Beim aufräumen in meinem Blog fand ich den Artikel „Mein Blog bin ich, ich bin aber nicht mein Blog„.
Irgendwie passt das jetzt zu meinem großen Schritt, den ich mit Ende 2020 gesetzt habe.
15 Jahre lang habe ich Serendipity/S9y als Blogsoftware genutzt. Ich konnte dabei vieles über Webtechnik lernen, habe die Entwickler kennen- und schätzengelernt und vielleicht sogar ein wenig die Entwicklung mit beeinflusst.
Ich bleibe dabei: S9y ist eine gute Blogsoftware.
Warum bin ich dann gewechselt? Kurz gesagt, weil alles ein wenig komplexer ist.
Bis 2017 betrieben Matthias und ich einen eigenen Podcast zu S9y. Dann hatten wir (oder eher ich) keine Zeit dafür. Vielleicht war auch ein wenig die Luft raus. Mir fehlten die großen Themen, die wir noch aufbereiten könnten und ich bin zu wenig Entwickler (besser gesagt: gar keiner) um in die Untiefen von S9y einzutauchen. Irgendwie fehlte mir die technische Grundlage als S9y Evangelist unterwegs zu sein. Obwohl ich natürlich jeden Entwicklungsschritt von S9y in meinem Blog dokumentierte.
Gleichzeitig bekam ich mit, wie an anderen Ecken Software-Produkte, die ich benutzte, eingestellt wurden. Mühselig musste ich dann mit meinen Daten woanders hin wandern. Denn oft nutzte ich Nischenprodukte, die keine andere Software einfach so importierte.
Ich fragte mich auch, wie zukunftssicher S9y eigentlich ist. Es gibt ein paar hochmotivierte Entwickler, aber die Basis ist nicht sehr groß. Daher schaute ich mich mal um, ob andere Blogsoftware überhaupt Importfunktionen anbieten. Siehe da, bei WordPress gab es eines. Aber auch das war schon mehr als veraltet.
Einschub: Später zeigte sich, dass es gerade noch funktionierte. Wobei ich an einigen Dingen selbst an einzelnen Routinen – mehr schlecht als recht – schrauben musste.
Daher stellte mein Hinterkopf immer wieder die Frage. Wie lange läuft S9y noch? Was passiert dann? Solltest du nicht wechseln, bevor du mit deinem Blog da stehst und mühselig woanders hinwechseln musst? Je mehr Beiträge, umso komplizierter.
Ebenso wusste mein Hinterkopf, dass ich durch den Wechsel zwischen WYSYWIG Editor, Textile-Markup und Markdown-Markup etliche Artikel hinsichtlich Aussehen zerschossen hatte und noch einiges zu reparieren war.
Somit war da in dem besagten Hinterkopf das Gefühl, dass mein Blog mit rund 3.000 Artikeln ein alter Würfel war, den ich gerne wieder mehr ins rollen bringen wollte.
WordPress bzw. dahinter Automattic kann natürlich auch einmal die Entwicklung beenden oder einen Weg gehen, den ich nicht mehr mitgehen mag. Aber WordPress ist soweit verbreitet, dass es sicherlich Export-Plugins und Importfunktionen in anderen Software-Produkten geben wird. Und vielleicht auch den einen oder anderen Fork, der weiterarbeitet. Vielleicht werde ich alt, aber die Frage über die Zukunftssicherheit waren mir auf einmal wichtig.
Nicht, dass es unbedingt störte. Aber mal funktionierte auch das eine oder andere im Hintergrund nicht, weil mein Webhoster etwas nicht unterstützte. Und das passierte mir nicht zum ersten mal. Ok, ich könnte zu anderen wechseln. Aber mehr Freiheiten umso mehr Wartungsaufwand meinerseits. Bei WordPress müssen Hoster mehr Sorgfalt walten, sonst sind viele Kunden gleich mal wieder weg. Ich weiss, kein tolles Argument, aber ein weiteres in der Sammlung.
Es ist irgendwie wie beim PC. In den frühen Jahren schraubte ich gerne meine Kiste auf und konfigurierte Steckkarten etc. Irgendwann interessierte mich das nicht mehr. Der Rechner sollte laufen und mir die Möglichkeit bieten gute Software zu nutzen.
Andererseits experimentiere ich bis heute gerne. Immer wieder kribbelt es mich, etwas an meinem Blog zu ändern. Der Aufbau der Seite, das Layout, neue Plugins,…
Ich wollte endlich mal Anbindungen zu anderen Systemen ausprobieren. So überlege ich schon lange, mein eigenes Bilderalbum aufzubauen. Nach einigen Versuchen wollte ich nichts zusätzliches administrieren. Ich wollte etwas, was fein in mein Blog integriert ist.
Auch mein Blogverhalten hat sich in den letzten Jahren geändert. Ich schreibe manchmal die großen, langen Artikel. Aber ich möchte auch schnell und einfach die kleinen Textfragmente platzieren, manche meiner Texte somit der Versuchung abringen, dass sie auf Twitter landen.
Die Auswahl an Blog-Systemen ist einerseits groß. Sucht man nach Systemen mit ein wenig Verbreitung wird die Auswahl schon kleiner. Ich überlegte, wer mich denn in meinem Umkreis bei Fragen und Problemen unterstützen kann. Und da war die Antwort eindeutig.
Als das Ende das Jahres 2020 näher kam, wollte ich mir zuerst noch ein Jahr geben um alle für und wider abzuwägen.
Aber ich merkte, dass ich den Entschluss eigentlich schon gefasst hatte. Was mich abhielt war meine Verbundenheit zu S9y. Es war mir (und der Community gegenüber) ein wenig das Gefühl der Untreue.
Aber ich probiere immer wieder gerne neues aus. Das ist es, was mir am Web bzw. meinen Hobbys Spaß macht. Ich kann den Kurs wechseln und die Software, wie ich meine. Solange ich mir nicht selbst zuviel Hürden aufstelle und mir nicht selbst zu viel Arbeit damit mache.
Also, WordPress angeworfen und ausprobiert. Natürlich merkte ich, dass es viele Plugins gab, aber auch viel „Mist“ dabei ist. Nicht für alles gibt es ein Plugin. Und bei manchen ist die NutzerInnenbasis so klein, dass man sich auch gleich Sorgen machen kann, wie lange das Plugin noch weiter entwickelt wird.
Über Guttenberg (den Editor von WordPress) schimpfen viele. Ich haderte kurz, legte mir ein Markdown-Plugin zu. Doch schnell entdeckte ich die Gestaltungsmöglichkeiten, das einfache einbinden von Fotos.
Ebenso fand ich Plugins, die mir bei der Renovierung meines Blogs helfen konnten: Broken Links auffinden, falsch eingebunden Bilder, …
Ebenso bietet WordPress bei den Themes eine eigene Kategorie „Accessibility ready“. Das ist schon fein, aus einigen Themes wählen zu können, die mal grundsätzlich barrierefrei sind. Ich weiß, mit jeder Einstellung und mit jedem Plugin kann sich das ändern. Das gilt aber für jede Blog Engine.
Als ich testweise meine Artikel nach WordPress übertrug – ich musste ja wissen, ob das überhaupt funktioniert – merkte ich, wie es mir wieder Freude macht, mein Blog zu renovieren. Es wirkte nicht mehr wie ein „Monsterprojekt“ sondern als möglich.
Ist das alles eine gute Erklärung für euch? Vielleicht nicht. Weil es wohl noch komplexer ist. Oder ganz einfach. Es macht mit WordPress bloggen Freude. Und darum geht es mir beim bloggen. Es ist mein Hobby, meine Zeit etwas zu tun, bei dem ich die Richtung vorgebe und niemanden dafür fragen muss.
Vielleicht war es wichtig für mich, wieder etwas Neues aufzubauen. Aber das wichtigste habe ich dabei nicht verloren. Denn die Technik eines Blogs ist wichtig. Aber das wichtigste sind die Artikel und der Mensch dahinter. Und beides sind auch im „neuen“ Nur ein Blog weiter vorhanden.
Nach einem Monat mit WordPress bin ich zufrieden. Die Software läuft rund, ich kenne mich schon halbwegs gut aus. Und ich habe hier in Wien -und darüber hinaus – schon einige Menschen gefunden, die mich mit der Technik unterstützen (würden).
Fazit. Vielleicht sind das für euch keine guten Gründe. Vielleicht sind es zu wenig Gründe.
Aber für mich passt es gut.

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