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Editor mit eingeschränktem Wortschatz – ein Experiment

Screenshot der Website

Gestern bin ich auf ein Experiment von Morten Just gestossen.

Er erstellte einen Texteditor („Cleartext“ für den Mac), der nur die 1.000 am meisten verwendeten englischen Wörter akzeptiert. Alle anderen Wörter werden verweigert.

Wortblüten vs. Einfachheit

Das fand (und finde ich noch immer) hoch interessant. Nicht jeder Text kann einfach geschrieben sein. Ich mag auch literarische Texte, die mit Wörtern spielen. Sprache darf ruhig blühen und gedeihen und soll sich weiter entwickeln.

Auf der anderen Seite wundere ich mich immer wieder über Texte, die sich künstlich aufblähen. Insbesondere, wenn es darum geht Wissen an die Allgemeinheit zu vermitteln sollten wir so einfach wie möglich erklären.

Ein deutschsprachiger Editor

Kaum postete ich den Wunsch den Editor von Morten Just in deutscher Sprache zu sehen meldete sich Stefan Gotthold, Astronomie-Blogger und Astrofotograf, bei mir.

In kürzester Zeit programmierte er eine erste Version eines solchen Editors. Gleich vorweg. Wenn ihr auf den Link klickt wird das Programm vielleicht schon wieder anders aussehen. Stefan arbeitet fleissig daran.

Die Wortliste

Interessante Frage war – und ist es noch immer – welche Wortliste legt man für einen solchen Editor zu Grunde.

So fand ich beim Duden eine erste – aber kurze Liste, dann einen Grundwortschatz mit 500 Worten. Die Uni Leipzig bietet ebenso eine Liste – aber die häufigsten 10.000 Worte sind dann doch wieder ein wenig viel.

Im Moment kommt bei Stefan eine Liste von Wiktionary mit 2.000 Wörtern zur Verwendung. Diese wird aus den erstellten Wikipedia-Artikeln „errechnet“.

Natürlich habe ich schon die ersten Sätze mit Schreiben mit 2000 Wörtern (wie das Projekt im Moment heißt) probiert. Gar nicht so einfach.

Dies ist ein älterer Artikel. Leider sind einige verlinkte Seiten nicht mehr erreichbar. Wenn möglich, findest du einen Link zur archivierten Seiten in der WayBack Machine. Wenn du etwas zu dem Inhalt ergänzen möchtest, schreib mir oder kommentiere diesen Artikel.

Aber wozu das Ganze?

Schon die Suche nach einer Liste der am meisten genutzten deutschen Worte ist interessant. Welche Quellen nutzt diese? Kann man mit einer allgemeinen Liste auch Fachartikel schreiben? Braucht man als BloggerIn einen anderen Wortschatz?

Wiktionary weist selbst darauf hin, dass die Wörter in ihrer Liste nur in bestimmten deklinierten oder konjugierten Formen vorliegen. Auch das ist eine Herausforderung.

Wobei sich da auch die Frage stellt. Ist die Wikipedia eine gute „Wort-Quelle“? Sind Wikipedia Artikel für viele Menschen verständlich oder sollte man einfacher oder anders formulieren. Geben die in Wikipedia gewählten Worte überhaupt unsere Alltagssprache wieder?

Das Projekt ist ähnlich wie Twitter zu anfangs. Mit 140 Zeichen Einschränkung zu schreiben hielten viele für vermessen, dumm, unnötig oder kaum möglich. Und doch ergaben sich daraus (außer den Abkürzungen) auch ganz neue Experimente. Zum Beispiel Twitter-Literatur.

Daher ist eine solche Einschränkung auf einen geringeren Wortschatz für mich eine interessante Herausforderung. Ein Satz kann nicht einfach mal schnell getippt werden. Jeder Satz muss überlegt sein und dreimal darüber nachgedacht werden, ob und wie man eine Aussage hinein packen kann.

Das bringt mich – zumindest bei den ersten Tests – zum überlegen, was notwendig ist und was man weglassen kann und zu der Frage, welchen alternativen Formulierungen es überhaupt gibt. So werden Texte kurz, aber die Sätze sind wohl überlegt.

Feedback

Probiert doch den Editor doch mal selbst aus.

Schreibt mir interessante Texte, die ihr damit verfasst habt. Schreibt mir über andere Wortlisten oder weitere Ideen wofür das ganz nützlich oder künstlerisch interessant sein könnte.

Was auch immer. Kommentare, Kritik und Diskussion sind willkommen.

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