, die ich hören bzw. spielen möchte, auch von ihm.

    Hier ist meine Liste. Sie enthält die letzten fünf Songs. Und sie ist ganz persönlich.

    Like A Bird On The Wire

    If I, if I have been unkind
    I hope that you can just let it go by
    If I, if I have been untrue
    I hope you know it was never to you

    Ain’t No Cure for Love

    All the rocket ships are climbin‘ through the sky
    The holy books are open wide
    The doctors working day and night
    But they’ll never ever find that cure for love

    Hey, That´s No Way To Say Goodbye

    Your Eyes are soft with sorrow
    Hey, that´s no way to say goodbye

    Passing Through

    Passin‘ through, passin‘ through
    Sometimes happy, sometimes blue
    Glad that I ran into you
    Tell the people that you saw me passin‘ through

    Heart With No Companion

    And I greet you from the other side
    Of sorrow and despair
    With a love so vast and shattered
    It will reach you everywhere

    Fediverse reactions
  • Wer bei Feuer, wer bei Wasser

    Ich bin mit Leonard Cohen erwachsen geworden, mit seinen Liedern, die mir damals (und auch heute) viel bedeuten.

    Johannes Reiss (Der Transkribierer) schreibt in seinem Blog über den morgigen Jom Kippur, den höchsten Tag im jüdischen Kalender, und das an diesem Tag gesprochene Gebet “Unetaneh tokef” (“Wir wollen die Macht der Heiligkeit des Tages schildern”), das Leonard Cohen zu seinem Song „Who by Fire“ inspirierte.

    Mehr dazu im Artikel „Who by Fire“ des Transkribierers.

  • Österreichisches Jüdisches Museum und Leonard Cohen

    Dass ich Leonard Cohens Lieder mehr als schätze habe ich bei seinem Tod mit einem Danke Leonard Cohen niedergeschrieben.

    Schon im Jahr 2009 schrieb Johannes Reiss (entschuldige, dass ich es erst jetzt blogge) mit Dance me to your beauty with a burning violin einen berührenden Artikel.

    Denn ich hatte den Song „Dance me to the End of Love“ immer als besonderes Liebeslied gesehen. Das ist es wohl auch. Aber es hat – laut Leonard Cohen selbst – seinen Ursprung in der Zeit des Holocaust, der Zeit der Konzentrationslager. Aber lest bitte den Text bei Johannes in aller Vollständigkeit.

    Und es ist schön, wenn Leonard Cohen sagt, dass es nicht wichtig ist, dass man diese Quelle seiner „Inspiration“ kennt – solange (ganz frei interpretiert) man sich in diesen Song hineinfühlt.

    Und ich lerne wieder einmal, dass Cohen viel von der Historie und seinen jüdischen Wurzeln in seine Lieder verpackte.

  • Danke Leonard Cohen

    Now I greet you from the other side
    Of sorrow and despair

    Leonard Cohen ist tot.

    Bei manchen KünstlerInnen die sterben denke ich mir, schade um ihn. Schade um sie.

    Doch der Tod Cohens trifft mich. Ich kenne Cohen nicht persönlich. Ich bin ihm nur zweimal bei Konzerten etwas näher gekommen. Aber seine Musik, seine Texte berühren mich seit 35 Jahren.

    With a love so vast and so shattered
    It will reach you everywhere

    Cohen hat mich erreicht. Als junger Mensch hat er mich begleitet, durch dunkle Stunden, durch schöne Stunden. Ich habe mich in seiner Musik verstanden gefühlt. Ich konnte die unendliche Traurigkeit meiner Seele in seine Worte legen. Ich fühlte mich verstanden.

    And I sing this for the captain
    Whose ship has not been built
    For the mother in confusion
    Her cradle still unfilled

    Er hatte eine Stimme. Er hatte Worte. Dort wo ich nur Schweigen hatte. Weil mir die Worte fehlten. Cohen sprach nicht für mich, aber er sprach mit mir.

    For the heart with no companion
    For the soul without a king
    For the prima ballerina
    Who cannot dance to anything

    Ich fühlte mich verstanden. Das war unendlich viel.

    Zweimal durfte ich ein Konzert besuchen. Einmal war ich allein. Niemand hatte Zeit. Die anderen konnten mit seiner Musik nichts anfangen. Es war wunderbar. Im Freien. Und mittendrin ging ein strahlender Mond auf.

    Das zweite mal begleitete mich eine gute Freundin. Nach dem Konzert gingen wir zu Fuß durch die halbe Stadt nach Hause und kamen erst zum Morgengrauen an.

    Später mit der Liebe meines Lebens gemeinsam abends Cohen zu hören war wie die Erfüllung mancher Versprechung …. Dance me to the end of love.

    Und Cohens Texte inspirierten mich zum schreiben. Ich wollte all mein Schweigen in Worte gewanden. Hatte den Ehrgeiz ein klein wenig so gut Bilder in Worte zu fassen wie er.

    Through the days of shame that are coming
    Through the nights of wild distress
    Though your promise count for nothing
    You must keep it nonetheless

    Ohne übertreiben zu wollen. Cohen prägte ein klein wenig meine Weltsicht. Ich sehe sie grau und doch voller Schönheit. Ich sehe die Traurigkeit und doch die Liebe. Ich sehe das aufrührerische, das eine Welt anders gestalten will. Ich blicke kritisch auf die, die sich als Jazz Police gerieren.

    Seine Musik verband mich mit Menschen, die auch weiter denken wollten, die Phantasie hatten und die vielleicht ein klein wenig ver-rückt waren. Mit denen man Nächte diskutierend verbringen konnte, in Decken gehüllt durch die Nacht wanderte und hundertmal die Welt retteten – hundertmal in Gedanken und dann auch in Taten.

    Now I greet you from the other side

    Nun bist du auf der anderen Seite. Wo immer diese ist, wie immer diese ist. Ich möchte einfach Danke sagen. Danke für vieles.

    Ich habe ihm nie die Hand gereicht aber er hat meine Seele berührt.

    Daher habe ich heute auch kurz geweint. Mitten in der Schnellbahn. Und niemand wollte es bemerken.

    Cohen, du hättest einen Song daraus gemacht…


    Alle Zitate entstammen HEART WITH NO COMPANION von Leonard Cohen.