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Wer braucht eine Textverarbeitung

In der aktuellen Linksammlung von Onli habe ich den Artikel „Trapped in MS Office“ (In MS Office feststecken) entdeckt.

Der Artikel stellt unter anderem die Frage, warum wir überhaupt ein Programm wie Word nutzen. Denn um Texte zu schreiben, gibt es bessere und einfachere Werkzeuge. Geht es in Word mehr um das Aussehen als um den Inhalt?

Gute Frage. Dabei muss man natürlich nicht nur MS Office, sondern auch Software wie LibreOffice mitdenken. Ein Wechsel ist gut, aber wenn man dabei dieselben Verhaltensweisen auf eine andere Software überträgt, ist das eher nicht sinnvoll. 

Wenn ich es mir genau ansehe, dann verwende ich privat kaum eine Textverarbeitung. Ich schreibe keine großen Konzepte oder Romane. Auch „Briefe” gibt es nur noch selten in meinem Leben.

Wenn, dann sind es E-Mails, Postings im Fediverse, Blogartikel, die ich gleich in WordPress niederschreibe, Texte in Joplin usw.

Früher habe ich Blogartikel in einem Editor vorgeschrieben, in mein Blogsystem übertragen und dann formatiert. Dann lernte ich Markup-Sprachen kennen, zuerst Textile und dann Markdown. Damit „formatierte” ich meine Texte schon vorab und fügte sie dann nur noch ein. In den letzten Jahren tippe ich direkt in den WordPress-Editor. Der ist so stabil und versioniert auch, sodass ich mir keine Sorgen um den Verlust meiner Schreibarbeit machen muss.

Außerhalb meines Blogs schreibe ich gerne mit Markdown. Ich verwende recht viel Software, die dieses Markup interpretieren kann. So kann ich in Joplin tippen/formatieren und den Text nach WordPress kopieren. schwups … Überschriften und Listen werden korrekt wiedergegeben. 

Für vieles reicht Markdown auch aus. Es reduziert die Formatierungsmöglichkeiten auf wenige. Überschriften, Listenelemente, Fett- und Kursivdruck nur sparsam zur Betonung eingesetzt, eine URL korrekt gesetzt.

In Word bin ich dagegen verleitet, den Text oft noch zu verschönern, Blöcke nach links und rechts zu verschieben und mehr oder weniger einzurücken. Wer erinnert sich nicht an die WordArt-Flut vor einigen Jahren?

Ich habe manche Texte lieber in Joplin, um sie schnell zu finden, zu taggen und anderweitig zu kategorisieren, statt sie in starren Ordnerstrukturen und mit zusätzlichen Dateinamen abzulegen.

Textverarbeitungen haben natürlich ihren Platz.

Aber ich merke, dass ich Word, Excel, … und auch LibreOffice oft gar nicht benötige.

3 Kommentare

  1. @roblen
    Thx 👍

  2. Ich fand neben „Aussehen statt Inhalt“ die Frage interessant, ob das Verharren in Office nicht auch sowas wie eine Arbeitsvortäuschung ist. Die künstliche Produktion von Dokumenten nach dem Standard der 80er, um mit viel Aufwand moderne Formen der Arbeit dem damals anzugleichen, sich dem noch im Kopf vorherrschenden Verständnis wie ein Arbeitsergebnis auszusehen hat zu unterwerfen.

    Gerade bei Powerpointpräsentationen sah ich so ähnliche Kritik schon oft und stimme ihr eigentlich zu.

    Deine private Nutzung von Markdown zeigt ja, dass es auch anders geht. Privat macht man, was für die Kernaufgabe sinnvoll ist. Im Job ggf was (man glaubt was) erwartet wird, auch wenn es Quatsch ist.

    • Stimmt. Im Job gibt es bestimmte Vorgaben. Nicht immer ist da Word die effizienteste Art Text zu verarbeiten.

      Powerpoint ist halt auch ein Problem, weil viele Menschen nie damit umgehen gelernt haben (ich auch nur beschränkt). Wir haben mal mit gepinnten Zetteln gearbeitet und Verbindungen mit einem Wollfaden gezogen. Das war viel eindrücklicher und hat für einige Aha-Effekte gesorgt, weil das Projekt viel verständlicher wurde.

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