Ich freue mich über Kommentare in meinem Blog. Auch über kritische. Und manchmal finde ich einen Kommentar interessant, den ich dann doch nicht veröffentliche.
Heute landete der Kommentar in meiner Moderationswarteschlange.
Der Kommentar bezog sich auf meinen Umgang mit künstlicher Intelligenz und machte einen durchaus vernünftigen Vorschlag:
Für eine solche Erklärung wäre ein Versionsdatum mit einer kurzen Änderungsliste hilfreich: Sonst bleibt bei älteren Beiträgen unklar, welche Arbeitsweise damals galt. Dazu könnte ein konkretes Beispiel zeigen, wo bloße Korrektur endet und inhaltliche Mitgestaltung beginnt.
Das ist kein uninteressanter Gedanke. Das würde mir zwar einiges mehr an Aufwand bringen, aber vielleicht auch für mich selbst meine Entwicklung der Kreativitätserklärung in ein paar Jahren besser nachvollziehbar machen. Und die Frage, wo eine sprachliche Korrektur endet und eine inhaltliche Mitgestaltung beginnt, ist ohnehin nicht so einfach zu beantworten.
Also war das ein ein guter Kommentar?
Auf den ersten Blick schon. Allerdings gab es ein paar Auffälligkeiten.
Als Website hatte der vermeintliche Kommentator keine persönliche Homepage angegeben, sondern die Adresse eines kommerziellen KI-Dienstes. Am Ende seines Kommentars erklärte er außerdem, dass er selbst an einem KI-Tool zur Figurengestaltung arbeite und den Kommentar mit KI-Unterstützung formuliert habe.
Letzteres finde ich grundsätzlich nicht problematisch. Ich verwende selbst KI und es mag viele Gründe geben, warum KI hier eingesetzt wurde. Vielleicht auch aus Sprachproblemen heraus.
Aber hier drängte sich ein Gedanke auf: Da wurde ein Kommentar verfasst, der möglichst gut zum Inhalt meines Blogbeitrags passt, damit ein Werbelink möglichst „unauffällig“ untergebracht werden kann. Und es ist nicht der erste dieser Art.
Vielleicht steckt tatsächlich ein Mensch dahinter, der meinen Beitrag gelesen hat. Vielleicht wurde der Kommentar automatisch erstellt. Ich weiß es nicht. Und ich kann auch nicht eindeutig beweisen, dass es sich um Spam handelt.
Die Kombination aus kommerziellem Link, auffallend passendem Kommentar und beiläufiger Erwähnung des eigenen KI-Angebots macht mich jedenfalls misstrauisch.
Wenn Spam nicht mehr wie Spam aussieht
Früher war Kommentarspam oft ziemlich leicht zu erkennen. Da wurde irgendein Produkt beworben, der Text war völlig unpassend oder bestand aus einem allgemeinen Lob wie „Great post! Thanks for sharing!“.
Heute können KI-Tools Kommentare erzeugen, die tatsächlich auf den Inhalt eines Beitrags eingehen. Sie können Argumente aufgreifen, Fragen stellen und sogar sinnvolle Verbesserungsvorschläge machen.
Das verändert die Situation für uns Blogger:innen.
Es reicht nicht mehr, einen Kommentar danach zu beurteilen, ob er sprachlich ordentlich formuliert ist und zum Thema passt. Wir müssen uns auch fragen, warum dieser Kommentar geschrieben wurde.
Wobei ich da vorsichtig sein möchte. Nicht jeder Kommentar mit einem Link ist Werbung. Und nicht jeder mit KI verfasste Kommentar ist Spam. Auch Menschen, die ein eigenes Projekt, eine eigene Firma betreiben, können sich ernsthaft an einer Diskussion beteiligen.
Entscheidend ist für mich, ob jemand etwas zur Diskussion beitragen möchte oder die Diskussion hauptsächlich als Gelegenheit nutzt, einen Link zu platzieren.
Nur lässt sich diese Absicht nicht immer erkennen.
Ein brauchbarer Gedanke bleibt ein brauchbarer Gedanke
Was mache ich nun mit diesem Kommentar?
Ich habe ihn als Spam markiert und nicht freigeschalten. Denn ich möchte mein Blog nicht als Werbefläche für irgendwelche kommerziellen KI-Angebote zur Verfügung stellen.
Den Vorschlag zur Verbesserung meiner KI-Transparenz kann ich trotzdem ernst nehmen.
Das ist vielleicht das Kuriose an diesem Fall: Ein mutmaßlicher Werbekommentar hat mich auf einen Punkt aufmerksam gemacht, über den ich tatsächlich nachdenken könnte.
Und es bleibt eine Frage, die wohl noch häufiger auftauchen wird: Wie gehen wir mit Kommentaren um, die einen sinnvollen Beitrag leisten, deren eigentlicher Zweck aber vermutlich Werbung ist? Den Werbeteil löschen und den Rest stehen lassen – das ist doch auch ein wenig Manipulation an Texten.
Ich möchte weiterhin offen für Diskussionen in meinem Blog sein. Schließlich lebt das Bloggen auch davon, dass wir einander lesen und kommentieren.
Aber ich möchte nicht, dass die Kommentarspalte zu einem Platz wird, an dem KI-generierte Werbetexte so tun, als würden sie sich für meine Gedanken interessieren.
Das wäre dann doch etwas zu viel künstliches Interesse.

Schreibe einen Kommentar