Ein archivierter Testbericht von Matthias Büsing – erweitert um technische Daten, Praxishinweise und ergänzende Archivmaterialien
Manche Geräte bleiben nicht deshalb in Erinnerung, weil sie fehlerlos waren, sondern weil sie eigenständig wirkten. Das Alcatel One Touch 715 gehört genau in diese Kategorie: ein Handy aus einer Zeit, in der Hersteller noch deutlich stärker mit Formen, Bedienkonzepten und Funktionen experimentierten.
Dank Matthias Büsing, der mir seine alte Website zur Verfügung gestellt hat, kann ich diesen Testbericht heute in überarbeiteter und erweiterter Form wieder zugänglich machen. Der folgende Text basiert im Wesentlichen auf seinem damaligen Original und wurde um Inhalte aus den weiteren 715-Seiten seines Archivs ergänzt.
Nachfolgend der Text von Matthias. Meine Anmerkungen sind extra markiert.

Einleitung
Vorweg möchte ich mich ganz herzlich bei Alcatel Deutschland, insbesondere bei Herrn Reckemeyer von der Pressestelle von Alcatel Deutschland, bedanken. Man hat mir großzügigerweise ein Alcatel One Touch 715 für den lange avisierten großen Test auf buesing.de zur Verfügung gestellt.
Der erste Eindruck
Nach Auspacken des originell designten Kartons sah ich das neue Alcatel One Touch 715 das erste Mal in Natura und war auf Anhieb sehr angetan. Das 715 ist angenehm originell gestylt und erinnert mit seinem einmaligen Retro-Look an die Siebziger Jahre. Im Cockpit eines US-Cars aus dieser Epoche würde es sich jedenfalls sehr gut machen 😉
Durch das große Graustufen-Display (36 x 26 Millimetern, 150 x 100 Pixel), das im Stil der heutigen Zeit blau beleuchtet ist und sagenhafte 10 Zeilen Text auf einmal schafft, wirkt das 715 erst einmal vergleichsweise lang. Die beeindruckende Höhe des Displays hat aber echte praktische Vorteile: man kann es in verschiedenen Anwendungen, zum Beispiel im Terminkalender oder bei den drei integrierten Spielen, quer nutzen, um einen wesentlich besseren Überblick zu gewinnen. Ein Vorteil, den sich manche Hersteller etwa im PDA-Sektor immer mehr zunutze machen.
Das Gehäuse selbst macht einen extrem hochwertigen Eindruck, es ist vorne rundherum mit einem metallähnlichen Kunststoff umgeben, dessen Farbe sich auch in den Tasten und der Umrandung des Alcatel-typischen Steuerknüppels wiederfindet. Sehr wertig und auch wirklich sehr gut in der Hand liegend. Daran kann auch die Länge von insgesamt 116 mm nichts ändern, zumal das 715 recht schmal (44 mm) und angenehm dünn (21 mm) ist. Hinzu kommt die handgerecht abgerundete Rückseite, die geringe Masse (88 g) und natürlich die Tatsache, dass keine Antenne irgendwo störend hinausragt. Alles in allem ein vielversprechender erster Eindruck, der Lust auf mehr macht.
Technische Daten auf einen Blick
Schon die technischen Daten zeigen, dass Alcatel das 715 deutlich über ein gewöhnliches Alltagsgerät hinaus positionieren wollte:
- Größe: 116 × 43 × 20 mm
- Gewicht: 88 g
- Netze: GSM 900 / 1800
- Sprach-Codec: EFR / FRAMR
- Akku: Lithium-Polymer
- Akkulaufzeit: bis zu 260 Stunden Standby, bis zu 6,5 Stunden Sprechzeit
- GPRS: Klasse 10
- Antenne: integriert
- Display: 100 × 150 Pixel, 4 Graustufen, blau beleuchtet, bis zu 10 Zeilen, optional quer nutzbar, Zoomfunktion
- Adressbuch: bis zu 800 Kontakt-Datensätze
- Termine: bis zu 1.000 Einträge
- ToDo-Liste: bis zu 60 Einträge
- Sprachfunktionen: bis zu 20 Sprachsteuerungsbefehle, bis zu 20 Namen für Sprachwahl, bis zu 60 Sekunden Sprachmemo
- Browser: WAP 1.2.1
- Schnittstellen: PC-Anschluss, IrDA, SyncML
- PDA-Kompatibilität: Palm OS und Windows CE
- Sonstiges: EMS 4.0, Weltzeituhr, VCard-Funktion, Freisprecheinrichtung, Spiele, Fotoanzeige bei Anruf
Gerade in der Summe war das für die damalige Zeit eine bemerkenswert vollständige Ausstattung.
Das erste Einschalten
Nach soviel Vorfreude zittere ich regelrecht der links neben dem kleinen Joystick gelegenen Ein-/Ausschalttaste entgegen – und werde erneut nicht enttäuscht. Mit einer großflächigen Animation und einer für Handys wahren Soundorgie (das 715 unterstützt polyphone Klingeltöne mit bis zu 16 Instrumenten) werde ich begrüßt. Nach der obligatorischen PIN-Abfrage über die mit einem ordentlichen Druckpunkt ausgestattete Tastatur komme ich ins Innere des neuen Alcatel-Flaggschiffes.
Es offenbart sich ein weiterer Vorteil des stattlichen Displays: Bei meinem Siemens SL42 nimmt ein individualisiertes Netzbetreiberlogo das komplette Display ein. Nicht so beim 715, bei dem sogar noch Platz für eine großzügige, wahlweise in analoger oder digitaler Art dargestellte Uhr bleibt. Darüber prangt dann noch das aktuelle Datum – Überblick in Reinkultur.
Für Leute, die Abwechslung mögen, hat Alcatel den „Ausgangsbildschirm“ übrigens sehr stark individualisierbar gemacht: Neben der oben genannten Art kann man auch animierte Grafiken einblenden. Für was man sich auch entscheidet – beides geht wahlweise in 50%/50%-Manier (50% Logo / 50% Uhr) oder in 90%/10%-Art. Ich lege auf eine stets gut ablesbare Uhr jedoch Wert und bleibe erst einmal bei der 50/50-Darstellung.

Praxis
In der Praxis macht das 715 einen sehr guten Eindruck – sehr gute Verarbeitung, hohe Wertigkeit und ein echter „Oh ha!“-Effekt sind durch das originelle Äußere sichergestellt. Nur schade, dass der kleine Steuerjoystick, der wie schon beim 701 in die vier Himmelsrichtungen sowie nach unten betätigt werden kann, mitunter etwas fummelig ist. Die vier Richtungen werden zwar präzise interpretiert, aber die Präzision beim Drücken der „OK“-Funktion kann – je nach bedienendem Finger – doch etwas variieren.
Wem der Joystick im Allgemeinen zu aufregend ist, kann natürlich auch per Sprachbefehl oder Knopfdruck eine Vielzahl oft verwendeter Funktionen direkt aufrufen. Dies ist entweder durch einen langen Druck auf eine der Zahlentasten oder aber über den doppelt belegbaren Taster oben links an der Seite des 715 möglich. Ärgerlich: Für den Währungsumrechner und den Vibrationsalarm sind die Tasten fest voreingestellt. Die Spracherkennung funktioniert dagegen sogar unter schwierigen Rahmenbedingungen noch sehr gut, so dass man über die 10 möglichen Sprachbefehle auch alles im Griff haben kann.
Die Sprachqualität ist als ausgesprochen gut zu bezeichnen. Leider hat Alcatel es nicht geschafft, die bislang immer herausragenden Empfangsqualitäten zu halten. Die Verbindungsqualität ist allerdings auch noch bei einem Balken als sehr gut einzustufen.
Dank der 4 Graustufen wurde das Display im XXL-Format natürlich auch nachhaltig aufgewertet. Jeder Menüpunkt wird durch ein großes Piktogramm symbolisiert, inklusive Text, wobei endlich oben und unten die jeweils naheliegenden Menüpunkte aufgeführt sind. Geht man in einen solchen Obermenüpunkt, erscheinen die Unterpunkte untereinander, wobei der aktuelle Eintrag jeweils mit einem schattierten hellgrauen Balken unterlegt ist. Ruft man jetzt noch das Kontextmenü auf, verblasst die eigentliche Seite – netter Effekt. Zusätzlich erscheint zur Orientierung rechts eine Art Scrollbalken, was die Übersichtlichkeit zusätzlich wahrt.
Apropos Übersichtlichkeit: Innerhalb der Menüführung ist die Uhr immer unten klein eingeblendet und für Leute, denen die 7 Zeilen untereinander zu viel sind, lässt sich das Display auch per Zoom-Funktion auf augenfreundliche 5 Zeilen vergrößern.
Viele kennen vielleicht noch die Alcatel-eigene Eingabehilfe ZI, zum Beispiel vom 701 her. Hier zeichnete sie sich insbesondere durch ihre zahlreichen Bugs aus. Im 715 haben die Alcatel-Techniker wieder nicht wirklich aus den Fehlern gelernt, aber doch einiges gemacht: Bei meinen Testeingaben mit ZI, die übrigens optional nicht nur bei SMS zuschaltbar ist, wurde vernünftig ergänzt. Richtig, ergänzt, denn im Gegensatz zum bekannten T9-System ergänzt ZI die Wörter, so dass man zusätzlich Zeit bei der Eingabe spart. Ich bin zufrieden, zumal nicht bekannte Worte für spätere Zwecke gespeichert werden können – so lernt das Handy mit. Allerdings ist es noch immer so, dass Großbuchstaben nur beim ersten Wort möglich sind. Alles andere ist klein… ;-(



Organizer, Bedienung und Alltag
Das One Touch 715 hieße nicht so, wenn man dem 701 nicht noch ordentlich etwas draufsetzen würde: ein noch umfangreicherer Terminplaner inklusive ToDo-Liste, GPRS, polyphone Klingeltöne (auch eigene Wave-Dateien sind möglich), EMS und endlich auch eine Infrarotstelle sind integriert.
Der Organizerteil ist, wie schon beim 701, ein echtes Highlight: 800 Kontaktadressen mit maximal 23 Angaben pro Eintrag, bis zu 1.000 mögliche Terminvermerke mit Alarmfunktion und eine Liste für 60 Aufgaben. Zudem gibt’s die Möglichkeit, das Telefonbuch in 15 Kategorien zu unterteilen. Hätten die Entwickler mehr Zeit gehabt, wäre bei den Telefonverzeichniseinträgen vermutlich sogar noch ein Feld für die bevorzugte Schnürbandfarbe integriert worden 😉
Der Terminkalender ist dabei jeweils in Tages-, Wochen- oder Monatsüberblick darstellbar. Wohlgemerkt: entweder grafisch oder wahlweise auch in tabellarischer Form. In der grafischen Übersicht erscheint mir die Darstellung von Terminen ohne Überschneidung allerdings als recht kontrastarm. Regelt man am Kontrast nach, ist dagegen die dunkle Schrift auf dem ebenfalls recht dunklen Hintergrund oben in der Ansicht nicht mehr vernünftig lesbar. Ganztagestermine oder sich wiederholende Termine (mit Ausnahme von Geburtstagen) sind leider nicht möglich, dafür gibt’s bei Termineinträgen keine unnütze Zeichenbegrenzung wie bei allen anderen mir bekannten Handys. So lassen sich Termine auch inklusive Partner, Ort und Beschreibung erfassen, die Unterstützung der Eingabehilfe ZI ist selbstverständlich auf Wunsch möglich.
Aus den ergänzenden FAQ-Seiten wird außerdem deutlich, wie stark Matthias Büsing das Gerät auch im Alltag ausprobiert hat. So weist er etwa darauf hin, dass das kleine Bombensymbol in der Kalenderansicht einen Terminkonflikt markiert. Ebenfalls interessant: Das Umschalten zwischen verschiedenen Kalenderansichten kann bei vielen gespeicherten Daten recht lange dauern – laut Alcatel sei das normal. Gerade das zeigt schön die Ambivalenz des 715: für ein Handy ungewöhnlich mächtig, aber nicht immer ganz flott.
Alcatel-typisch erweisen sich Sprachsteuerung, Sprachwahl (jeweils max. 20), Sprachfunktion (max. 10) und die ebenfalls integrierte Freisprecheinrichtung als sehr praxistauglich. Im Alltag für mich kaum noch wegzudenken: Sprachmemos, die maximal eine Minute pro Aufnahme erlauben. Übrigens können diese Sprachmemos gleichzeitig auch als Klingelton dienen. Schon verrückt, sowas.
Insgesamt bietet das 715 einen etwa 560 Kilobyte großen Speicher für Bilder, Töne und SMS-Vorlagen. Die Speicherverwaltung erfolgt dabei dynamisch, das heißt: Wer viele Sprachmemos auf dem Handy mit sich herumträgt, muss entsprechend bei anderen Dingen knapsen. Verglichen mit anderen Handys gibt’s aber insbesondere bei den Termineinträgen keine Limits – die 50 maximal hinterlegbaren Einträge bei den damaligen Siemens-Modellen waren mir jedenfalls immer viel zu wenig. Ein paar wiederkehrende Geburtstage und schon ist kein Platz mehr für aktuelle Termine – kein Problem mit dem 715.
Der Vollständigkeit halber: Das 715 besitzt auch einen Taschenrechner, einen Währungsumrechner und eine Weltzeituhr.



Kleine Kniffe aus der Praxis
Einige der archivierten FAQ-Einträge sind so nützlich, dass sie in einen erweiterten Testbericht einfach hineingehören:
- Die Tastatursperre lässt sich nicht nur mit
159, sondern alternativ auch durch langes Drücken der#-Taste und Bestätigung mit „OK“ aufheben. - SMS-Empfangsbestätigungen lassen sich im SMS-Menü über den Parameter „Rük.“ dauerhaft aktivieren.
- Ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen ist mit
###847#und anschließend „OK“ möglich – allerdings unter Verlust aller Daten. - Die automatische Sommer-/Winterzeit-Anpassung wird unterstützt, wenn einmalig die passende Zeitzone gesetzt wurde.
- Es gibt sogar einen Monitor-/Wartungsmodus, der über
000000*aktiviert wird. - Die etwas heikle Abdeckung der Datenschnittstelle setzt man am besten zuerst an der Außenkante an und drückt dann die andere Seite vorsichtig an, bis sie mit einem satten Klick sitzt.
- Individuelle Rufmelodien für einzelne Kontakte gehen nicht direkt pro Kontakt, sondern nur über Gruppenzuordnungen.
Solche Punkte machen das Gerät als Zeitdokument fast noch interessanter: Man merkt, wie wichtig damals Foren, FAQ-Seiten und Nutzerwissen waren, um das volle Potenzial eines Handys wirklich auszuschöpfen.
Datenfunktionen und Synchronisation
Für die Nutzer, die oft online gehen und denen WAP (Version 1.2.1) zu langsam ist, hat Alcatel auch das schnelle GPRS der Klasse 10 implementiert. Um die Kosten überschaubar zu halten, gibt’s als Schmankerl auch einen GPRS-Zähler.
Von vielen – und ich schließe mich da mit Nachdruck ein – sehnsüchtig erwartet, ist jetzt endlich auch eine Infrarotschnittstelle an Bord. So kann man den Organizer des 715 mit PC oder PDA synchronisieren. Als Wermutstropfen sei angemerkt, dass Telefonbuch-Kategorien im Handy keine Berücksichtigung finden. Der Lieferumfang verblüfft: Dem 715 liegt standardmäßig ein Softwarepaket inklusive Datenkabel bei, mit dem man über den PC mit Outlook und Lotus Notes abgleichen, eigene Logos, Klingeltöne etc. erstellen, modifizieren und auf das 715 übertragen kann.
Im Moment versuche ich verzweifelt, das 715 davon zu überzeugen, die Synchronisierung nicht online (über WAP oder GPRS mittels des sehr wohl vorhandenen SyncML-Standards), sondern per IrDA mit meinem Handspring Visor Edge zu vollziehen. Offensichtlich ist es leider Gottes wohl doch so, dass das 715 mit PDAs oder anderen Handys nur im VCard- und VCal-Format Datenaustausch betreibt und eine komplette Synchronisierung nur mit der Softwaresuite für den PC beherrscht. Schade, hier hatte ich mir mehr versprochen.
Natürlich kann man über die IrDA-Schnittstelle und das integrierte Modem auch mit PC oder PDA (Palm OS, Pocket PC etc.) online gehen und zum Beispiel E-Mails abholen, SMS verschicken oder einfach nur im Internet surfen. Das 715 erweist sich auch hier als zuverlässiger Begleiter und Kompagnon für jeden PDA. Leider kann man die IrDA-Schnittstelle nicht dauerhaft aktivieren, das ständige Aktivieren nervt irgendwann doch etwas.
Kleiner Nachteil für Leute, die oft das beiliegende Datenkabel zur Synchronisierung mit dem PC benutzen wollen: Die Abdeckung der Schnittstelle auf der Rückseite des Geräts ist ziemlich filigran geraten, so dass es einige Übung verlangt, das kleine Kunststoffding wieder vernünftig einzusetzen.

Die ergänzenden FAQ-Seiten liefern auch hier noch einige konkrete Hinweise. Für die Übertragung mehrerer Klingeltöne – etwa MIDI-Dateien aus dem Internet – sei laut Matthias Büsing nicht zwingend das Creation Studio nötig; oft genügt schon der Content Manager. Wer eigene Logos erstellen möchte, muss auf die zulässigen Größen achten: maximal 96 × 104 Pixel, bei kleineren Logos bis 96 × 41 Pixel bleibt sogar die große Uhr sichtbar. Für Kontakt-Icons sind 96 × 56 Pixel zulässig. Außerdem nennt Matthias die vier Graustufen des Displays ganz konkret:
- Schwarz:
RGB 0:0:0 - Dunkelgrau:
RGB 80:80:80 - Hellgrau:
RGB 170:170:170 - Weiß:
RGB 255:255:255
Auch die Datenkommunikation mit dem Palm wurde detailliert dokumentiert. Für Palm OS empfiehlt Matthias unter anderem Beam Mobile für Kontakte und Termine, S25 Phone für SMS und Eudora Internet Suite als Browser und E-Mail-Client. Eine interessante Einschränkung aus der damaligen Praxis: Mit Palm OS per GPRS online zu gehen sei laut Alcatel nicht möglich, per GSM dagegen schon.
Datenkabel und Softwarepaket
Erfreulicherweise hat Alcatel dem 715 schon im Lieferumfang ein Datenkabel und ein umfangreiches Softwarepaket gegönnt.
Das pfiffig gemachte Datenkabel ist so designt, dass das 715 quasi von hinten „aufgespießt“ wird und aufrecht gehalten wird. Leider ist es nur seriell und nicht mit einem USB-Anschluss versehen.
Selten hat man ein Handy gesehen, das mit einem solch umfangreichen Softwarepaket daherkommt.


Synchronisierung
Intellisync für Alcatel ermöglicht es, mit PIMs wie Outlook, Lotus Notes oder dem Lotus Organizer Termine, Adressen und Aufgaben zu synchronisieren. Durch zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Ich erstelle auf meinem PDA zum Beispiel alle Termine mit Alarm, möchte aber, dass mein Handy auch noch Alarm schlägt. Kein Problem: Einfach in der Felddefinition die Punkte „Alarm“ und „Alarmzeitpunkt“ herausnehmen, schon wird der Alarm beim Synchronisieren ignoriert.
Im PIM hinterlegte Tagestermine ohne Uhrzeit gibt das 715, wie schon das 501/701, als Termin von 00:00 Uhr bis 23:59 Uhr wieder. Naja, die fehlende Funktion im Terminkalender hatte ich ja schon angemeckert 😉
Laut Alcatel ist die Software unter Windows XP übrigens nur „lauffähig“, aber nicht offiziell unterstützt. Für ein Handy, das erst im Herbst 2002 herauskam, schon seltsam.
Daten-, Fax-, E-Mail- und SMS-Übertragung
Weiterhin ist Software inklusive, mit deren Hilfe man Daten, Faxe, E-Mails oder SMS PC-gestützt übertragen oder WAP-Dienste nutzen kann.
Creation Studio
Als Highlight legt Alcatel das „Creation Studio“ bei, mit dem man:
- eigene Logos, Screensaver, Hintergrundbilder, EMS-Bilder oder animierte Bilder erstellen oder modifizieren und dann per Datenkabel aufs Handy übertragen kann,
- eigene Klingeltöne komponieren kann,
- vorhandene Klingeltöne im WAVE- oder MIDI-Format importieren und übertragen kann.
Besonders beeindruckt haben mich die mehrspurigen MIDI-Files, die ich testweise aus dem Netz gezogen habe. Nehmt zum Beispiel die Titelmusik von Miss Marple im MIDI-Format und hört sie Euch auf dem 715 an – ich war mehr als begeistert, wenngleich die Qualität in hoher Lautstärke, bedingt durch den kleinen Lautsprecher, natürlich nachlässt.



Unterhaltung und Extras
Obwohl das 715 „eigentlich“ als Business-Handy positioniert wurde, hat man bei Alcatel auch an den Fun-Faktor gedacht: Der stolze Besitzer kann zum Beispiel Fotos auf das Handy laden und diese einem Telefonbucheintrag zuordnen. Bei Anruf dieser Person kann man dann sogar das zugehörige Foto sehen – nettes Gimmick.
Auch eigene Hintergrundbilder oder selbstkomponierte oder heruntergeladene polyphone Klingeltöne sind problemlos einbindbar. Wie wäre es, wenn beim Anruf der 66-jährigen Mum das Lied „Mit 66 Jahren…“ ertönt? Neben der Datenübertragung via PC oder IrDA kommt man auch über WAP, EMS oder SMS an Nachschub für Individualisten.
Wie es die Zeit verlangt, hat Alcatel in Zusammenarbeit mit dem renommierten Spieleproduzenten Infogrames drei unterhaltsame Spiele im Handy verankert: Botwar, Run Run Run und Killer Expo. Hier kommt einem einmal mehr das quer gelegte Display zugute, um jeden Tag aufs Neue Highscores zu jagen und diese mit anderen Alcatel-Usern auszutauschen. Neu ist übrigens auch der „Networking mode“. Es kann also auch „online“ gegen einen anderen gespielt werden. Das Ganze findet im Deathmatch per SMS seinen Höhepunkt.



Töne und Klingelspaß
Wie ich eingangs bereits schrieb, beherrscht das One Touch 715 auch polyphone, also mehrstimmige Klingeltöne. Das übliche Einheitsgepiepe gibt es also zumindest für 715-Besitzer nicht mehr.
Leider fehlt mir der Vergleich zu anderen polyphonen Handys, um die Qualität der dargebotenen Sounds einstufen zu können. Die mitgelieferten Klingeltöne klingen in meinen Ohren zum Teil vergleichsweise dünn – das gilt insbesondere für die echten Sounds wie eine Türklingel, einen Kuckuck oder kurze Soundclips ganzer Musikstücke. Sicherlich ist das auf den kleinen Lautsprecher zurückzuführen, aber etwas mehr Sound-Qualität hätte ich eigentlich schon erwartet.
Am 701 hat mich immer genervt, dass man den verschiedenen Situationen – Alarm, Wecker, SMS-Eingang – kein freies Benachrichtigungssignal zuweisen kann. Beim 715 ist das jetzt möglich. Alle Sounds sind für alle Optionen frei einstellbar, leider greift die Lautstärke nicht für alle Ereignisse.
Mit dem im Lieferumfang enthaltenen Datenkabel oder auch per WAP oder erweiterter SMS sind die Klingeltöne beliebig erweiterbar. Möglich sind dabei MIDI-Dateien und sogar Wavefiles, so dass man eigentlich jeden beliebigen Klingelton implementieren kann.
Galerie und Außeneindruck
Zu den archivierten Zusatzseiten gehört auch eine kleine Galerie mit Fotos von der CeBIT 2002. Matthias Büsing schrieb dazu, dass es sich nicht um offizielle Produktfotos von Alcatel handle, sondern um Aufnahmen von der Messe, die aber bereits gut zeigten, „was da mit dem 715 wirklich auf uns zukommt“.




Schwächen
Wie wohl alles auf der Welt hat auch das 715 leider ein paar kleine Mankos: Ein Farbdisplay hebt man sich bei Alcatel wohl noch für einen Nachfolger auf, auf Bluetooth können die meisten wohl auch noch verzichten, warum aber die so sinnvolle Profilfunktion fehlt, bleibt Geheimnis der Alcatel-Strategen. Da das Handy kein Java beherrscht, müssten 715-Besitzer auf so manche Spielerei verzichten. Wer jedoch wie ich ohnehin einen PDA besitzt, wird das eher als Spielerei der Marketingleute abtun können.
Auch einzelne Punkte aus den FAQ passen letztlich gut in dieses Bild: Die Technik ist vielseitig, aber nicht immer elegant gelöst. Manche Funktionen verlangen Einarbeitung, einige Grenzen zeigen sich erst im täglichen Gebrauch.
Fazit
Ein echter Hingucker, dieses 715. Meines Erachtens wurde das 715 ursprünglich für das Hochpreissegment konzipiert, konnte aber beim verspäteten Erscheinen dort nicht mehr platziert werden, so dass man vermutlich für das Geld nichts Vergleichbares bekommen kann. Neben der optischen Raffinesse bietet das 715 jedenfalls fast alles, was ein aktuelles High-End-Handy braucht – und sogar noch mehr: das große Display, die gute und intuitive Menüführung, die integrierte Freisprecheinrichtung und die Gewissheit, ein Handy zu besitzen, das nun wahrlich nicht jeder hat, macht es für mich zu einem echten Kauftipp.
Hinweis zum Archiv
Dieser Beitrag basiert auf archivierten Materialien der früheren Website von Matthias Büsing. Den Text habe ich für die Wiederveröffentlichung strukturiert, zusammengeführt und um Inhalte aus den ergänzenden 715-Seiten des Archivs erweitert, inhaltlich aber weitgehend im ursprünglichen Stil belassen.
Sofern nicht anders angegeben, stammen Text und Bildmaterial aus diesem Archivbestand.
Danke an Matthias, dass ich die Inhalte verwenden darf und somit die Erinnerung an dieses Mobiltelefon ein wenig bewahren kann.

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