Über Thomas Gigolds Artikel habe ich Pure Blog von Kev Quirk kennengelernt.
Kev hat für sich ein einfaches Content Management System gesucht – und nicht gefunden – über das er einfach nur bloggen konnte. Ohne viel Ballast, zig Plugins etc.
Daraufhin hat er einfach sein eigenes System entwickelt, das nun „Pure Blog“ heißt.
Auch wenn ich mit WordPress eigentlich ein Software „Monster“ fürs bloggen betreiben, so finde ich so reduzierte System sehr fasziniert. Daher hab ich gleich einmal eine Version aufgesetzt und ein wenig ausprobiert.
Installation
Die ersten Schritte nicht schwer. Auf dem eigenen Webspace ein Unterverzeichnis einrichten und die Pure Blog Dateien hineinschieben. Wer mag, kann dieses noch mit einer Subdomain hinterlegen. Beim ersten aufrufen der Seite muss man noch Username und Passwort festlegen, Blogtitel etc. und schon kann es eigentlich mit dem bloggen losgehen.
Pure Blog ist im Kern auf PHP aufgebaut und braucht keine zusätzliche mySQL Datenbank. Daten werden am Webspace gespeichert. Artikel und Seiten werden als einzelne Dateien mit der Endung .md abgelegt. Kenner:innen wissen somit, dass Texte damit mit dem Markup Markdown formatiert werden können.
Backend
Es gibt aber auch ein Backend, über den das Blog verwaltet werden kann und ebenso Texte/Artikel geschrieben werden können. Man muss also nicht jedesmal irgendwelche Dateien hochladen sondern kann alles über das Backend gestalten, wie es sich für ein Content Management System gehört..
Kev hat für sich festgelegt, dass Pure Blog jetzt jedes Feature hat, dass er benötigt und dass er keine mehr hinzufügen möchte. Aber Bugs etc. werden bereinigt. So gab es auch die letzte Woche zwei Updates, die man ebenfalls über das Backend automatisiert ablaufen lassen kann. Vorher legt Pure Blog noch ein Backup mit dem aktuellen Stand des Blogs an, falls beim Update etwas schief geht.
Artikel und Seite
Der Kern des Blogs sind die Artikel. Diese können Bilder enthalten und mit Tags (Stichwörtern) versehen werden. Der Adressname des Beitrags ist ebenfalls frei wählbar. Das ist das, was in meinem WordPress Blog z. B. wie „/67500-martin-habacher-und-der-mabacher-award/” aussieht.
Es gibt auch Seiten. Diese kann ich dann auch in das vorgegebene Navigationsmenü aufnehmen.
Eine Suchfunktion und einen RSS-Feed runden das Ganze ab.
Das ist alles …
Das ist im Grunde alles. Man installiert das System schnell, gibt ein paar Daten ein. Danach kann man einfach bloggen.
Für manche reicht das sicherlich. Mit Pure Blog hat man ein einfaches System, bei dem nicht viel schiefgehen kann und bei dem man sich auf das Bloggen an sich konzentrieren kann.
… und dann gibt es noch mehr
Aber wer mag, die:der kann noch mehr am Aussehen verändern und Funktionen nutzen oder ergänzen.
Schon in den Einstellungen des Blogs finden sich Boxen für „benutzerdefinierte Navigationseinträge“. Head und Footer von Seiten und von Artikelseiten können allgemein mit HTML ergänzt werden, Schriftarten ergänzt, Farben für bestimmte Bereiche ausgewählte werden … und noch einiges mehr. Unter Pure Blog Themes finden sich Beispiele, wie man die Farbgebung entsprechend anpassen kann.
Kev betreibt (auch mit Pure Blog) eine Seite Pure Commons. Auf der finden sich die Pure Comments. Damit kann man quasi auf jeder Website ein einfaches und „leichtgewichtiges“ Kommentarsystem implementieren und somit auch in Pure Blog..
Mit ein bisschen Arbeit an einzelnen Dateien lassen sich darüberhinaus titellose Artikel, eine Tag Cloud oder ein Blog Archiv erstellen. Eine Anbindung an das Fediverse gibt es noch nicht. Aber vielleicht findet sich noch jemand für so einen Entwickler:innenjob.
Auch wenn ich wohl nicht gleich wechseln werde: Es gibt auch einen Importer für WordPress.
Anwendungszwecke
Aber man muss ja nicht unbedingt gleich das eigene Blog nach Pure Blog transferieren. Manchmal braucht man schnell ein zweites Blog für ein Projekt. Wenn es kein Blog werden soll, dann kann man auch die Blogseite über das CMS nach außen hin verstecken. Ebenso sind unterschiedliche Vorlagen leicht erstellt, sodass Einträge über Filme, Bücher, Reisen, etc. immer gleich aussehen und einfacher zu schreiben sind.
Was so alles möglich ist sieht man in der Liste von eine Pure Blogs im Internet. Die Seite selbst ist auch per Pure Blog erstellt. Sie ist ein gutes Beispiel für weitere Möglichkeiten: Eine Kommentarfunktion, eine Archiv Seite, ein Gästebuch (ebenfalls über Pure Comment erstellt), Über den Tag „Pure Blog“ gibt es einige interessante Artikel, die die Einbindung dieser Funktionen erklären.
Schauen wir uns noch ein paar der gelisteten Blogs an:
- Arnan de Gans zeigt uns gleich auf der Startseite quasi eine about me Seite. Das könnte für manche sogar ausreichend sein und mit Pure Blog einfacher als wenn man ganz mittels HTML selbst etwas basteln muss.
- Le bazar de MorganMii zeigt eine Minimalversion: Blogseite und Suchfunktion.
- Lee Perry hat seinen Footerbereich ausgebaut, mitsamt Foto, Text und vielen Icons. Das lässt sich relativ leicht im Backend mit ein wenig HTML erstellen.
- Ich weiß nicht wieviel Aufwand es war, aber Randvermerke zeigt, dass das Layout sehr anpassbar ist.
Für wen ist Pure Blog nun etwas?
Nun für alle, die ein bisschen Webspace haben, mit FTP ein wenig umgehen können und in ein paar Minuten ein Blog System installieren sowie konfigurieren wollen. Und danach einfach nur mehr bloggen möchten: Texte schreiben, hin und wieder Bilder veröffentlichen.
Mit ein bisschen mehr „Spielerei“ ist Pure Blog auch eine einfache Möglichkeit für eine About Me Seite, für eine kleine Projektdokumentation.
Wer mag, kann an dem System – weil sein Aufbau relativ einfach ist und damit recht verständlich – viel herumspielen und somit selbst kreativ werden.
Und weil es so leicht installierbar ist kann man es auch einfach mal ausprobieren und für sich selbst entscheiden, ob man es verwenden möchte oder nicht.
Als WordPress Ersatz nutzen
Das ist eine gute Frage.
Einerseits gibt es diejenigen, die von WordPress umsteigen wollen. Wenn ich den WordPress-Importer ausprobiert habe, lasse ich es euch wissen. Falls das gut klappt, wäre das ein Pluspunkt.
Natürlich verliert man all die Funktionen, die Plugins für WordPress bieten. Aber man muss sich auch nicht mehr um deren Updates kümmern. Man muss sich nicht mit einem komplexen Texteditor herumschlagen (der natürlich für manche viele Vorteile bringt), sondern kann einfach mit Markdown schreiben. Das kann einem liegen oder auch nicht.
Für alle, die neu mit dem Bloggen beginnen, Stellt euch die Frage, was Bloggen für euch bedeutet. Wenn es euch nur darum geht, Texte ins Netz zu stellen, dann ist Pure Blog wahrscheinlich perfekt für euch. Wenn ihr jedoch euren Blog in zig andere Ökosysteme integrieren, einen Webshop oder ein Forum nutzen und eine größere Reichweite im Fediverse erzielen möchtet, kann Pure Blog das nicht bieten. Ich hoffe jedoch, dass ein:e Drittentwickler:in eine Idee für das Fediverse hat.
Ich kenne einige, die WordPress langsam mit seiner Größe und seinen Möglichkeiten ermüdet.
Manchmal ertappe ich mich auch dabei, dass ich nicht nur einen Satz als Artikel veröffentlichen möchte, da ich ja ein großes Blog betreibe.
Vielleicht ist Pure Blog dann die Antwort. Denn hier kommt man wahrscheinlich nicht auf die Idee, dass ein Satz für dieses System zu wenig wäre.
Ich bin gespannt, ob unter meinen Leser:innen jemand Pure Blog nutzt oder ausprobiert hat. Lasst mich dann bitte daran teilhaben.

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