Das ist sicherlich kein neuer Gedanke. Aber für mich ist er in den letzten Tagen deutlich geworden.
Beim Experimentieren mit KI-Systemen habe ich unter anderem einige Fotos manipuliert. Unter anderem habe ich ein Foto von einem Weihnachtsbesuch des Weihnachtsmanns bei einer Bekannten sowie ein Foto von einem besonderen Abendessen mit Freunden erstellt.
Bei beiden Fotos habe ich den jeweiligen Personen das Ergebnis gezeigt. Sie haben einige Zeit gegrübelt, wann das gewesen sei. Sie fragten sich auch, ob ihr Gedächtnis sie trüge, da sie sich nicht wirklich daran erinnern konnten. Dann habe ich es aufgelöst.
Das zeigte mir mehrere Dinge ganz plastisch.
Wenn ich diese Technik gezielt einsetze, kann ich Menschen vielleicht ganz neue Erinnerungen geben. Ich kann Zweifel erzeugen – und Zweifel sind mächtig. Ich kann ihnen einreden, dass etwas passiert sei, das nie ganz so war. Natürlich kann ich niemandem einreden, er sei schon einmal in Grönland gewesen, wenn dem nicht so ist. Aber bei naheliegenden Dingen.
Was wäre, wenn ich meinen Nachkommen manipulierte Fotos hinterlasse, ohne dies zu kennzeichnen? Dann hinterlasse ich ihnen eine gefälschte Erinnerung über mich. Dann mag sogar der Besuch in Grönland („Schau mal, der Robert war sogar dort!”) plausibel erscheinen.
So können wir Menschen ein vollkommen gefälschtes Bild von uns vermitteln. Ich zeige, wie weit ich gereist bin, wen ich alles getroffen habe, wo ich gewohnt habe und was ich gegessen habe.
Damit kann ich meine Vergangenheit vollständig selbst bestimmen. Und für manche natürlich auch meine Gegenwart.
Und auf die Menschheit umgelegt. Was hinterlassen wir zukünftigen Generationen? Welche Wahrheiten werden sie noch über unser Leben entdecken können?
Ein seltsamer und erschreckender Gedanke.

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