Zum Inhalt springen

Einfach bloggen

Wieder einmal habe ich eine interessante Frage erhalten. Der Fragesteller sucht ein einfaches Blogsystem um ohne viel Aufwand Text zu bloggen.

Nun, ich versuche eine Antwort.h2. Hosted Blog

Die einfachste Lösung ist sicherlich sich einen Bloghoster zu suchen. Der stellt einem (kostenlos, gegen Werbung im Blog oder gegen eine Gebürhr) ein fix und fertiges Blogsystem zur Verfügung. Anmelden, ein paar Einstellungen in den Settings und schon kann es im Prinzip losgehen.

Welchen Service man hier auch immer wählt, ein paar Fragen sollte man sich bzw. dem Hoster schon stellen.

Das Beispiel „Posterous“:http://posterous.com hat uns gezeigt, dass wir nie wissen, wie lange ein solcher Dienst existiert (wobei Posterous sein Service prinzipiell noch anbietet). Daher ist es sinnvoll einen Dienst zu wählen, bei dem man seine Artikel in irgendeiner Form notfalls exportieren kann.

Wenn es schon kein Export-Tool gibt, dann sollte der Dienst zumindest einen „RSS Feed“:/blog/archives/93-Was-sind-RSS-Feeds anbieten. Diesen kann man mit einem Feedreader abonnieren und somit hat man zumindest ein gewisses Backup. Wobei RSS natürlich auch für LeserInnen des Blogs interessant sind.

Ein weiterer Gesichtspunkt sind Kommentare. Nicht jeder Blogdienstleister bietet eine Kommentarfunktion an. Wer auf LeserInnenreaktionen wert legt, sollte von solchen Diensten die Finger lassen.

Apropos Kommentare. Wenn meine LeserInnen für´s kommentieren ein grafisches Captcha („Erklärung bei Wikipedia“:http://de.wikipedia.org/wiki/CAPTCHA) benötigen, dann ist das nicht barrierefrei. Und damit kommen wir noch zu einer weiteren Frage. Nämlich wie barrierefrei (und somit für behinderte Menschen) so ein Dienst nutzbar ist.

Legt man Wert auf ein eigenes Design, dann muss der Anbieter auch eine solche Option anbieten. Etliche tun dies zumindest in der Weise, dass man da und dort Farben ändern, Gestaltungselemente verschieben, etc. kann.

Eine weitere Frage ist, inwieweit das Blog auch über Smartphone oder Tablet bedienbar ist – einerseits für die NutzerInnen und andererseits für den/die Bloggerin selbst. Zweiteres insbesondere wenn man auch mobil bloggen möchte.

Aber welcher Anbieter darf´s denn nun sein? Ich kann natürlich nur über meine eigenen Erfahrungen schreiben.

h2. WordPress

Federführend ist hier sicherlich „wordpress.com“:http://wordpress.com. Der Dienst ist verlässlich und wer mehr möchte, der kann seine Daten nehmen und am eigenen Webspace WordPress installieren.

Manch eineR tut dies, wenn er/sie merkt, dass das Blog doch mehr ist, als ein paar Texte einzutippen.

So eine Übersiedelung geht dann noch einfacher, wenn man von vornherein ein paar Euro investiert und auch auf wordpress.com einen eigenen Domain Namen wählt und nicht nur eine Subdomain.wordpress.com.

Warum eine eigene Domain – ein „paar Hinweise“:http://stefan.waidele.info/2007/07/17/blogtipps-die-eigene-domain-von-anfang-an/ gibt Stefan. Apropos Stefan schrieb den Artikel für die Blogparade „Blogtipps für Einsteiger“:http://upload-magazin.de/gruppen-schreibprojekt-blogtipps-fur-einsteiger/. In 56 Artikeln [Ergänzung: Leider funktionieren einige Links nicht mehr] findet ihr dort einige gute Tipps wenn ihr mit dem Bloggen beginnen wollt. Zwar schon aus 2007, aber vieles hat noch seine Gültigkeit.

Zurück zu WordPress. Bei fast allen obigen Punkten kann wordpress.com punkten (siehe „Feature-Liste“:http://de.wordpress.com/features/). Und für alle, die dann einmal mehr wollen, gibt es auch eine „Export Funktion“:http://en.support.wordpress.com/export/.

h2. Jimdo

Etwas mehr als ein Blog bietet der Hoster „Jimdo“:http://de.jimdo.com. Einige Bekannte von mir verwenden Jimdo – und soweit ich sehe sind sie zufrieden. Eigene Domain, Designvorlagen, Kommentarfunktion, … alles da.

h2. Lesen Sie das Kleingedruckte

Der Fragesteller hat mich auf zwei österreichische Bloghoster aufmerksam gemacht, die ich noch nicht kannt – da musste ich natürlich gleich drauf schauen.

Meinblog.at präsentiert sich einfach. Stutzig machte mich die Seite „Kostenlos Blog erstellen / Registrieren“:http://www.meinblog.at/dt/portal/registrieren.php?regionId=0&topicId=4&language=dt&objectId=0&objectTyp=0&blogTyp=1. Dort findet sich

bq. MeinBlog.at können Privatpersonen für folgende Inhalte kostenlos nutzen:
Reisen, Familienblogs, Hobbies, Privates Tagebuch. Kommerzielle Inhalte sind nicht gestattet. (Die Darstellung vorhandener Firmenblogs wird demnächst eingestellt.)

Die Formen der kostenlosen Nutzung sind recht explizit aufgezählt. Wer nun z.B. als Politikblogger, etc. heimisch werden möchte sollte zumindest einmal nachfragen, ob so etwas auf meinblog.at überhaupt gewünscht ist.

Der zweite Anbieter ist blog.at. Ich finde zuerst einmal kein Impressum auf der Seite sondern nur auf einer weiteren verlinkten Website. Der Newsbereich des Hosters besteht aus einem einzigen Artikel „Hello World“. Das ganze System läuft auf „WordPress MU“:http://mu.wordpress.org. Kurz gesagt, ihr bekommt hier nur ein geteiltes WordPress System zur Verfügung gestellt.
Ob man dann nicht gleich zu wordpress.com geht muss jedeR selbst entscheiden.

h2. Tumblelogs

Dann gibt es noch eine Kategorie von gehosteten Blogs, die man unter „Tumblelogs“ zusammenfasst(e). Berühmtester Vertreter ist „Tumblr“:http://www.tumblr.com.

Tumblelogs sind Blogs deren Hauptaufgabe das sammeln von Textschnipseln, Bildern, Videos und das schnelle veröffentlichen am eigenen Blog ist. Nichtdestotrotz kann man Tumblr auch gut zum bloggen eigener Inhalte verwenden. Immerhin stehen etliche Apps (für iOS, Android,…) zur Verfügung, die BloggerInnen dabei unterstützen.

„Posterous“:http://posterous.com wäre an sich eine empfehlenswerte Plattform. Aber keiner weiß, wie es mit der Plattform weitergeht seit Twitter sie übernommen hat. Vor ein paar Tagen hat Posterous auch ein eigenes Exporttool veröffentlicht. Jemanden heute zu empfehlen mit Posterous zu starten ist kaum möglich. Seit der Kauf durch Twitter hat Posterous noch kein einziges mal zur Frage der Weiterentwicklung Stellung genommen.

In die selbe Kategorie fällt auch „Soup.io“:http://soup.io. Einfach zu bedienen, eine schnelle Möglichkeit „fremde“ Inhalte einzubinden. Auch bei Soup ist mir die weitere Zukunft nicht ganz klar.

Immerhin bietet soup.io die Möglichkeit (wie auch Posterous) eine eigene Domain für das Blog zu verwenden.

Je nachdem sollte man sich aber auch überlegen, wie die eigene potentielle LeserInnenschaft darauf reagiert, wenn man ein Tumblelog als Blogadresse angibt. Manch einer mag das ev. nicht als ganz „seriös“ einstufen. Nicht unbedingt meine Meinung, aber erwähnen möchte ich es doch.

h2. Flat Files

Manch einer wählt gehostete Blogplattformen um sich nicht die Mühe der Administration zu machen. Nun, auch selbst gehostet muss nicht immer schwierig sein.

Nehmen wir z.B. „FlatPress“:http://flatpress.org/home/. Ein eigener Webspace (mit eigener Domain) ist alles was man braucht. Flattpress braucht keine Datenbank etc. sondern speichert die Texte und Daten in Textdateien am Webspace ab. So ein System ist schnell installiert und kann ab dann über eine Weboberfläche (wie gehostete Blogs) gesteuert und befüllt werden.

Flattpress kann einiges, es gibt sogar eine Kommentarfunktion. (Danke für den Hinweis an Horst Gutmann)

h2. Serendipity

Schlussendlich muss ich als Evangelist doch [[Serendipity]]/S9y erwähnen, auf dem auch dieses Blog läuft.

Ja, man muss ein wenig lernen um S9y zu installieren und zu administrieren. Aber das ging bei mir recht schnell. S9y ist flott installiert und für Blogeinsteiger (aber auch für Fortgeschrittene) eine stabile und gute Plattform.
Dateien auf den Webspace übertragen, Installationsroutine starten, Daten eingeben und ein paar Minuten später kann man mit dem bloggen starten. Wer dann möchte kann sukzessive das Blog um Möglichkeiten erweitern und am Aussehen/Layout drehen.

Nebstbei. S9y bietet auch eine WordPress Importfunktion 😉

h2. Blogsysteme – eine Liste

Unter dem Titel [[Blogsysteme – Eine Liste]] findet ihr eine viel längere Liste mit Hinweisen zu unterschiedlichsten Blogsystemen.

h2. Fazit

Gehostete Plattformen wie WordPress bieten den schnellen Einstieg. Wer sich schon jetzt Gedanken um einen Ausbau seine Plattform macht, der/die sollte vielleicht doch gleich überlegen ein Blogsystem am eigenen Webspace zu installieren.

Mit dem bloggen zu beginnen ist heutzutage mehr als einfach. Ein paar Gedanken vorab (z.B. Domainnamen) sind aber sinnvoll, bevor man sich nachträglich ärgert. Und probiert ev. doch ein, zwei, drei Systeme aus bevor ihr euch festlegt.
So objektiv man ein System betrachten kann, es muss einem einfach persönlich liegen.

Ich würde mich freuen, wenn in den Kommentaren noch ergänzende Bemerkungen oder weitere Hinweis kommen.

12 Kommentare

  1. Scriptogr.am könnte man noch zu dieser Liste hinzufügen. Erstellt einen Blog basierend auf Textfiles in der eigenen Dropbox. (Website scheint gerade offline zu sein, aber vielleicht nur bei mir?)

    • Solche Tools hatten wir „damals“ noch gar nicht – als wir die Liste zum ersten mal erstellten.

      Daher ergänze ich das gerne.

  2. Ich glaube, Flatpress hat auch eine Kommentarfunktion (zumindest gibt’s in der Demo einen Link um Kommentare abzugeben), aber zum Glück ist in der Regel Disqus sehr einfach überall einbindbar 🙂

    • Verwirrung meinerseits – anscheinend. Danke für den Hinweis, habe ich im Artikel korrigiert.

      • Ich weiß allerdings nicht, ob das Feature auch wirklich funktioniert 🙂 Hatte auf der Demo-Seite nur recht wenig erfolgt.

        • Eben probiert. Es geht.

          Sofern ich nicht schon wieder einen Augenpaul habe gibt es im Adminbereich aber keine Verwaltung der Kommentare. Nur direkt im Blog kann man Kommentare löschen.

          Aber ev. kann diese Funktionalität ein Plugin nachrüsten.

  3. Sieh einer an, da bekommt mein Beitrag zu den „Blogtipps für Einsteiger“ einige Jahre später nochmal ein Revival. (Ich bin derjenige, der den vorletzten in der Liste – „Lass es bleiben!“ geschrieben hat.)

    Zu der dir gestellten Frage für ein *einfaches* Blogsystem würde ich ohne zu zögern Tumblr empfehlen. Schlichtweg aus folgenden Gründen: Tumblr ist kostenlos und bietet dafür sehr, sehr viel: HTML/Markdown, praktisch vollständige Freiheit in der Gestaltung eines Themes aber auch Unmengen an kostenlosen (und kostenpflichtigen) Templates. Es ist sehr einfach zu bedienen. Eine Domain lässt sich ohne zusätzliche Kosten aufschalten. Die Inhalte sind zwar nicht exportierbar, aber zB wordpress.com enthält eine Tumblr-Importfunktion. Alle anderen Anbieter erfordern eine höhere Lernkurve, um damit arbeiten zu können. (Apropos: Du hast den Dienst „Blogger“ komplett vergessen!) – Und so ganz stimmt das mit den „Textschnipseln“ auch nicht, denn einige der erfolgreichsten und auch hierzulande bekannten Blogs – und damit meine ich nicht die animierten-Gif-Sammlungen – sind zur Gänze auf Tumblr gehostet.

    Nichts gegen andere Plattformen, die womöglich sogar noch zum Weiterbasteln animieren, aber wer *bloggen* will, soll das tun und sich nicht mit technischem Kram beschäftigen müssen.

    • Ich habe halt ein sehr gutes Gedächtnis 😉

      Danke für den Hinweis auf die eigene Domain in Tumblr. In der „Tour“ hätte ich es nicht entdeckt. So oft nutze ich Tumblr nicht, sodass ich jetzt mal in mein (nicht genutztes) Tumblr Blog hinein geschaut habe. Siehe da, es geht 🙂

      Danke auch für den Hinweis auf die erfolgreichen Tumblr Blogs. Man sieht es ja vielen Blogs von außen nicht an, mit welcher Engine sie laufen. Aber ich werde mich mal auf die Suche begeben, wer sich da so auf Tumblr tummelt.

      Wer bloggen will muss sich nicht mit technischen Kram beschäftigen. Aber man kann 🙂 Und mir macht es Spass, da ich so mein Blog sukzessive erweitert habe. Man fängt mit bloggen an – und das reicht manchem. Andere wollen aber das Blog zur zentralen Plattform für vielerlei Aktivitäten machen und dann braucht es doch ein wenig mehr.

      Und für mich war es auch Lernplattform um doch ein wenig mehr über so Begriffe wie PHP, FTP, CSS,… zu lernen.

      Wobei: Es ist gut, wenn es ganz unterschiedliche Plattformen gibt, für jeden Geschmack etwas.

  4. Hallo Robert,

    ich habe gerade gelernt, „Blog“ von „Blogsystem“ zu unterscheiden. Hintergrund:
    Ich nutze auch S9Y, bin aber zufällig beim Stöbern im Web über einige Artikel zu „statischen Blogs“ gestoßen:
    Das Blog entsteht durch Schreiben von markdown-Dokumenten auf dem eigenen Rechner, ein Interpreter erzeugt in Echtzeit die Seitenstruktur in html in einem eigenen Unterverzeichnis. Dann braucht man dieses Unterverzeichnis nur noch per ftp auf irgend einen Webspace synchen – und fertig.
    https://jekyllrb.com/
    Das Ganze ist open source und statische html-Files bieten praktisch keine Angriffsflächen im Netz (im Gegensatz zu einer Software auf dem Server), weiters liegt die „Datensicherung“ ja permanent auf meinem Rechner (logisch, denn dort entsteht ja das Blog, auf dem Server liegt nur die Kopie), etc.
    Ich finde das sehr interessant – bin grad am Ausprobieren, was da so alles geht.

    Einzig interaktive Elemente müßte man dann per externem Anbieter einbinden, z. B. Kommentare (Disqus oder ähnliches).

    • Flat-File-Systeme sind auch für mich hochinteressant.

      Die Sache mit den Kommentaren (für mich ein wichtiger Bestandteil eines Blogs) ist halt der Haken. Externe Systeme wie Disqus sind mir nicht so sympathisch. NutzerInnen müssen sich bei einem externen Dienst anmelden und dort auch ihre Daten hinterlegen. Schlußendlich habe ich die Kommentare dann nicht bei mir.

      Aber vielleicht findet sich dafür auch eine Lösung…

  5. Bei Disqus kannst Du einstellen, ob die Leser anonym kommentieren dürfen oder nicht. Anmeldezwang wäre für mich ein No-Go, auch nicht „mit Twitter“ oder „mit facebook“, zum einen, weil das Querverbindungen schafft, die der eine oder andere nicht so offensichtlich will, zum anderen, weil das zumindest eine Teilmenge der Leser von der Diskussion ausschließt (es soll immer noch Leute geben, die nicht auf Fratzenbuch und Co unterwegs sind).

    Und wenn das stimmt/funktioniert,
    https://help.disqus.com/customer/portal/articles/1104797-importing-exporting
    https://help.disqus.com/customer/portal/articles/472149-comments-export
    dann kannst Du die Kommentare als xml exportieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.