Vor kurzem stellte ich die Frage: Sind Barcamps in Österreich anders?
Monika Meurer hat die Frage aufgregriffen und darüber in Barcamp-Kultur – einst und jetzt gebloggt. Monika ist begeisterte Barcamperin und beschreibt ihre positiven Erfahrungen jedoch auch die Änderungen, die sie in den letzten Jahren erfahren hat.
Es gibt sehr sehr viele Barcamp-Touristen und leider immer mehr No-Shows. Und es gibt viele Mitteilungen à la: “Muss jetzt noch einkaufen, geh dann zu nem Freund und schau am Nachmittag mal am Barcamp vorbei” oder “Die Sonne hat gesiegt! Bin am Strand! Wünsche allen Barcamp-Teilnehmern einen tollen Tag!”
Abgesehen von der Beliebigkeit der Anmeldung und des Teilnehmens (statt teil-gebens) würden sich auch die Prioritäten verschieben:
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Barcamps zur Unterhaltung verkommen, wenn ich Ankündigungen lese, die als Argument für z. B. das Barcamp Graz anführen, dass es dort Makava und Catering vom Gingko gibt…
Das Barcamp Graz habe ich die letzten Jahre nicht besuchen können. Dieses Jahr ist es aber soweit. „Barcamp Graz 2014“ (11. bis 13. April 2014) wird von mir definitiv „besucht“ – das Hotelzimmer ist schon gebucht. Dann werde ich mal selbst ausprobieren, ob sich hier etwas geändert hat.
Vielleicht ist diese Entwicklung ganz normal. Am Anfang entwickeln „IdealistInnen“ ein Format, eine Idee. JedeR fühlt sich mit der Idee verbunden und lebt diese bei der Teilnahme am Barcamp auch. Irgendwann folgen die, die nur ein wenig davon gelesen haben, die von anderen gehört haben, die mal etwas barcampartiges irgendwo erlebt haben. Und dann folgen auch die, die merken, dass Barcamps funktionieren, dass mit Ihnen direkt und indirekt ein Geschäft gemacht werden kann.
Wie schreibt die Wikipedia so schön über „Jugendkulturen“ und deren Kommerzialisierung:
Oft werden jedoch die äußeren Merkmale einer solchen Kultur nach kurzer Zeit von einer breiten Masse aufgenommen, und innere Werte und kreative Aspekte bleiben auf der Strecke: Die Jugendkultur wird so zu einem Teil der Konsumgesellschaft. Diese Entwicklung hat seit Ende der 1980er Jahre stark zugenommen, als Jugendliche zunehmend zum Zielpublikum der Wirtschaft geworden sind. Immer schneller saugen die interessierten Industrien entstehende Jugendkulturen auf und nehmen ihnen so Inhalt und Authentizität.
Das kann man bejammern und beklagen oder … egal ob Jugendkultur, Musikrichtung, … alles muss sich immer wieder neu ausrichten, in Frage stellen und neu erfinden. Was heute funktioniert muss es morgen nicht mehr. Manch einer hat auf Barcamps schon bemäkelt, dass es immer eine Session zu „no shows“ gab (z.B. Barcamp Vienna: Umgang mit no-shows). Aber vielleicht ist das gut so. Man muss die Frage immer wie neu stellen und immer wieder neue antworten. Daher finde ich es auch gut, dass Monika ihren Blogbeitrag geschrieben hat und die Diskussion eventuell neu aufrollt.
Und man muss vielleicht Barcamps immer wieder neu ausprobieren, wie am Barcamp Salzkammergut 2013.
Ich denke, Barcamps lassen vieles zu, auch Adaptionen wie die „CreateCamps“. Einige Gedanken habe ich vor über einem Jahr in Barcampgedanken zusammen gefasst bzw. auf ältere Artikel verlinkt.
Für mich selbst gelten drei Regeln:
- Jedes Barcamp ist ein neuer Versuch
- Barcamps müssen Experimente mit sich selbst zulassen
- „Offen“ bleibt ein wichtiges Stichwort – für den Zugang wie auch für die Haltung der Teilnehmenden/Teilgebenden
Nicht alles muss ein Barcamp sein. Als jemand ein Barcamp initiierte und die TeilnehmerInnen nach Anmeldung selektiv auswählen wollte habe ich mir erlaubt dies zu thematisieren. Die Veranstaltung blieb, der Begriff „Barcamp“ verschwand aber aus der Einladung.
Und da auch das Barcamp Graz ein Barcamp ist könnten Monika und ich (unabgesprochen) uns überlegen, wie wir unsere Wahrnehmung auf kreative Weise in einer Session (oder in den Pausen) thematisieren bzw. in Diskussion bringen.
… zurück zu den Wurzeln könnte wir auch gehen in dem wir 2, 3, 5 Menschen einladen um gemeinsam die österreichische Version eines #pubcamp abzuhalten. Sprich wir treffen uns in kleiner Gruppe in einem Lokal und jedeR erzählt etwas, bringt etwas ein. Vielleicht lässt sich so auch der Geist des Barcamp wieder einzelnen Menschen näher bringen.

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