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Weiße Rosen für eine Legende

Sucht man nach der Bedeutung von weißen Rosen, so können diese für Neuanfang wie auch dem Ende stehen.

Sicht auf Bühne mit Musikern und Nana Mouskouri
Sicht auf die Bühne während des Konzert

Nun, nichts besseres passt wohl für Besuch eines Konzerts von Nana Mouskouri im Jahr 2012.

Ja, ich war dabei. Wenn man 45 wird, dann sieht man in eine Zukunft, die wohl nicht mehr diesen Zeitraum umfassen wird. Und man blickt in die Vergangenheit. Da gab es so eine Zeit, in der Anneliese Rothenberger Gäste im Fernsehen empfing. Da gab es ansonsten keinen Kanal aus dem Ausland dem man empfangen konnte und eigentlich gar keine Wahl, denn Oma und Mutti wollten das sowieso schauen. Und damals hat es mir auch gefallen.

Und da gab es eine Frau mit langen schwarzen Haaren und einer Brille: Nana Mouskouri. Ein Name, der sich bei mir eingeprägt hat. Nicht so sehr die Lieder, von denen ich die meisten gar nicht mehr kenne.

Aber diese Brille.

Die Brille ist ihr Markenzeichen. Nehme sie sie ab, keiner würde sie auf der Straße erkennen.

Travestiekünstler lieben sie dafür. Denn diese setzen eine schwarze Brille, eine gleichfarbige Perücke auf und schon wissen zwei drittel aller Besucher/innen, wer denn da imitiert wird.

Als ich das Plakat „50 Jahre Weiße Rosen“ sah und dieses Konzert so symbolisch mit meinem Geburtstag verknüpft war, da musste ich einfach ja sagen, einen Spaziergang in meine Vergangenheit zu wagen.

Siebenundsiebzig Jahre ist Frau Mouskouri. Angeblich. Denn irgendwie kam mir der Gedanke, dass es vielleicht so sei wie bei Phantom. Dieser reicht seine Uniform, seine Maske,… an seinen Nachfolger weiter. Seit über 400 Jahren. Und so glauben die Menschen, dass das Phantom ewig lebt. Vielleicht reicht auch Nana Mouskouri ihre Brille einfach nur weiter…

27. April 2012, Stadthalle, Wien. Nicht, dass ich der Jüngste im Saal war. Aber ich senkte den Altersdurchschnitt im Promillebereich.

Licht aus im Saal. Stille. Musik. Und gleich der Hit, den alle kennen, die damals aufgewachsen sind „Weiße Rosen….“. Aber was für ein Arrangement, seltsam. Und man merkt Nana Mouskouri das Alter an. Die Stimme gibt nicht mehr das her, was einmal war. Und so ist der Einstieg enttäuschend.

Und schnell merkt man, dass der deutsche Schlager nicht ihre wirklich Welt ist. Denn sobald sie griechisch singt, wirbeln ihre Hände, stehen ihre Füße fest in den unglaublich hohen Stöckelschuhen und es kommt etwas von dem, was mich wohl damals faszinierte.

Frau Mouskouris Tochter hat auch ihre Auftritte. Jung, gute Stimme, man merkt den Versuch der Mutter ihr einen Platz im Business zu verschaffen.

Pause. Nun, zwei Gedanken, die auch meine Sitznachbarn befällt. Soll man es bewundern, dass eine 77Jährige noch so auf der Bühne steht. Oder soll man trauern, dass eine Legende an ihrem eigenen Image kratzt, ihre Stimme nicht mehr das ist, was sie einmal war.

Soll man ihr sagen: Danke, Frau Mouskouri, es war eine schöne Zeit. Aber heute höre ich lieber ihre CDs. Soll man das?

Aber ich denke mir, es ist eine Show. Es ist meine Erinnerung und ich nehme es wie es ist.

Wieder geht das Licht aus. Nana Mouskouri erscheint in neuem Kleid und wirkt … anders. Sie singt Lieder vom Herbst des Lebens, vom Alter. Und es ist nicht mehr wichtig, dass jeder hohe Ton getroffen, jede Note bis aufs letze gehalten wird.

Leise packt mich ein wenig innerliche Ergriffenheit … seltsam. Ich dachte, das wird einfach nur ein witziger Abend.

Und dann wieder griechische Lieder, englische Texte und man merkt den alten Elan. Stimmung kommt auf. Menschen gehen nach vorne. Man klatscht mit. Der Eindruck, dass hier ein Star vor den Menschen zerfällt, ist weg gewischt.

Ein Lied, gemeinsam mit ihrer Tochter gesungen. Ich lasse mich ein wenig darin versinken.

Wieder kommt mir dieser Gedanke.

Ich sehe Nana Mouskouri ihre Brille abnehmen, mitten auf der Bühne. Sie reicht sie ihrer Tochter, die sie aufsetzt. Nein, natürlich tut sie das nicht. Hätte sie es getan, ich hätte wohl geweint.

Schlussendlich. Noch einmal „Weiße Rosen aus Athen“. Ja, so habe ich mir das vorgestellt. Da kam ein Feuer, eine Begeisterung. So kann ich eine Legende in Erinnerung behalten. Und ich kann sagen, ich war dabei. Als wohl einer der letzten, der sie noch live gesehen und gehört hat.

Wer in diesem Text Pathos findet, der hat wohl recht. Aber immerhin haben die alten Griechen das Wort erfunden. Und daher gebührt es wohl einer Griechin.

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