Interview mit Armin Hanisch: Über einen Anruf bei Peter Norton und das Blog als logischer nächster Schritt

Armin Hanisch bloggt auf https://www.arminhanisch.de. Im Rahmen der BlogWochen 2026 habe ich mit ihm ein schriftliches Interview geführt.

Viel Freude beim Lesen!

Was bedeutet dir dein Blog heute – und hat sich das verändert, seit du angefangen hast?

Es ist nach wie vor mein „öffentlicher Zettelkasten“. Hier kann ich mich bzw. mein Schreiben ausprobieren, Dinge teilen, Gedanken festhalten. Die erste Version des Blogs ist in den digitalen Jagdgründen gelandet (das war ab 2002 rum), das jetzige Blog läuft seit 2008 mit einer Frequenz von 4 Posts pro Jahr bis zu einem Post pro Woche. Verändert hat sich die Bedeutung für mich seit damals nicht. Es ist ein „Weblog“ im ursprünglichen Sinn, schon immer und mit Absicht nicht monothematisch.

Porträtaufnahme von Armin Hanisch. Hinter ihm ist Meer zu sehen.
Armin schreibt dazu: Dieses Bild auch, weil es mich in meinem geliebten Italien (hier in Grado) zeigt. Etwas, das auch Auswirkungen auf mein Blog bzw. einige Beiträge hatte, die es in einer englischen und einer italienischen Version gibt, weil ich im Fediverse in einer Gruppe von Italienern mitschreiben darf, die geduldig mein schiaches Italienisch ertragen. 😁

Gibt es einen Beitrag in deinem Blog, der dir besonders wichtig ist? Was macht ihn für dich besonders?

Es gibt zwei. 😉 Der eine, weil sowas nur in den Anfangszeiten des Personal Computing und vor dem Web möglich war, der Anruf bei Peter Norton.

Der zweite, weil es gut zeigt, dass du dich nicht zu ernst nehmen und für zu kompetent halten solltest und weil es sinnbildlich für einige Erlebnisse in der Partnerschaft mit meiner Frau zeigt, die ebenso verliefen: Geeks, hört auf eure Frauen.

Wie siehst du die Zukunft persönlicher Blogs? Was macht sie für dich auch heute noch interessant – oder vielleicht sogar wichtiger als früher?

Textlastige Formate haben es im multimedialen Zeiten mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne schwer. Höre ich immer, stimmt aber nicht. Ich lese heute eher mehr Blogs als früher. Persönliche Blogs sind ein bedeutender Teil des „small web“ und mit die einfachste Möglichkeit für einen eigenen Online-Auftritt. Ich sehe die Zukunft auch aufgrund der zunehmenden Manipulation und des Trackings der kommerziellen Plattformen optimistisch. Die Leute bemerken, dass sie das Produkt sind. Nach einer einfachen Homepage oder einem Portfolio ist ein persönliches Blog der logische nächste Schritt. Mehr den ja gilt heute „own your words“.

Du beschreibst dein Blog als digitalen Zettelkasten eines chronisch Neugierigen. Ist das Schreiben für dich vor allem eine Möglichkeit, Gedanken festzuhalten, oder entstehen viele Gedanken überhaupt erst beim Schreiben?

Du wirst lachen, die meisten Blogposts entstehen ganz analog mit einem Stift in einem meiner Notizbücher. 😁 Wenn sich ein interessanter Gedanke auf deiner Schulter niederlässt, dann solltest du ihn einfangen. Erst danach (und je nach Thema und Umfang unterschiedlich lange) wird da eine Datei mit dem Text daraus. Einige wenige Posts, die während des Tages auf einem kleinen Notizblock entstanden, wurden dann Abends tatsächlich in einem Rutsch runtergeschrieben. Andere, wie der Post über die Zukunft des Kaffees brauchten von der Idee bis zum fertigen Blogpost Wochen. 

Beim Schreiben (analog und digital) formen sich die Gedanken und beeinflussen das Ergebnis. Ist das dann etwas, das über den ursprünglichen Entwurf weit  hinausgeht, dann kann daraus wieder ein neuer Zettel entstehen. Da ich wirklich ein chronisch neugieriges Kerlchen bin, gibt es auch im Blog ein buntes Sortiment an Themen.

Dein Blog trägt den ungewöhnlichen Titel „Zollkiesel statt Meilensteine“. Was steckt hinter diesem Namen, und was sagt er über deinen Zugang zum Leben und Bloggen aus?

„Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt“. Dieser Laotse (oder Laotzi, 老子) zugeschriebene Spruch passt ganz gut zu meinem Zugang zu Dingen. Je größer dein Unterfangen, umso wichtiger ist ein iteratives Vorgehen. Nach über 40 Jahren in der IT und im Projektmanagement finde ich das Wortspiel mit dem berühmten „Meilenstein“ und dem ironischen „Zollkiesel“ als Vorschlag, nicht zu viel auf einmal zu wollen, sehr praxisnah. Schritt für Schritt, immer in der Lage, bei Bedarf eine Neuausrichtung vorzunehmen. 

Wie oben geschrieben, entsteht auch ein Blogpost nicht spontan und in einem einzigen Schritt. 

Für den Zugang zum Leben? Baby steps, Baby! 😉 Ich muss bei meinen Interessen nicht der Beste werden, ich muss nur besser werden als ich beim letzten Mal war. Und es wird nie enden, weil Lernen Spaß macht und „Perfektion ist für Götter“.

Du beschäftigst dich mit sehr unterschiedlichen Themen. Ist gerade diese Freiheit, ohne ein festgelegtes Thema schreiben zu können, für dich eine der größten Stärken persönlicher Blogs?

Auf jeden Fall. Ich bewundere Leute, die es (gerade oft im Tech-Bereich) durchhalten, ein monothematisches Blog über Jahre durchzuziehen. Beim Lesen denke ich mir dann aber auch oft, „und der Rest? Hat dieser Mensch keine anderen Interessen oder interessante Facetten? Einfach über alles schreiben zu können, zuerst für mich persönlich und als „note to my later self“ und wenn es andere interessiert, dann ist das eine schöne Zugabe.

Wer für sein Publikum schreibt, damit die Beiträge gut ankommen oder viele Leute erreichen, schreibt kein Blog, sondern betreibt Selbstvermarktung.

Welche Beiträge machen dir selbst beim Schreiben am meisten Freude: spontane Beobachtungen, kleine technische Entdeckungen oder längere Texte, für die du dich intensiv mit einem Thema beschäftigst?

Wer mein Blog liest, weiß, dass ich eine Tendenz zu long reads habe. 😆 Am meisten Freude machen mir daher Beiträge, die lang anfangen und nach Überarbeitung schließlich nur noch halb so lang sind, dabei die gleiche Botschaft rüberbringen und leicht zu lesen sind. Eines meiner Notizbücher hat auf dem Titel ein Zitat von Hemingway: „Schreib einen einfachen Satz“. Schwer. Wirklich. 

Wie erlebst du das Verhältnis zwischen deinem Blog und dem Fediverse? Entstehen dort unterschiedliche Gespräche, oder sind beide für dich Teile derselben persönlichen Öffentlichkeit?

Das Fediverse ist für mich ein anderer Teil meines Blogs. Ich habe zwar eine Kommentarmöglichkeit in meinem Blog, aber dort kommen (außer dem üblichen Spam) nur wenige Kommentare an. Vielleicht auch, weil ich mehr als einen Beitrag geschrieben habe, warum ich Social Media für das eigentlich Kommentarmedium eines Blogs halte. Schon weil es dort einfacher ist, Diskussionen blog-übergreifend zu führen.

Danke für das Interview.

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