Schlagwort: TextExperiment

Hier findest du meine sprachlichen/literarischen Experimente

  • acht/Acht

    sollten wir nicht fünf nehmen?
    sieben wären doch viel besser?

    ach, nehmen wir acht
    da geben die menschen acht
    weil sie sich vor acht in acht nehmen

    aber acht, sagte sie
    gibt es denn so viele von ihnen
    sie sind doch nur sieben
    denn einer von ihnen war mit der acht belegt

    haben wir das außer acht gelassen
    als wir die zahl bedachten?

    acht achtet man einfach mehr
    meinte er

    ach, meinte ich, auf die anzahl achtet keiner mehr
    geschweige denn auf diesen text


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  • Fassade

    das ist nur fassade
    hast du gesagt
    blick doch dahinter
    erkenne

    aber es ist die fassade
    die mir zugewandt ist
    die mich anblickt

    das ist nur fassade
    sagst du
    öffne die tür
    erblicke

    aber es ist die fassade
    die mich erfreut
    mit ihrer schönheit

    das ist nur fassade
    wirst du mir sagen
    die nichts trägt
    die nichts beinhaltet
    die scheint und doch nur dunkelheit verbirgt

    aber es ist die fassade
    werde ich sagen
    um die es mir geht

    ich will nicht wohnen darin
    ich will nicht durch zimmer gehen
    ich will nicht in besitz nehmen

    ich will nur das geheimnis spüren
    dass hinter dieser fassade
    vielleicht etwas sein könnte
    nur das geheimnis
    nicht das erkennen
    nichts erblicken

    nur die fassade


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  • dein

    dein ist mein ganzes herz

    wenn dein mein ganzes herz ist
    dann bin ich wohl herzlos


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  • gleich

    ich bin gleich da
    sagte er
    ich wartete
    als gleicher unter gleichen
    wir warteten

    irgendwann
    fragten wir uns
    ob gleich
    ein wenig nach jetzt
    oder später als die zukunft
    bedeutet

    wir warten noch
    immer
    gleich
    anders

    wir schrieben
    gleichungen
    wollten errechnen
    wann er gleich
    wieder käme

    doch keine zahl konnte es fassen
    kein komma an der richtigen stelle
    jede formel mit einem fehler

    wir konnten es nicht fassen
    wollten gleich
    mit gleichem vergelten

    wir gingen
    und ließen den ort alleine
    niemand wartete mehr
    und niemand würde je
    erfahren
    ob er jemals wieder kommt

    nur ich überlegte
    zurückzukehren

    aber nicht gleich


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  • Bild

    ein bild sagt mehr als tausend worte

    aber jedes wort erzeugt auch ein bild

    in deinem kopf

    tausend worte sind somit tausend bilder

    sie sind ein ganzer film

    voll farbe

    voller details

    Dass mehr Menschen solche Bilder erleben dürfen, dafür möchte der Wiener Bücherschmaus – Verein für Leseförderung und Buchkultur sorgen.In Bücherschmaus: Alte Bücher neu nutzen habe ich euch schon davon erzählt – andere haben ihre eigenen Bilder bzw. Worte dafür gefunden.

    worte malen bilder

    worte beschreiben bilder

    wer liest lernt

    lernt bilder in worte zu fassen

    worte so zu fassen

    dass man selbst bilder malen kann

    Der Bücherschmaus sammelt Bücher, gibt sie weiter oder verkauft diese um Leseförderprojekte zu finanzieren.

    jedes buch ist ein bilderbuch

    Bücher brauchen Bewerbung und der Bücherschmaus ebenso. Daher gibt es nun die Aktion [Gutes tun und Bücher gewinnen](https://buecherschmaus.wien/gutes-tun-und-buecher-gewinnen/). Wer den Bücherschmaus bewirbt (wie steht im Artikel), der nimmt an einer Buchverlosung teil.

    Also nutzt euer Blog oder das Geschäft eures Vertrauens für ein wenig Werbung für den Bücherschmaus und somit auch für das Lesen an sich.

    malt bilder

    mit einem wort

    mit einem satz


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  • abgrundtief

    abgrundtief

    feig und bang

    tief

    abgrundtief

    rund und tief

    grab

    abgrundtief


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  • wünschen

    du darfst dir etwas wünschen

    dein wunsch werde wahr

    dein wunsch sei mir befehl

    ich bin wunschlos glücklich

    glücklich wer noch wünsche hat

    der wunsch zieht durch die welt

    der wunsch zieht durch die zeit

    wir wünschen uns viel für uns

    und wenn wir großzügig sind

    wünschen wir auch den anderen

    gesundheit wünschen wir uns

    und dem feind wünschen wir den tod

    den tod wünscht man an den fernen ort

    oder wünscht ihn in schmerz herbei

    ich wünschte ich könnte diesen text neu beginnen

    ich wünschte ich könnte das sagen

    was ich wirklich wünschen würde

    und dann gibt es den moment

    wo ich einfach nichts wünsche

    wunschlos bin

    das wünschen losgelassen habe

    denn manchmal ist wünschen eine pein

    sie quellen aus einem

    sie erdrücken

    sie schwemmen jede erfüllung hinfort

    und manchmal ist wünschen eine freude

    der wunsch dass ihr ein paar bleibt

    der wunsch dass dieses kind ein gutes leben hat

    der wunsch für eine gute ernte

    wir beginnen an einem augenblick

    wir blicken auf hoffnung

    und wünschen diesen zeitpunkt zu einer zeitlang

    und mancher wünscht

    dass dieser text endlich endet

    und ich wünsche mir

    dass der schlusspunkt sich hier geneigt fallen lässt

    und doch wünschen wir uns dass es weitergeht

    wir wünschen ein leben lang

    aufgewacht aus meinem wunschtraum

    wünsche ich euch einen guten morgen und eine gute nacht

    schließt die augen

    wünscht euch ein bild

    wünscht euch eine welt

    wünscht euch ein leben

    wer wünsche verwünscht

    der denke daran

    die denke daran

    dass ohne wunsch

    niemand den ersten schritt gesetzt hätte


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  • Gratwanderung

    der schmale grat zwischen religion und fanatismus
    der schmale grat zwischen engagement und engstirnigkeit
    der schmale grat zwischen hoffnung und verzweiflung

    fester schritt
    immer sicher

    der schmale grat zwischen wir und ich
    der schmale grat zwischen idee und wahn
    der schmale grat zwischen hoffnungsfunken und scheiterhaufen

    fester schritt
    immer sicher

    der schmale grat zwischen lächeln und hohn
    der schmale grat zwischen hilfe und ignoranz
    der schmale grat zwischen solidarität und vereinnahmung

    fester schritt
    immer sicher

    der schmale grat zwischen gruppe und meute
    der schmale grat zwischen zukunft und vergessen
    der schmale grat zwischen leuchten und blenden

    fester schritt
    immer sicher

    der schmale grat
    fester schritt

    fallen


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  • Verlassen habe ich mich

    Dominiks Neon|Wilderness und insbesondere mein kleiner Beitrag zu seiner Aktion #sommerworte hat mich angeregt, doch ein wenig mehr meiner literarischen Versuche herauszukramen.

    Nachfolgend ein Text, den ich vor ein paar Jahren tippte.

    verlasse habe ich mich

    verlassen habe ich mich
    um tief in mir zu ruhen
    dem gestern einen platz zu geben
    der erinnerung ein feld
    die alten gräben aufzureissen
    die angst, die freude in mir selbst zu fühlen
    so bin ich tief gegangen
    hab mich nicht verirrt
    war mir schild
    nicht zu tief die angst vergangener tage zu spüren
    war mir schwert
    das schmerz in mich treibt
    dessen klinge alter redensarten
    noch tief blutig in mich dringt
    so war ich zweigeteilt
    und doch noch eins
    so bin ich froh das alte leben
    tief in mir zu spüren
    so sehne ich
    die zukunft nicht herbei
    um tief in der gegenwart zu leben
    so bleibe ich im heute
    und lasse das gestern nicht allein

  • Die elektrische Zahnbürstenaffäre

    16. Juli 2016. Der Tag an dem die elektrische Zahnbürstenaffäre in Twitter Fahrt aufnahm.

    Martin B. hatte Monate zuvor eine Prämienerhöhung seiner Zahnversicherung erhalten. Das wunderte ihn, da die entsprechenden Klauseln im Vertrag dies nur in speziell begründeten Fällen vorsah – abgesehen von Inflationsanpassungen. Recherchen, Drohungen von Anwälten und viele signierte E-Mails später schrieb er am 15. Juli 2016 einen Blogartikel über die Ergebnisse dieses langwierigen Prozesses.

    B. hat(te) eine elektrische Zahnbürste neuester Bauart inklusive Bluetooth Adapter, eingebauten Beschleunigssensoren, Gyroskop, etc. Die Bürste war mittels „Blauzahn“ mit dem Smartphone bzw. einer speziellen App verbunden und zeichnete so alle Bürstvorgänge auf. Nach einigen Tagen Nutzung bekam man Vorschläge, wie man seine Zähne besser putzen sollte, welche Handhaltung sauberere Ergebnisse erzielte usw.

    Die App war kostenlos. Tief in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen schlummerte der Absatz, dass die App kostenlos und ohne Werbung sei, aber man doch seine Daten an Firmen, wie z.B. Versicherungen, gerne weitergeben möchte.

    Auch B.s Versicherung kaufte die Daten, die jedoch nur aus Nickname, Mailadresse und den Putzdaten bestand. B. nutzte vorsorglich eine andere Adresse für die Konversation mit Firmen. Was B. nicht bedachte war, dass er dieselbe Mailadresse wie für die Zahnapp auch für Bestellungen seiner Zahnpaste – einer speziellen – verwendete. Diese exklusive Marke bzw. die Firma kannte somit seine Adresse und war dank ihrer allgemeinen Geschäftsbedingungen durchaus bereit Zahnversicherungen zu Werbezwecken ihre Daten bereitzustellen.

    So verzahnte sich ein Fakt mit dem anderen und mit B.s Zahnversicherung und mit einem weiteren Umstand. So gründlich B. auch putzte, so sinnlos kamen ihm die Tipps der App vor. Dies war dem Umstand zu verdanken, dass sein Sohn die Zahnbürste heimlich zum malen verwendete, da diese wilde Muster aufs Papier zauberte. Die Idee nicht nur die Vorschläge sondern auch die Putzstatistik zu betrachten kam B. erst viel zu spät.

    Am 20. Juli entschuldigte sich die Versicherung offiziell auf Twitter, nachdem der Shitstorm rund 800.000 Tweets mit Hashtag #watchyourtoothbrush erreichte.

    Am 25. Juli erreichte ein Video eines elektrischen Zahnbürstenkünstlers einen ersten viralen Höhepunkt.

    Am 27. Juli gab es unter dem Hashtag #electrictoothbrushart rund 1,5 Mio. Bilder auf Instagram.

    Das Crowdfunding um B.s horrende Anwaltskosten wieder hereinzubringen hatte zu dem Zeitpunkt 1.280 Euro eingebracht.