Monat: Oktober 2022

  • Was für das Fediverse spricht (abseits von Elon Musk)

    Elon Musk übernimmt Twitter und marschiert mit einer Waschmuschel in die Zentrale. Er entlässt Teile der Führungsriege und freut sich, dass „Comedy“ jetzt wieder auf Twitter erlaubt sei.

    Ja, das alles können Gründe sein, Twitter zu verlassen. Ansonsten kennen wir nur Ankündigungen, wissen wir wie Elon Musk bisher auf Twitter als Nutzer agiert hat. Aber auch wenn alles nicht so schlimm kommt, kann es gute Gründe geben, warum das Fediverse der bessere Ort ist um ein Kommunikationsnetzwerk aufzubauen.

    Vorab: Obiges gilt im Wesentlichen auch für Facebook, Instagram und all die „Sozialen Netzwerk“, die von Firmen monolithisch und monopolistisch betrieben werden.

    Die Gründe für das Fediverse

    • Das Fediverse ist nicht kommerziell ausgelegt. Es gibt niemanden der ein Interesse hat, deine Nutzungsdaten an die Bestbietenden zu verkaufen. Somit gibt es auch keinen Grund dein Nutzungsverhalten so zu steuern, dass die Werbetreibenden dir ihre Produkte besser und öfter anbieten können.
    • Es gibt gar keinen Algorithmus. Jede Nachricht ist gleichberechtigt und wird einfach in chronologischer Reihenfolge angezeigt. Für Verbreitung sorgen „Boosts“ (in Twitter hätte man „Re-Tweet“ gesagt) von denen, denen der Beitrag gefällt. Ein Like gibt nur dem:der Ersteller:in ein gutes Gefühl, bewirkt aber sonst gar nichts. Damit hat jede:r immer wieder die die Möglichkeit, dass der eigene Beitrag Beachtung findet.
    • Das Fediverse kann niemand kaufen. Denn dann müsste jemand alle Betreiber von Instanzen/Servern überzeugen, die ihrige zu verkaufen. Und dann kann noch immer jemand wieder eine neue Instanz aufmachen.
    • Das Fediverse sperrt nicht einfach zu. Wie oft habe ich einen neuen Dienst erlebt, der dann (weil kein Interesse, kein Geld oder die Belegschaft „aufgekauft“) wieder zusperrte. Das war es dann. Im Fediverse wählt man dann einfach eine andere Instanz – im besten Fall kann man auch noch einige seiner Daten mitnehmen (Stimmt, die Portabilität der eigenen Identität wäre das nächste große Ding für das Fediverse).
    • Die Software (Mastodon, Friendica, Pixelfed, …) dahinter ist Open Source. Das heißt
      • Jede:r kann sie verwenden und somit eine eigene Instanz einrichten.
      • Jede:r kann die Software nach seinen Interessen abändern („Forken“ genannt)
      • Jede:r kann prinzipiell die Software nach Schwachstellen untersuchen und Verbesserungen einmelden
      • Damit ist das Risiko, dass die Software etwas im Hintergrund macht, was die Nutzer:innen nicht wollen (z.B. Daten sammeln) um einiges geringer als bei „Closed Source“ Software.
    • Nochmals: Jede:r kann sich seine eigene Instanz installieren, seine eigenen Regeln festlegen. Die eigene Instanz kann auch einem allein dienen. Damit ist man quasi wie mit seinem Blog autark und doch kann man sich nach belieben mit einem großen Netzwerk verbinden.
    • Es gibt mit „ActivityPub“ ein standardisiertes Austauschformat. Wer immer dieses nutzt, ist mit dabei. Es ist nicht perfekt und nicht jede Applikation hat es vollständig implementiert. Aber es reicht derzeit um Texte und meistens auch Bilder, GIFs und Videos auszutauschen, sich gegenseitig zu folgen, zu kommentieren und zu boosten.
    • Es gibt offene APIs (Programmschnittstellen) zu den Applikationen. So gibt es Clients für Mastodon, die man auch für andere Fediverse-Applikationen nutzen kann, und auch Pixelfed arbeitet an einer iPhone/Android-App.
    • Die Systeme sind prinzipiell offen(er) für andere Teile des Internets. So lassen sich RSS Feeds einbinden, Tweets empfangen oder senden, andere Software und soziale Netzwerke andocken. Sofern es jemand programmiert kann es Teil des Fediverse werden.
    • Wir entwickeln die Regeln. Die oberste Regel ist das Strafgesetz eines Landes. Ansonsten kann jede Instanz im Fediverse festlegen, was für sie gilt. Sind Fotos mit toten Tieren ok, braucht es Triggerwarnungen, ist Pornographie in Ordnung und wenn ja, wie weit. Ich kann mir die Instanz suchen, wo ich mich am wohlsten fühle. Gefällt mir das alles nicht, dann gilt wieder: mach deine eigene Instanz auf. Wobei dasselbe gilt, wie bei der Redefreiheit. Du kannst auf deiner Instanz (fast) machen, was du willst, aber andere Instanzen müssen dir nicht zuhören (könne deine Instanz sperren).
    • Obiges dient somit auch wieder einer gewissen „Re-Demokratisierung“ von Sozialen Netzwerken. Wir haben auf Facebook diskutiert, ob es nicht schon so weit verbreitet ist, dass es als öffentlicher Raum gelten müsste. Das Fediverse ist öffentlicher Raum. Hier kann, wer mag, auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Mitteln mit anderen in Kommunikation treten. Und prinzipiell hat niemand ein Megaphon (Algorithmus) um die anderen zu übertönen, alle reden auf gleicher Ebene miteinander.

    Update vom 2. November 2022: Heute habe ich noch einen eigenen Artikel mit Argumenten für Vereine, Behörden, Firmen,… geschrieben.

    Fällt dir noch etwas anderes ein? Dann bitte schreib mir doch bitte in die Kommentare.

    Die andere Seite

    Natürlich ist nichts perfekt. Der Einstieg in das Fediverse fällt manchen schwer – aber 2007 haben wir Twitter auch nicht verstanden 😉 Manche:r fragt sich, ob Mastodon zu viel Dominanz im System bekommen und wozu das führt. Wenn nun mehr Menschen in das Fediverse strömen haben manche Sorge, dass sich die Art der Kommunikation ändern wird.

    Aber im Fediverse haben es die beteiligten Menschen viel mehr in der Hand, wie es sich gestaltet, als bei einem geschlossenen System, dass von Musks, Shareholder Value oder Datensammlungsinteressen angetrieben sind.

    PS: Ich bin unter microblog.at/@roblen im Fediverse. Wenn es dich interessiert, du Fragen dazu hast. Soweit ich kann helfe ich gerne 🙂

  • Follow Liste aus Twitter in Mastodon finden

    Die letzten Stunden sind doch einige Menschen von Twitter auf Mastodon umgestiegen oder sie haben sich zumindest auch auf einer Mastodon Instanz einen Account angelegt.

    Einer der ersten Fragen war da oft, wie finde ich die denen ich auf Twitter folge auch in Mastodon (sofern sie schon dort sind).

    Luca Hammer hat sich der Frage angenommen und nächtens ein entsprechendes Tool gebastelt: den Fedifinder

    Man autorisiert das Tool bei Twitter und dann:

    Fedifinder looks for @user@host.tld, user@host.tld and host.tld/@user in the screen name, description, location and url field. 

    Because of Twitter API rate limiting, only the most recent 3000 followings are looked at. If you get a „Rate limit exceeded“ warning, wait about 15 minutes and try again.

    So hat bei mir das Tool doch 37 Accounts entdeckt. Natürlich muss das nicht heißen, dass auf Mastodon dieselbe Person dahintersteckt.

    Nun kann man die einzelnen Accounts entweder einzeln aufrufen oder man exportiert die Liste als CSV-Datei und importiert sie in den Settings von Mastodon in seine Folge-Liste.

    Mastodon ist nicht das Fediverse

    Nachdem es immer wieder Begriffsverwirrungen gibt.

    Mastodon.social ist nur einer von vielen Instanzen/Servern, die mit der Mastodon Software betrieben werden. Mastodon.social betreibt der Hauptentwickler dieser Software und sie ist aufgrund ihrer Bekanntheit die wohl größte Instanz.

    Weitere Instanzen findet man zum Beispiel über joinmastodon.org/servers. Wobei es viel mehr gibt.

    Mastodon ist aber nur ein Teil des Fediverse. Dazu muss man verstehen, dass sich die einzelnen Instanzen über ein Protokoll namens „ActivityPub“ austauschen und man so auch Menschen von anderen Instanzen folgen und deren Nachrichten lesen kann. Dieses ActivityPub Protokoll verstehen aber auch noch andere Programme. Einige davon findet man bei fediverse.party oder bei fedi.tips.

    Dies ist ein älterer Artikel. Leider sind einige verlinkte Seiten nicht mehr erreichbar. Wenn möglich, findest du einen Link zur archivierten Seiten in der WayBack Machine. Wenn du etwas zu dem Inhalt ergänzen möchtest, schreib mir oder kommentiere diesen Artikel.

  • Fediverse und Barrierefreiheit

    Ist das Fediverse auch für behinderte Menschen gut nutzbar. Eine erste Auskunft gibt Eric Eggert in seinem Blogartikel Accessibility in the Fediverse (and Mastodon).

    Für mich interessant ist die relative lange Liste an Menschen, die sich mit „Accessibility“ beschäftigen und ein Profil im Fediverse haben. Was mir auffällt: Durchwegs alle verwenden eine Mastodon Instanz, die meisten sind bei der größten Instanz mastodon.social. Irgendwie schade. Wäre wirklich interessant, wie es sich für Menschen mit Seh- und anderen Behinderungen auf Friendica, Hubzilla oder Pleroma anfühlt.

  • Friendica als Feedreader einsetzen

    Vor ein paar Tagen habe ich meine eigene Friendica Instanz aufgesetzt. Weiters betreibe ich auch einen eigens auf meinem Webspace installierten Feedreader (FreshRSS).

    Jetzt bin ich bei Friendica auf eine feine Funktion gestossen, nämlich RSS Feeds quasi zu folgen.

    Wenn man die URL eines RSS Feeds (wie z.B. die meines Blogs: https://nureinblog.at/feed) in die Suchleiste von Friendica eingibt, dann analysiert diese den Feed und bietet einem an, diesem Feed zu folgen. Dabei werden einem folgende Optionen angeboten:

    Der Feed ist dann quasi wie das Profil eines Fediverse Nutzenden und wird auch in der Liste der Kontakte dargestellt.

    Man kann sich über neue Beiträge extra benachrichtigen lassen. Friendica erlaubt (optional), dass man auch Vorschaubilder, Titel und Zusammenfassung aus dem Feed-Eintrag laden und als Beitrag des Profils darstellen lassen kann. Bestimmte Schlüsselwörter/Hashtags können extra angegeben werden, die in der Timeline nicht als Hashtag dargestellt werden sollen.

    Ebenso kann man diesen speziellen Kontakt auch vor anderen verbergen. Er wird dann nach außen hin nicht in der Kontaktliste angezeigt – sofern diese prinzipiell öffentlich ist.

    Wer mag erspart sich damit einen Feedreader indem er:sie entsprechende Feeds einfach als Kontakt in Friendica aufnimmt.

    Eine andere Möglichkeit ist die des „versteckten“ mitlesens bei anderen Fediverse Profilen. So kann es sein, dass man manche:r Politiker:in, Institutionenprofil, etc. nicht folgen will, aber trotzdem lesen möchte, was diese Person/Institution so öffentlich von sich gibt. Um sich das regelmäßige aufrufen der Profilseite zu sparen ginge folgendes: Jedes Profil im Fediverse (zumindest bei Mastodon und Friendica) bietet aktuelle Postings auch als RSS Feed an. So könnte man diesen Feed abonnieren und neue Beiträge sofort in der eigenen Timeline lesen – eben ohne dem Profil zu folgen.

    Und so sieht dann ein neuer Beitrag in der eigenen Timeline aus.

    Das Profilbild übernimmt Friendica anscheinend aus meinem FavIcon. Als Fediverse Applikation, von der gepostet wurde, wird WordPress angegeben. Dann folgen die ersten Worte aus meinem Blogbeitrag, ein eventuell eingebundenes Foto sowie der Titel des Beitrags (mit Link zum Originalbeitrag).

    Mit Zitat teilen kann ich den Beitrag dann auch mit meinen Followern im Fediverse teilen. Das heißt, ich brauche auch kein eigenes Plugin für WordPress um recht rasch Beiträge über diesen Kanal zu verbreiten.

    Auf alle Fälle ist diese Funktion von Friendica recht praktisch, egal ob ich sie nur für mich zum lesen oder auch zum weiter verteilen nutze. Und sie ist in Friendica einfach so integriert.

    Update vom 29.10.2022

    Aufgrund des Artikels bekam ich im Fediverse den Hinweis eines Friendica Users (danke!).

    Ich muss per Feed hereingeholte Beiträge gar nicht per Hand teilen. Als Admin kann ich folgende Funktion aktivieren

    Nutzern erlauben, das remote_self Flag zu setzen: Ist dies ausgewählt, kann jeder Nutzer jeden seiner Kontakte als remote_self (entferntes Konto) im „Erweitert“-Reiter der Kontaktansicht markieren. Nach dem Setzen dieses Flags werden alle Top-Level-Beiträge dieser Kontakte automatisch in den Stream dieses Nutzers gepostet (gespiegelt).

    Klingt jetzt ein wenig sperrig. Aber das heißt:

    • Ich abonniere den Feed meines eigenen Blogs in Friendica.
    • Dieser ist als „Nur Ein Blog“ als Kontakt bei mir sichtbar
    • Ich aktiviere als Nutzer das „remote_self Flag“
    • Artikel meines Blogs, die per Feed hereinkommen, werden nicht nur mir angezeigt, sondern sind auch für alle anderen (auch öffentlich auf meine Profilseite im Web) sichtbar.
    • Klicks auf den Teaser (mehr wird ja nicht hereingeholt) führen dann zu meinem Blogartikel

    Das, wofür ich bei Twitter eine eigenes WordPress Plugin benötigte erledigt Friendica nun für mich einfach automatisch.

  • FreshRSS – Feedreader selbst hosten

    Wer kennt noch RSS (Web-Feeds)? Viele wissen nicht einmal, dass ihr eigenes WordPress Blog so etwas anbietet.

    In aller Kürze: Es ist ein eigenes Format (RSS-Feed), über den Websites neue Artikel anbieten. Spezielle Programm (Feedreader) erlauben es, dass ich diese Feeds abonniere. Mein Feedreader ruft dann regelmäßig auf allen abonnierten Websites diese Feeds auf und sieht nach, ob es etwas Neues gibt. Wenn ja, wird mir der Artikel im Feedreader angezeigt. Es ist quasi wie die Timeline bei Twitter, nur mit Websites.

    Lange Zeit war der Google Reader das Tool meiner Wahl. Dann wurde es eingestellt und ich wechselte zu Feedly. Ein guter Dienst. Aber für mehr Features muss man zahlen und man wird halt weiterhin „fremdgehostet“.

    Über Dirk Deimeke bin ich auf FreshRSS gestossen. Die Software ist Open Source und wird am eigenen Webspace gehostet. Heuer wird sie 10 Jahre alt. Das heißt, keines dieser Apps die schnell mal boosten und dann wieder weg sind. Mit diesem Alter ist sie auch ausgereift und recht stabil.

    Installation

    Ein Webspace, eine MySQL Datenbank und ein FTP Programm um die Dateien auf den Webspace zu schieben ist alles, was man braucht. Die Installation ging leicht von der Hand und dann kann man schon loslegen.

    Wer doch Schwierigkeiten hat, für den:die gibt es ein englischsprachiges Handbuch.

    Features

    Natürlich kann man mit FreshRSS unterschiedliche Feeds abonnieren, in Kategorien verwalten, etc. Ebenso kann eine Installation auch von mehreren Nutzer:innen verwendet werden.

    Mittels „Erweiterungen“ ist FreshRSS um zusätzliche Funktionen erweiterbar. YouTube Video Kanäle abonnieren, die Kompatibilität mit unterschiedlichen Feedreadern erhöhen sind dabei nur ein paar der Features. Letzteres benötigt man um Dritt-Apps mit FreshRSS zu verbinden, sofern sie nicht von Haus aus FreshRSS unterstützen.

    Mein von mir genutztes FieryFeeds kann dies von Haus aus. Das heißt, ich bin nicht auf die Weboberfläche (die mit Tastaturkommandos gut nutzbar wäre) angewiesen, sondern kann über die App am iPhone, iPad und am Mac Feeds abrufen oder als Favoriten markieren.

    Ebenso lassen sich in der Weboberflächte Buttons hinzufügen, mit dem einzelne Artikel über Twitter, Mastodon, Wallabag, XING und viele andere Dienste teilen kann.

    Wer einen Cronjob nutzen kann, der:die hat damit die Möglichkeit, seine Feeds auch alle 20 Minuten zu aktualisieren. Ansonsten muss man das in der Weboberfläche „händisch“ mit einem Mausklick anstossen.

    Verschiedene Ansichten erlauben Artikel für Artikel zu lesen oder alle neuen in einer langen Liste durchzuscrollen.

    Wer gerne die Weboberfläche und nicht Dritt-Apps nutzt, für den:die gibt es auch unterschiedliche Themes.

    Für jedes Feed-Abo lassen sich eine Vielzahl von Dingen konfigurieren. Hier habe ich mich selbst noch gar nicht so richtig durchgearbeitet.

    Ausprobieren?

    Wer FreshRSS mal ausprobieren möchte, der:die findet auf der Doku-Seite auch den Link und die Zugangsdaten zu einer Demo.

    Fazit

    Ich bin sehr zufrieden mit FreshRSS. Ich vermisse keine Funktionen. Die Applikation läuft einwandfrei und ohne Probleme seit einigen Monaten auf meinem Webspace. Ein erstes Update funktionierte ebenso klaglos. Was die Möglichkeiten betrifft, kratze ich mit meiner Nutzung wohl erst an der Oberfläche.

  • Das war der #FediJune 2022

    Die Zeit verrast. Gerade war noch der Juni 2022, in dem ich einen #FediJune einlegte.

    Was in dem Monat anders war habe ich damals schon beschrieben:

    In diesem Monat möchte ich nicht aktiv auf Facebook, Instagram und Twitter posten. Das heißt, von meiner Seite aus Postings beginnen. Antworten werde ich natürlich, weil ich verweigere mich ja nicht der Kommunikation an sich. Und mein WordPress wird weiter automatisiert Artikel nach Twitter werfen.

    Aber alles was ich von mir aus poste, das sind Texte und Bilder, werde ich allein im Fediverse machen. Meine Hauptplattform wird mein @roblen Account auf microblog.at sein. Mein Blog lasse ich nicht allein – weil das ist und bleibt das Kernstück meines Schreibens.

    Nur ein Blog

    Was habe ich in dem einen Monat erfahren und für mich Rückschlüsse gezogen. Darum geht es in dem heutigen Artikel

    Das Fediverse

    Das Fediverse ist quasi die Gesamtheit alle Webservices, die mittels des Activitypub Standards verbunden sind. Ein wenig habe ich das in Ist Mastodon viel zu kompliziert? erklärt. Kurz gesagt. Stellt euch vor, ihr könntet in Twitter auch Einträge (Text und Video) aus YouTube sehen (und kommentieren) und in Instagram auch Twitterartikel mitsamt Fotos.

    Den Dienst den ich verwende (einen Überblick über das Fediverse bietet unter anderem fediverse.party) kann ich dabei all als Sendekanal verwenden oder auch als Empfangskanal für Kommentare, Folgende und für Likes. All das funktioniert über das gesamte Fediverse hinweg.

    Wobei ich im #FediJune merkte, dass das manchmal auch ein wenig Theorie ist. Es gibt da und dort Inkompatibilitäten. Mal werden längere Texte nicht in meiner Timeline angezeigt und ich muss zum anderen Dienst springen (was aber recht einfach geht) oder Fotos werden nur begrenzt mitübertragen. Auch erlaubt mancher Dienst Textformatierungen wie Überschriften oder Fettschrift, die dann im anderen Dienst nicht angezeigt werden. Das ist alles verkraftbar, aber könnte besser laufen. Andererseits muss ich feststellen: Immerhin „redet“ man miteinander.

    Zielgruppe(n)

    Auch wenn das Fediverse mehrere Dienste vereint, so ist die Gesamtzahl der Nutzenden viel geringer als allein bei Twitter oder Instagram oder … Aber was sagt das schon.

    Aufgrund dessen, dass sich das Fediverse als Alternative zu kommerziellen Social Media Netzwerken präsentiert, haben viele der Nutzenden dieses Netzwerk ganz aktiv gesucht. Das heißt, hier finden sich durchaus Expertinnen, Interessierte und Aktivist:innen zu vielen Themen. Aufgrund der Dezentralität gibt es auch ganze Server/Instanzen, die für die jeweilige Zielgruppe eingerichtet wurden. So habe ich unter meinen Folgenden und denen ich folgenden Menschen, die aktiv zu Themen posten wie

    • Nachhaltigkeit und Mobilität
    • LGBTIQ+
    • Barrierefreiheit und Selbstbestimmtheit
    • Netzpolitik
    • Fediverse und seine Implikationen
    • Programmieren, App Entwicklungen
    • Datenschutz und Privatsphäre
    • Webtechnologien
    • Literatur: So fand ich schon Krimi- und Science Fiction Autor:innen, deren Bücher ich dann im Urlaub nach dem #FediJune gerne gelesen habe – und diese Menschen sind dort wirklich noch ansprechbar 🙂
    • Fotografie: Es gibt viele Fotos (auch Katzen und Faultiere), viele Tipps und Austausch und auch einen #FotoMontag

    Beispiel Mastodon

    Über die Mastodon App betreibe ich auch mein eigenes Microblog. Ihr findet mich unter microblog.at/@roblen – ganz ohne anmelden ist alles lesbar und somit wirklich ein Microblog.

    Jede:r kann einen Mastodon Server (Instanz genannt) aufsetzen und anderen den Platz für einen eigenen Account bieten. Der Vorteil ist, dass sich so auch Gemeinschaften mit gemeinsamen Interessen eine eigene Instanz einrichten können. Dort gibt es dann eigene Regeln (wie es das mit sensibler Sprache, Nacktfotos, etc.) und sie entscheiden selbst, mit welchen anderen Servern sie sich im Fediverse vernetzen oder nicht. Viele Instanzen sind für Nutzer:innen offen. So habe ich die Qual der Wahl, wo ich mich einrichte.

    Instanzenbetreiber:innen können natürlich auch entscheiden, dass sie den Server zusperren. Das ist so eines der Argumente gegen das Fediverse. Aber wieviel kommerzielle Plattformen habe ich schon benutzt, wo mir das auch passiert. Und ich rede nicht nur von kleinen Anbietern, siehe Google Plus!

    Und man kann relativ einfach Instanzen wechseln oder eben selbst eine betreiben oder so wie ich einen Hoster suchen, der sich um die Technik kümmert. Ich bin dann zwar der Betreiber, muss aber nur mehr die Verwaltung übernehmen.

    Twitter kennt den Blue Button um zu bestätigen, dass die Person echt ist. Mastodon kennt was viel einfacheres. Wer z.B. einen speziellen Code im eigenen Blog anbringt und dann im Mastodon Profil auf sein Blog verlinkt sieht dort, dass es ein verifizierter Link ist. Somit habe ich als Besucher:in die Bestätigung, dass der angegeben Link wirklich zu einer Website führt, die mit dem Mastodon Account etwas zu tun hat.

    Jede:r eine eigene Instanz

    Manche finden die Idee, dass ich nur für mich selbst eine Instanz betreibe abstrus. Warum so etwas tun. Nun, man kann damit ganz selbst entscheiden, welche Inhalte am Server zu finden sind. Man betreibt diese unter einen eigenen Domain, wie z.B. ich mit microblog.at. Seht es so wie WordPress. Die einen gehen zum WordPress.com und lassen die Firma Automattic das eigene Blog hosten. Viele installieren aber WordPress lieber auf ihrem eigenen Webspace/Server.

    Eine eigene Instanz im Fediverse ist dann der Ausgangspunkt um sich mit zig anderen zu vernetzen und auszutauschen. Damit ist das Fediverse auch nicht in der Hand einer Person / einer Firma. Sperrt eine Instanz zu, sind da noch viele andere bzw. habe ich ja meine eigene.

    Anmerkung: Mit Friendica habe ich nun eine Software entdeckt, die das hosten einer Instanz technisch einfacher gestaltet. Wer WordPress installieren kann, kann das auch mit Friendica.

    Reichweite

    Manche erklären mir, dass man im Fediverse keine Reichweite hätte und daher ein Auftritt von geringem Interesse sei. Nun, dass ist wohl alles relativ.

    Auf manchen Sozialen Netzwerk entscheidet (auch) ein Algorithmus, wie oft und wo ein Beitrag von dir angezeigt wird. Im Fediverse gibt es das nicht. Alle Beiträge landen im Gesamtstream, der zwischen Instanzen geteilt wird. Je mehr Menschen man folgt oder gefolgt wird, umso mehr Server lernen den eigenen Account kennen und streamen ihn.

    Aber es gibt keine Wertung über die Bedeutung des Beitrags. Das heißt jeder Push (neue Beitrag) ist eine neue Chance entdeckt zu werden, Likes zu bekommen oder von anderen re-postet (geboostet) oder auch kommentiert zu werden.

    Auch wenn ich derzeit unter 200 Follower habe wurden schon etliche Beitrage von mir geliked, geboostet und kommentiert. Und das oft von Personen, die mir nicht folgen und denen ich nicht folge.

    So gibt es im Umfeld meines Profils viel Austausch und Diskussion.

    Was hilft sind die passenden Hashtags. Die fallen auf und werden von manchen auch gesucht bzw. kann ich Hashtags auch als RSS Feed in meinem Feedreader laden. Mastodon wird in Bälde auch eine Möglichkeit bieten, Hashtags zu folgen. Das macht diese noch interessanter und eine gute Möglichkeit Themen zu folgen. So habe ich selbst über Hashtags schon manch interessanten Beitrag oder Diskussion entdeckt.

    Meine Social Media Welt

    Nach einem Monat des #FediJune kamen mir auch paar Gedanken zu meiner Social Media Nutzung.

    Twitter

    Dort habe ich rund 1.600 Follower. Aber wieviel Interaktion erzeugen dort meine Tweets? Oft weniger oder nicht viel mehr. Was ich auf Twitter dann mehr nutze sind Direktnachrichten (die teilweise auch im Fediverse funktionieren) oder Gruppenfunktionen. Zu letzteren gibt es im Fediverse immer wieder Ansätze, aber so richtig haben sich diese noch nicht (technisch) etabliert.

    Mit den Ankündigungen von Elon Musk Twitter zu übernehmen schreckt mich das Soziale Netzwerk noch mehr ab. Denn Musks Redefreiheitsbegriff dürfte ein anderer als meiner sein. Die Absicht tausende Mitarbeiter:innen zu entlassen geht auch in die Richtung, Twitter als Ort für Trolle und Co. weiter zu öffnen.

    Instagram

    Wenn ich Instagram derzeit beschreiben müsste: 1. Werbung, 2. Werbung, 3. Werbung. Es nervt einfach. Noch habe ich dort nette Kontakte und finde feine Fotos, einige gute Stories.

    Facebook

    Facebook ist halt der öffentliche Dorfplatz, wo man jede:n trifft. Hier halte ich Kontakt auch mit Bekannten, alten Schuldfreund:innen, Ex-Kolleg:innen. Man bleibt ein wenig in Kontakt oder findet sich wieder.

    LinkedIn und XING

    In beiden war ich nie richtig aktiv, habe kaum gepostet oder mich bemüht präsent zu sein. Es sind halt meine Visitenkarten, wenn mich jemand dort sucht. Nicht mehr.

    Um Kontakte bemüht

    Dieses Kontakt halten ist etwas, was sich bei mir durch alle Netzwerk zieht. So wie ich unterschiedliche Instant Messenger brauche um mit allen in Kontakt zu bleiben, so braucht es unterschiedliche Netzwerke. Manches lässt sich aber leicht ändern. So werde ich mal den einen oder anderen Geburtstag auch in meiner Kontakte App notieren und brauche dazu nicht mehr Facebook oder XING.

    Fazit

    Ich habe im #FediJune und darüber hinaus die Nutzung von Twitter und Co. massiv reduziert. Siehe da, es ging mir gar nicht so ab, wie ich dachte. Ich bleibe trotzdem über Neuerungen und politische Entwicklungen informiert. Mancher Diskurs geht mir gar nicht ab, da er eh mehr Streiterei und untergriffiger Kommentar war.

    Aus dem #FediJuni ist quasi ein #FediYear geworden.

    Noch scheue ich darüber nachzudenken, ob ich einen anderen Dienst vollständig verlasse bzw. ich ihn sogar kündige. Mit dem Fedijune habe ich zumindest gelernt, dass es Alternativen gibt, dass ein förderiertes System nicht das perfekte System ist aber es ein spannender (auch) netzpolitischer Ansatz ist. Ich habe außerdem wieder erfahren, dass mir der Austausch mit Menschen Freude macht, aber es nicht die großen Plattformen sein müssen.

    Nachsatz: Wenn irgendjemand von euch überlegt, sich das Fediverse einmal anzusehen, sich selbst einen Account oder eine Instanz anzulegen und dabei noch Fragen hat. Dann fragt mich gerne. Ich werde versuchen, zu antworten oder eine Antwort für euch zu finden.

  • Friendica: eine Fediverse Instanz einfach selbst hosten

    Ich bin nun mit meinem Microblog schon seit einigen Monaten im Fediverse. Microblog hoste ich dabei nicht selbst, sondern lasse den Server hosten. Denn die Administration der Mastodon Software ist mir doch zu komplex. Immerhin verlangt Mastodon einen eigenen Server.

    Aber das Fediverse – als föderiertes System – ist groß. So gibt es etliche Anwendungen, die untereinander über das ActivityPub Protokoll kommunizieren.

    Mit Friendica habe ich nun ein Selfhosting probiert.

    Anforderungen

    Denn Anforderungen für eine Friendica Installation sind nicht so hoch. Kurz gefasst reichen die gleichen Anforderungen, wie sie auch WordPress braucht:

    • Ein Share Webspace (keine dezidierter Server)
    • PHP und eine mySQL Datenbank
    • die Möglichkeit einen Cronjob (zeitgesteuertes aufrufen einer Datei / eines Programms) zu implementieren.
    • Eine eigene (Sub)Domain für die Friendica Instanz

    Die ersten beiden Punkte erfüllt mein Provider. Über dessen Verwaltungsoberfläche gibt es auch die Möglichkeit Cronjobs einzurichten.

    Installation

    Die Installationsanleitung ist dann nicht allzu schwierig zu befolgen:

    • MySQL Datenbank (leer) anlegen und Dateien auf den Webspace verschieben
    • Über den Browser die (Sub)Domain anrufen
    • Ein paar Infos angeben, inklusive Mailadresse
    • Zugangsdaten für die mySQL Datenbank eingeben
    • Admin Account anlegen

    Dann braucht es ein wenig Zeit und es begrüßt einem die Oberfläche von Friendica. Diese läuft über meinen Webspace ausreichend flüssig. Wer die Instanz aber nicht nur für sich sondern für hunderte oder tausende Nutzer:innen verwenden will, wird dann aber wohl einen eigenen Server brauchen.

    Ein erster Blick ins System

    Apropos Oberfläche. Sie wirkt auf den ersten Blick ein wenig altbacken. Mit der Installation kommen ein paar Themes mit, sodass man schon das eine oder andere ändern kann.

    Auch die Usability ist auf den ersten Blick nicht perfekt. Die Administration im Backend bietet viele Möglichkeiten. Wo aber was zu finden ist, erschließt sich nicht immer gleich. Dasselbe gilt für das Frontend. Aber daran gewöhnt man sich wohl nach ein wenig Übung sicher.

    Für Außenstehende wirkt die Oberfläche aber aufgeräumt und man kann damit leicht seinen eigenen Microblog aufbauen und sich mit anderen im Fediverse verknüpfen. Friendica ist im Vergleich zu Mastodon in manchem mächtiger. So kann ich mehr als 500 Zeichen in Beiträgen verwenden und auch entsprechende mit Markups (BB Code oder Markdown) versehen. Damit gibt es Überschriften, fette und kursive Schrift etc. Friendica ist somit durchaus eine Möglichkeit auch sein Blog dorthin zu verlegen.

    Ebenso kann man RSS Feeds (quasi als eigenen Kontakt) folgen und somit Friendica als Feedreader verwenden.

    Eine Vielzahl von Addons erlauben das hinzufügen von vielen Funktionen. So habe ich eines entdeckt, dass Friendica mit Twitter verbindet und das crossposten zu Twitter (und andersrum) ermöglicht.

    Friendica ist jetzt gerade erst 24 Stunden installiert. Vieles muss ich noch ausprobieren, testen und üben. Außerdem gibt es noch ein kleines Problem mit der Darstellung von einzelnen Bilder. Aber ich bin schon jetzt sehr begeistert, dass es mit Friendica eine Software gibt, die auch nicht so erfahrenen Nutzer:innen den Einstieg mit einer eigenen Instanz in das Fediverse ermöglicht.