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Interview mit Maik Wagner zu BPSE, Accessibility und die BIENE

Im Oktober vorigen Jahres habe ich wieder einmal zu einer „BesucherInnenaktion aufgerufen“:https://nureinblog.at/3221-BesucherInnenaktion-Herbst-2010.

„Maik Wagner“:http://www.fernmuendli.ch/ hat mich dann am „A-TAG 2010“:http://atag.accessiblemedia.at darauf angesprochen. Maik ist Webentwickler, Web Accessibility Aktivist, Mitglied des „Best Practice Stammtisch Essen“:http://barrierefrechheit.de und hat mit diesem DEN Preis für Web Accessibility im deutschsprachigen Raum, nämlich eine BIENE gewonnen. Das eingereichte Projekt war damals die „Website der Lebenshilfe Duisburg“:http://stiftung-lebenshilfe.org.

Maik bat um ein Interview wobei ich die Fragen frei wählen durfte. Etwas hat es gedauert, aber hier ist das Interview rund um das Thema Web Accessibility.h2. Wie würdest du in einem Satz den BPSE (Best Practices Stammtisch Essen) beschreiben?

Der „BPSE“:http://barrierefrechheit.de ist ein Zusammenschluss von Webworkern, Designern und Interessierten, die sich regelmäßig treffen, um sich über die besten Möglichkeiten zur Webentwicklung, Usability und Barrierefreiheit im Netz auszutauschen. Ein langer Satz, aber nur ein Satz…

h2. Wie kommt man eigentlich auf die Idee zu sagen, wir gestalten jetzt eine Website, damit wir ein BIENE bekommen? (Oder habe ich das falsch verstanden)

Nein, das hast Du schon richtig verstanden. Einige von uns waren damals 2009 in Berlin auf der BIENE-Preisverleihung und waren etwas verwundert über die Preisträger; über die Diskussionswürdigkeit der damaligen Preisträger wurde ja damals genug geschrieben. Auch beim Stammtisch diskutierten wir über die Bewertungen und Ergebnisse, und waren dann relativ schnell der Meinung, dass wir es doch auch schaffen müssten, ein preiswürdiges Projekt auf die Beine zu stellen und bei der „BIENE“:http://www.biene-award.de einzureichen. Das war die Grundidee, bevor wir auf die Suche nach einem Projekt gingen, mit dem wir das auch „realisieren wollten“:http://stiftung-lebenshilfe.org.

h2. Gibt es seit der Goldenen BIENE auch mehr Interesse am Stammtisch?

Ja, ein wenig. Nicht, dass jetzt plötzlich jedes Mal 50 Personen mehr als sonst teilnehmen, aber das Interesse ist spürbar gestiegen, zumindest kurzfristig. Da wir uns ja nur einmal im Monat treffen, wird man sehen, ob das Interesse länger anhält.

h2. Was war die größte Herausforderung bei der Website der Lebenshilfe Duisburg?

Technisch? Organisatorisch? Also technisch war sicher die Ausstattung des Spendenformulars mit WAI-ARIA-Elementen wie ‚Roles‘ oder ‚Live-Regions‘ die größte Herausforderung. WAI-ARIA ist eine großartige Technik, aber leider immer noch zu wenig verbreitet. Das bedeutet, immer noch Neuland zu betreten, wenig Beispiele „in freier Wildbahn“ zu haben und auch die Testcases noch selbst entwickeln zu müssen. Organisatorisch war sicherlich das Aufteilen der Arbeit in unterschiedliche Teile, die jeder, der bei dem Projekt mitgemacht hat, bearbeitet, das Schwerste. Da einfach mal loszulassen und den anderen machen zu lasen, wie er meint, fällt nicht leicht. Wir wurden aber nicht enttäuscht, die Gemeinschaftsarbeit kann sich sehen lassen.

h2. Auf deiner Firmenwebsite steht „Barrierefreiheit bietet Ihnen Mehrwert“. Meinst du, dass Firmen das im großen Umfang schon erkannt haben?

Zum Teil. Dummerweise ist Barrierefreiheit im deutschsprachigen Raum zu sehr mit Pflichterfüllung, Regelwerk und Zwang verknüpft. Wenn die Barrierefreiheit als „Accessibility“ also als „Zugänglichkeit“ verstanden würde, wäre es meiner Meinung nach nicht so problematisch. Durch eine kluge Struktur, guten Einsatz von Überschriften oder der richtigen Schriftgröße die Inhalte einer Website zugänglich zu machen, bietet für alle Nutzer Vorteile und sollte selbstverständlich sein. Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem mir das Lesen von futzeliger hellgrauer Schrift auf mittelgrauem Hintergrund echt schwerfällt; wenn dann die Schriftgröße verstellbar ist, bemerke ich die Barrierefreiheit als eine bequeme Möglichkeit die Darstellung an meine Bedürfnisse anzupassen.
Wenn man die Barrierefreiheit also als eine erweiterte „Usability“, also „Benutzbarkeit“ sieht, hat man die Erkenntnis des Mehrwerts schnell erreicht, auch wenn es vielleicht nicht ganz das richtige „Etikett“ ist.

h2. Es gibt leider noch immer genügend Webentwickler, die keine Ahnung von barrierefreien Web haben. Welche Tipps hättest du für Firmen, wenn sie eine barrierefreie Website planen? – Außer natürlich dich zu beauftragen 😉

Hmm, schwere Frage. Normalerweise kann man den Firmen nicht zumuten, so „tief“ in die Technik der Webentwicklung einzusteigen, dass sie die Raffinessen des Codes erkennen können. Wenn aber die Anforderung „barrierefrei“ gegeben ist, schadet es definitiv nicht, sich mit den Kriterien und den Techniken der Barrierefreiheit auseinanderzusetzen. Leider gibt es immer noch kein Standardwerk „Barrierefreiheit für Anfänger“ aus dem man ein paar Leitlinien entnehmen könnte, so bleibt der Rat, sich mit einigen Techniken zur Barrierefreiheit zu beschäftigen und potentielle Auftragnehmer danach zu fragen oder Referenzprojekte daraufhin zu überprüfen.

h2. Zum Schluss. Welche Frage wolltest du schon immer mal gestellt bekommen?

Warum machst du das (sich an solchen Benefiz-Projekten beteiligen und sowas)?

Ich möchte zeigen, dass Barrierefreiheit Spaß machen, gut aussehen und allen Benutzern zugute kommen kann. Du kannst mich einen Idealisten schimpfen, aber wenn man einmal erlebt hat, wie Menschen mit Behinderung eine Website oder eine Anwendung durch eine Änderung plötzlich bedienen können und so zu mehr Teilhabe kommen, weiß man wofür es gut ist. Und Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt. Beim BPSE profitiere ich immer wieder vom Wissensaustausch, die Anderen sicher auch, wie ich schon im April 2010 schrieb: „…der BPSE, der Spaß und fachlichen Austausch in nahezu idealer Weise vereint.“

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