Schlagwort: TextExperiment

Hier findest du meine sprachlichen/literarischen Experimente

  • Fingerspitzengefühl

    Wenn man etwas kommentieren will. Dann muss man vorher abwägen

    • ob die Meldung echt ist
    • ob die Person, die sie gepostet hat keinen problematischen Background hat
    • ob das beigefügte Foto im richtigen Kontext dargestellt wird
    • in welchem Umfeld man kommentiert
    • ob man Ironie oder Satire erkennen könnte und man es falsch interpretiert
    • wie sehr eigene Ironie verstanden würde

    Während man all das überlegt vergeht den Fingerspitzen das Interesse die Tastatur zu berühren. Und manchmal ist das auch gut so.


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  • nächtelang

    Wieder durch den Tag gejagt.

    Müde Augenlider fallen zu.

    Kein Schlaf.

    Gedanken schweifen frei umher…

    …bis ein Alptraum auch sie gefangen nimmt.


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  • Schatz

    Ich habe einen Schatz
    der ist nicht verborgen
    hinter dicken Tresortüren
    Nein
    er ist sogar offen für jeden zugänglich

    Mein Schatz wird immer größer
    Immer wieder neu gefüllt
    von mir
    von anderen
    die sich auch nehmen können
    Es macht ihn nicht kleiner
    höchstens wertvoller

    Mein Schatz sind all die Ideen, Gedanken und Erinnerungen
    in meinem Blog
    gesammelt über Jahre
    veredelt durch Kommentare und Gastbeiträge

    Mein Schatz
    Sein Wert unermesslich
    Billig und schäbig für den einen
    Wertvoll für andere

    Dieser Schatz braucht keine Bank
    Höchstens ein Backup …


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  • mucksmäuschenstill

    Hellhörige Wohnungen

    Earpods in der Straßenbahn die ihre HörerInnen als Lautsprecher missbrauchen

    Musikteppiche in Kaufhäusern (freut Euch Weihnachten kommt bald)

    Rauschende Radiosender im Gasthaus

    Verspannende Entspannungsmusik in jedem Ruheraum

    Vor etlichen Jahren lebten wir ein Wochenende lang in Schweigen

    Ein Schweigewochenende

    Keine Musik

    Keine Gespräche

    Lesen (schweigend)

    Gemeinsam kochen (schweigend)

    Gemeinsam ein Bild zeichnen (schweigend)

    Gemeinsam spazieren (schweigend)

    Schweigen

    bis langsam auch der Kopf schweigt

    die vielen lärmenden Gedanken

    einer ruhigen Empfindung weichen

    Dieser Lärm im eigenen Kopf

    die eigenen Erinnerungen, die Ängste

    all das Verdrängte

    das sich im Schweigen nach vorne, nach oben drängen kann

    All das hält nicht jedeR aus

    MancheR nimmt den Lärm von außen

    schafft Lärm von außen

    um den inneren zurückzudrängen

    Mucksmäuschenstill ist es

    dann

    für mich

    wenn man nicht nur die sprichwörtliche Nadel fallen hört

    sondern auch den einzelnen leisen Gedanken

    #gedankenstille


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  • Narrenfreiheit

    da sitzt man
    auf dem eigenen stuhl
    vor dem eigenen computer

    da sitzt man und blickt auf einen blinkenden cursor
    ein text soll es werden
    ein text für das eigene blog
    das eigene blog
    das eigene
    eigene

    hier darfst du eigen sein
    hier hast du volle narrenfreiheit
    sagte jemand

    hier kann ich schreiben was ich will
    sag ich

    ich kann
    ich könnte
    ich will
    ich würde wollen
    ich würde wollen können

    doch will ich nicht als narr
    gelten
    will dass meine worte bedeutung haben
    dass sie weise klingen
    dass sie anerkannt werden
    dass sie gelobt werden

    ach, der narr
    will ich nicht als tweet lesen
    nicht ein quietschbuntes lachmonster
    als facebook like sehen
    ich hätte hier jede freiheit

    fast
    doch aus dem fast
    wird ein mehr
    ein mehr an einschränkungen
    ein meer an einschränkungen
    ein meer an schranken

    dann blicke ich in den spiegel
    schau mich bitter ernst an
    bis ich lachen muss

    du narr, du
    lache ich mir entgegen
    fühle mich frei
    und klicke auf
    veröffentlichen


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  • Habseligkeiten

    Es gibt Menschen, die bemühen sich ihren Besitz zu reduzieren. Nur das Wesentliche. Es gibt dazu etliche Initiativen. Die eine gibt 500 Dinge vor, die man besitzen soll, die andere will sogar auf 100 reduzieren.

    Auch ich habe reduziert. Bücher, DVDs, Musikkassetten, Fotoalben, Ordner voller Papiere, Rechnungen, Postkarten, …Ja, in der einen physischen Manifestation sind sie nicht mehr vorhanden, weil sie alle in meinem Computer „gewandert“ sind.

    Und dort wächst die Anzahl der Dateien, der MP3s, der JPGs, der PDFs, … Ungezählt würde ich sagen, es sind mehr als früher in irgendeiner Form in meiner Wohnung lagen.

    Wie in meinem Zimmer stellt sich die Frage, wie ich all das ordne, all das wiederfinde. Ja, da gibt es eine Suchfunktion. Doch muss ich mich noch erinnern, wie das Ding überhaupt geheißen hat, welche der acht möglichen Bezeichnungen ich damals verwendete…

    Da tut aufräumen gut. Seltsam. So befriedigend es früher war, Papier auszusortieren, zusammen zu packen, hinunter zu tragen und weg zu schmeißen – so befriedigend ist es für mich oft Dateien zu löschen. Sie stören an sich nicht, es gäbe genug Platz auf der Festplatte.

    Und doch müssen sie weg.

    „Das brauche ich nicht mehr“ ist ein erleichternder Satz. Loslassen können ist befriedigend. Als wäre man leichter geworden, hätte eine Last von gestern hinter sich gelassen.

    Mit der Maus auf den Papierkorb fahren und „Entleeren“ anklicken befreit.

    Nicht mehr das Projekt, dass man seit 10 Jahren immer schon angehen wollte. Nicht die fünfundfünzig Artikel, die man immer schon lesen wollte, sollte, hätte lesen können. Die Mail, die Erinnerungen birgt, die man nicht immer wieder aufs Neue aus dem Gedächtnis heraufbeschwören wollte.

    Nach diesem Klick ist Platz für Neues. Ist meine Kreativität nicht darin gefangen Altes zu verwerten sondern muss ganz von neuem beginnen. Neues und nicht altes lesen. Neue Verknüpfungen finden.

    Auch wenn ich dabei wieder Datei auf Datei ansammle, anhäufe, für später aufhebe.

    Es ist ein Kreislauf, der wohl sein muss. Ein seliger Kreislauf des finden, aufheben, sammeln und wieder löschen.

    #delete


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  • verklären

    damals war alles besser

    damals saßen wohl zwei zusammen
    und meinten

    dass damals
    wohl alles besser war

    also in der zeit in der zwei zusammen saßen
    und meinten

    dass damals
    wohl alles besser war

    also in dem damals des damals des damals

    also in dem damals
    in dem wieder einmal zwei zusammen saßen
    und

    ….

    ….

    ….


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  • Wahn

    Jeden Augenblick festhalten
    digital
    per Snapchat und Instagram verteilen

    Jedes Smartphone in der Straßenbahn
    als Tod des „echten“ Gesprächs bejammern

    Jeden Gedanken festhalten
    in Worten
    per Twitter an alle Follower verteilen

    Jeden Tweet
    als Ende der Literatur fürchten

    Jede Gemütsregung festhalten
    in Emoticons
    per Smartphone jederzeit

    Jede 0 und 1
    zu einer 666 formen

    Wenn WAHN und WLAN zu ähnlich klingen


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  • trüb


    ein trüber gedanke
    legt sich in mein denken
    schleichend
    schleppend
    ein schritt zum sofa
    der wille gibt auf
    der tag hat keine aufgehende sonne
    will nicht enden
    die nacht ohne sterne
    und ohne schlaf
    der gedanke an morgen
    ist die furcht vor übermorgen


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  • weiß

    ich sah ein bild
    nur weiße fläche
    dachte mir nichts dabei
    und ward bald ganz versunken.
    sank tiefer in ein bild
    das nichts war
    und doch so hell
    so lebend.
    vor dem bild war auf dem boden
    ein schwarzer strich gezogen
    war halt
    war ein verbot
    war grenze und doch bald verschwunden.
    das weiß
    es wurde bunt
    ließ farben in meinen augen tanzen
    ließ bilder entstehen
    tief in mir.
    und weil im bild nichts war
    konnte hier
    bei mir
    viel mehr erblühen.
    das bild war wie ein spiegel
    in den meine seele ein bild vom mir malte.
    so ging ich hinein und kam wieder heraus
    und war froh mich gesehen zu haben.


    Dieser Text entstand vor über 20 Jahren im Solomon R. Guggenheim Museum, New York

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