Schlagwort: TextExperiment

Hier findest du meine sprachlichen/literarischen Experimente

  • abgehen

    An diesem einen Tag

    An diesem Tag der der letzte auf dieser Bühne ist

    An diesem Tag

    möchte ich noch den einen bedeutungsvollen Satz sagen

    eine Geste machen, die alle verstummen lässt

    einen Blick aufsetzen, der sich in eure Erinnerung brennt

    An diesem letzten Tag möchte ich

    grandios von dieser Bühne abgehen

    Ihr werdet sprachlos sein, voller Bewunderung

    wie einer nur so gehen kann

    Und doch

    Wenn ich es recht bedenke

    An diesem einen Tag

    An diesem Tag der der letzte auf dieser Bühne ist

    An diesem Tag

    möchte ich einfach still sein

    noch einen Moment stehen bleiben und Danke sagen

    An diesem letzten Tag möchte ich

    wissen, dass ich an all den anderen Tagen

    gerne auf der Bühne stand


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  • Entdecken

    Der Tag an dem ich sie entdeckte

    Die Lügen

    Gut versteckt zwischen all den anderen Worten

    Der Tag an dem ich sie entdeckte

    Die Wahrheit

    Gut versteckt zwischen all den anderen Worten

    Der Tag an dem ich sie entdeckte

    Die Einsicht

    dass dies alles doch nicht so einfach ist


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  • Glück

    Bin ich glücklich?
    Bin ich wirklich glücklich?
    Muss ich glücklich sein?
    Wer sagt, dass man glücklich sein muss?
    Wer sagt, was Glück ist?
    Kann mir jemand überhaupt SAGEN, was Glück ist?
    Ist Glück oder hat man Glück?
    Wenn Angst die Seele aufisst
    nährt Glück dann diese?
    Muss sich mein Glück vor Unglück fürchten?
    Warum steckt in jedem Unglück ein glück?
    Wie glücklich ist man wenn man Fragen stellt?
    Ist es ein Glück noch Fragen stellen zu können?
    Würden mich Antworten zu obigen Fragen glücklich machen?

    Glücklich ist wer vergisst …
    Zum Glück kann ich mich aber noch erinnern.


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  • Wald

    vor lauter bäumen den wald nicht sehen

    so heißt es

    das sei nicht gut

    die gesamtheit macht es

    der überblick

    das ganzheitliche denken

    andererseits

    wer immer nur den wald sieht

    der hat keine bedenken

    da und dort einen baum

    auszureissen

    ein ganzes stück wald zu roden

    so sieht dieser immer den wald

    und wenn er endlich

    den einzelnen baum sieht

    wird es nur mehr ein einziger sein


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  • Splitter

    wohin weht ein wind
    die wolken

    wann finde ich
    splitter meiner phantasie

    dort und dann
    im klaren wasser


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  • Es ist die Nacht

    Es ist die Nacht

    die alles in Dunkelheit hüllt

    Es ist die Nacht

    die mir die Hoffnung, die Freude, die Erinnerung nimmt

    Es ist die Nacht

    die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwinden lässt

    Es ist die Nacht

    die mich von Ängsten, Zweifel und Sorgen befreit

    Es ist die Nacht

    die mich die Augen schließen lässt

    Es ist die Nacht

    die den Raum für den neuen Tag bereitet

    Es ist die Nacht

    nach der die aufgehende Sonne umso heller wirkt

  • Hoffnungsschimmer

    Da hinten sitzt er

    Ganz da hinten wo nicht einmal ich ihn sehen kann

    Nicht sehen nicht mal spüren

    Aber wenn die dunklen Gedanken kommen

    Sich einschleichen

    All mein denken all mein handeln in Besitz nehmen wollen

    Dann bleibt er ungerührt sitzen

    Beharrlich weigert er sich zu gehen

    So klein er da wirkt

    Da hinten

    Sitzend

    Sie drohen ihm

    Versperren ihm jeden Ausweg

    Aber er will gar nicht gehen

    Er bleibt

    Unbeirrt

    Er irritiert

    So verlässt die dunklen Gedanken alsbald der Mut

    Wie gekommen so verschwinden sie wieder

    Leise

    Nur er bleibt

    Ungerührt

    Mein Hoffnungsschimmer


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  • Alkohol

    Alkohol ist das Gläschen Rotwein
    Abends mit Freunden
    Abends allein
    Frühmorgens allein
    Immer allein

    Alkohol ist das festgefahrene Ritual
    Bei jedem Fest
    Bei jedem Anlass
    Immer
    Irgendwann fällt auch das Ritual
    Bleibt nur mehr der Alkohol

    Aber manchmal ist es die laue Sommerbrise
    Die Musik
    Du mir gegenüber
    Ein Glas
    Nicht wenig und nicht mehr
    Das wir zusammen genießen
    Wissen
    Dass es nicht dieses Glas ist
    Nicht der Wein
    Der uns trunken macht


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  • Fernweh

    Irgendwann verlasse ich diesen Raum

    Gehe hinaus

    Irgendwann gehe ich zumindest bis zur Türe

    Fasse den Türgriff und spüre das Draußen

    Hier sitzend ergreift mich Fernweh

    Wie ist es dort draußen

    Hinter der Türe, im nächsten Zimmer

    Ich male mir aus, dass du auf mich wartest

    Draußen im Wohnzimmer sitzend

    Aufblickst wenn ich aus meinem Zimmer trete

    Mich anlächelst

    Ich sitze hier und tippe gedankenverloren

    Wie wäre es jetzt aufzustehen

    Dich zu erreichen

    Doch ich müsste diese Türe öffnen

    Diese Schwelle überschreiten


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  • Mittlerweile

    Mittlerweile ist viel Zeit vergangen

    Du bist gegangen

    Hast nur die Erinnerung an dich hinterlassen

    Die schwer auf allem liegt

    Eine zähe Masse an der mein Herz immer wieder kleben bleibt

    Mittlerweile versucht mein gebrochenes Herz zu sich selbst zu finden

    Meine Gedanken finden einen Ort der Ruhe

    Mittlerweile ist Gras gewachsen

    Doch es wird nie mehr so grün wie es damals war

    Mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt


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